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Aufforderung, den Tod persönlich zu nehmen
bü Sögel. Mit über 300 Gästen ist die Wanderausstellung „Ein Koffer für die letzte Reise“ im Forum des Sögeler Hümmlinggymnasiums eröffnet worden. Die Ausstellung zeigt 103 Gepäckstücke, die von unterschiedlichen Personen mit persönlichen Dingen gefüllt wurden. Die Fragestellung war dabei, welche Gegenstände sie auf ihre Reise ins Jenseits mitnehmen würden.
Initiator Fritz Roth machte sein Anliegen in der Eröffnungsrede deutlich: „Wir müssen den Tod wieder ins Leben integrieren.“ Die heutige Gesellschaft vermittle den Menschen ein Konsumieren ohne Grenzen, beklagte Roth. „Die einzige Grenze stellt hier noch der Tod dar.“ Folglich werde er aus der Erfahrungswelt verbannt. Roth: „Dadurch verschleudern wir das Geschenk des Lebens.“ Denn der Tod biete die Gelegenheit, den Blick darauf zu richten, was wirklich wichtig sei im Leben. „Was wir brauchen, ist eine Gesellschaft, die von Herzen lachen und von Herzen weinen kann“, forderte Roth.
Im Falle des Todes breche das Herz auf, an dem bisher das wahre Leben meist abgeprallt sei. „Mit diesen Tränen müssen wir unsere Herzensfenster reinigen, damit wir wieder klar sehen können.“ Es gebe eine Gemeinsamkeit zwischen dem Gefühl der Trauer und dem Gefühl der Liebe. Die Liebe in einer engen Beziehung höre mit dem Tod eines Menschen nicht auf, was vor allem im Moment des Verlustes zu spüren sei. Die Kofferausstellung fordere daher auch jeden dazu auf, den Tod persönlich zu nehmen.
„Die Ausstellung führt zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben“, stellte auch Landrat Hermann Bröring in seinem Geleitwort fest. Wie auch Generalvikar Theo Paul gab er den Gästen einen Einblick in seinen ganz persönlichen Koffer für die letzte Reise. So entschied sich Bröring, für den die Beschäftigung damit so etwas wie eine „Nahtod-Erfahrung“ darstellte, einen Ipad mit 5000 digitalisierten Fotos von Familie, Freunden und Begebenheiten, eine „Blackbox“ für die vielen unaufgearbeiteten Dinge des Lebens, klassische Musik von Chopin und ein Buch von Jürgen Todenhöfer einzupacken.
Theo Paul favorisierte sein Testament, eine Patientenverfügung, ein Notizbuch, jeweils ein Werk von Alfred Delp und Dietrich Bonhoeffer und die Bibel. Der Geistliche bekannte dabei, sich nicht vorstellen zu können, nach seinem Tod „langweilig irgendwo herumzusitzen“. Fest vorgenommen habe er sich, dem „Herrgott“ die für ihn brennenden Fragen zu stellen. „Ich glaube, das Leben nach dem Tod hat noch einmal eine neue und ganz andere Qualität“, zeigte sich Paul überzeugt.
Die Ausstellung, die vom Sögeler Hospizverein und der Jugendbildungsstätte Marstall Clemenswerth präsentiert wird, ist bis Mitte März in Sögel zu sehen sonntags von 15 bis 18 Uhr, wochentags (außer samstags) ab dem späteren Nachmittag bis 19 Uhr. Der Eintritt ist frei. Ein buntes Rahmenprogramm bietet zusätzlich Veranstaltungen für Gruppen an.
Weitere Informationen sind unter www.marstall-clemenswerth.de oder unter 05952/207202 erhältlich.
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