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„Schon vor 2500 Jahren sehr beliebt“
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Quelle: evkö/Ems-Zeitung 10. März 2011 18:39 Uhr

Grabungen kosten 102000 Euro

„Schon vor 2500 Jahren sehr beliebt“

evkö Aschendorf. Bei routinemäßigen Probegrabungen des niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege haben Archäologen im geplanten Baugebiet Waldseestraße zahlreiche Funde und Befunde aus vorchristlicher Zeit entdeckt. Der Aschendorfer Ortsrat hat am Mittwochabend dennoch einstimmig beschlossen, das Areal als Baugebiet auszuweisen. Die für Rettungsgrabungen entstehenden Kosten sollen auf den Grundstückspreis umgelegt werden.

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„Man könnte sagen, dass die Bauplätze schon vor 2500 Jahren sehr beliebt waren“, scherzte Dr. Jana Fries im Aschendorfer Ortsrat. Die Bezirksarchäologin des niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege war am Mittwochabend zu Gast, um über die Bodenfunde an der Waldseestraße zu berichten.

„Eschböden sind generell verdächtig“, begründete die Archäologin das Einschreiten der Denkmalschutzbehörde. Diese Böden seien künstlich vom Menschen aufgetragen. Sie würden hervorragend Denkmäler, die sich in unteren Erdschichten verbergen, konservieren. Deshalb mache bei der Planung von Baugebieten auf solchen Arealen die Denkmalschutzbehörde routinemäßig Probegrabungen, um eventuell vorhandene archäologische Hinterlassenschaften zu retten.

Dabei wird der Mutterboden bis zur Sandschicht abgetragen, erklärte Fries. Die Schicht sei manchmal bis zu einem Meter dick. Im Gebiet an der Waldseestraße wurden in der Länge insgesamt sieben Schnitte gezogen, die etwa zwei Meter breit waren. Wie Fries erläuterte, unterscheidet der Archäologe zwischen Funden und Befunden. Einen archäologischen Fund könne man einpacken und mitnehmen, ein Befund könne nur im Boden nachgewiesen werden.

Bereits in diesem kleinen Ausschnitt haben die Archäologen 81 Befunde entdeckt und etwa zwölf Einheiten an Keramikscherben. Wie viele Funde es genau sind, konnte die Archäologin noch nicht sagen.

Prähistorische Siedlung

Laut Fries deuten die Funde auf eine prähistorische Siedlung hin, die vor etwa 2500 Jahren bestand. Zwar würden Scherben aus dieser Epoche häufiger bei Probegrabungen gefunden, aber der Fund von Hausgrundrissen sei sehr selten und deshalb aus archäologischer Sicht erhaltenswert. Ein Baugebiet würde das zerstören. Das Landesamt sieht dennoch kein Verbot des Baugebietes vor, dafür aber Ausgleichsmaßnahmen. In der Archäologie könne das nur die Ausgrabung der Funde sein, so Fries. Die Kosten dafür müsse dann die Stadt Papenburg übernehmen.

„Die Ausgrabung ist immer die planmäßige Zerstörung des Denkmals. Übrig bleiben dann nur die Funde und die Dokumentation“, erklärte Fries. Gleichwohl wisse sie, dass die Ausweisung von Baugebieten meist vorgehe.

Die Kosten für die Ausgrabungen belaufen sich nach Schätzung der Archäologin auf etwa 102000 Euro zuzüglich Sachkosten, zum Beispiel für einen Bagger und Ähnliches. Vermutlich müssten acht Fachkräfte für die Grabungen eingestellt werden. Diese Arbeiten würden etwa drei Monate dauern, hinzu kämen weitere sechs Wochen für die Auswertung der Funde. Die Archäologin erklärte, dass, wenn die Stadt an dem Baugebiet festhalte, zwischen Landesamt und der Stadt ein Vertrag über die Ausgrabungen geschlossen werde. Die darin festgelegten Kosten würden nicht überschritten, auch nicht die festgelegte Dauer der Arbeiten. Fries stellte außerdem klar, dass es sich bei den Grabungen durch das Landesamt nur um Rettungsmaßnahmen der Denkmäler handele und nur das Nötigste erledigt werde, um Kosten für die Stadt zu sparen. „Eine Forschungsgrabung bei dem Umfang der Funde würde eher drei Jahre dauern“, sagte Fries.

Rat hält an Baugebiet fest

Papenburgs Bürgermeister Jan Peter Bechtluft (CDU) sprach sich für das Festhalten an dem Baugebiet aus und wies noch einmal auf die zeitnahe Umsetzung hin. Ortsbürgermeister Hans-Michael Goldmann (FDP) stimmte Bechtluft zu. Das weitere Vorgehen müsse noch im Bauausschuss besprochen werden. Goldmann versprach, dass „die Bauplätze nicht unerschwinglich werden“, obwohl die Kosten für die Grabungen auf den Kaufpreis der Grundstücke geschlagen würden.

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