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Von der Schmiede zum „Zeughaus“
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Autor: Burkhard Müller 02. März 2011 13:10 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

Neue Geschäftsstelle der Kivelinge ist Organisationsmittelpunkt zum Aufzug der Bürgersöhne

Von der Schmiede zum „Zeughaus“

Lingen. Degen, Schwerter, Hellebarden und Uniformen längst vergangener Zeiten schmücken seit einigen Wochen die Auslagen eines alten Hauses in der Schlachterstraße 5. Das Gebäude, Anfang des 20. Jahrhunderts als Schmiede genutzt, dient heute den Kivelingen als organisatorischer Dreh- und Angelpunkt für das alle drei Jahre zu Pfingsten stattfindende Kivelingsfest. Chef im „Zeughaus“, sprich Ansprechpartner für alles, was mit dem Aufzug der Bürgersöhne zu tun hat, ist Detlev Rosemann.

 
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Einblick in die Schlachterstraße um 1925. Foto: Rolf Leisner, Alte Lingener Stadtbilder So präsentiert sich das „Zeughaus“ heute. Foto: privat Chef im Zeughaus ist Detlev Rosemann. Foto: Burkhard Müller

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Rosemann, selbst einmal aktiver Kiveling bei der Sektion „Burglöwen“ und heute nicht weniger aktiv im Förderverein des Bürgersöhne-Aufzuges zu Lingen, weiß, wovon er spricht, wenn es um den organisatorischen und inhaltlichen Ablauf eines Kivelingfestes geht: „Die Zeiten, in denen noch alles vom heimischen Küchentisch aus geregelt werden konnte, sind längst passé. Der Arbeitsaufwand für die Kivelinge ist so enorm geworden, dass sich der Förderverein im Februar 2009 entschlossen hat, dieses Haus, unmittelbar neben dem Kivelingshaus gelegen, zu erwerben.“

Schaut man zurück in die vergangenen 100 Jahre, so wurde diese eher unscheinbare Immobilie stets gewerblich genutzt. Bereits auf einem Stadtplan von 1903 verzeichnet, befand sich gegenüber dem heutigen „Zeughaus“ die städtische Bedürfnisanstalt (öffentliche Toiletten), was den Standort nicht unbedingt aufwertete.

Als Schmiede betrieben

Schaut man in das Grundbuch der Stadt Lingen, findet sich dort ein Eintrag vom12. April 1921. Dort heißt es: „Die nordwestliche Mauer der Schmiede kann [...] zu einem Anbau als Brandmauer benutzt werden.“ Die Schmiede in dem Gebäude wurde von Franz Rentmeister betrieben.

Nachdem das Gebäude spätestens seit 1938 leer stand, gelangte es in städtischen Besitz und diente der Kommune zeitweise als Sozialamt und/oder Bücherei. Zwischenzeitlich wurde der Hauseingang von der Stirn- an die Längsseite verlegt, und auch die große Türöffnung verschwand.

Nach einer weiteren Zeit des Leerstands wurde das Haus in der Schlachterstraße als Schuhreparaturwerkstatt genutzt, bevor es ein Lingener Kaufmann 1971 erwarb, um es für einen Neubau abreißen zu lassen. Diesem Vorhaben widersprachen die damalig Verantwortlichen, was einem handschriftlichen Vermerk in der Bauakte zu entnehmen ist: „Starke Bedenken – Denkmalschutz“. Das Haus wurde nicht abgerissen, steht aber auch bis heute nicht unter Denkmalschutz. Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte beherbergte das Haus viele Einzelhandelsgeschäfte.

An dem Gebäude sind weder Schäden durch den Wirbelsturm im Jahr 1927 bekannt noch Kriegsschäden nachzuweisen. Der baulich veränderte Zugang nach dem II. Weltkrieg ist als größter äußerlicher Eingriff in das Erscheinungsbild des Hauses zu bewerten.

Unter dem Arbeitstitel „Zeughaus“ war den Vorständen von Förderverein und Kivelingen schnell klar, „dass hier die Geschäftsstelle der Kivelinge zum diesjährigen Fest einquartiert werden muss“, berichtete Rosemann.

In unmittelbarer Nähe zum Kivelingshaus könnten sich nach dem Fest weitere Nutzungsmöglichkeiten ergeben.

Quellen: Stadtarchiv Lingen, Adressbücher der Stadt Lingen und Dr. Johann R. van Lengerich.

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