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Autor: Ralf Döring 18. Februar 2011 16:23 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

Die Osnabrücker Kulturszene trifft sich zum Barcamp im Haus der Jugend

Marktplatz der Kompetenzen

Osnabrück. Die freie Kulturszene bewegt sich. Sucht neue Modelle der Kooperation, neue Formen der Organisation. Und neue Foren des Austauschs: Gestern begann das „Barcamp +Kultur“ im Haus der Jugend. Der zweite Teil folgt heute von 10 bis 8 Uhr.

 
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Szene in Bewegung: die Themen des Barcamp +Kultur (rechts) und die Videodokumentation.. Fotos: Michael Hehmann

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Peter Heyers hat ein Knallerthema auf Lager: Er kann einiges zum Thema Plagiat sagen. Als Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht weist ihn seine Visitenkarte aus, und als solcher könnte er natürlich einiges zum Fall Guttenberg sagen. Das interessiert auch die Kulturschaffenden, die sich zum Barcamp im Haus der Jugend getroffen haben. „Wer ist für das Thema?“, fragt Holger Schwetter, der den Freestyle-Kongress zusammen mit Thorsten Alich organisiert hat: einhellige Zustimmung im Raum. Heyers wird das Barcamp eröffnen.

Etwa 25 Männer und Frauen sind am Freitagvormittag erschienen. Das hört sich nach einem exklusiven Personenkreis an, und vielleicht stimmt ja, was Schwetter sagt: „Das ist das Problem, wenn man es kostenlos macht.“ Wer für die Teilnahme an einem Kongress ein paar Hunderter abdrückt, will auch was haben für sein Geld. Mit dem Preis sinkt womöglich die Disziplin.

Aber die Anwesenden repräsentieren einen dynamischen Teil der Osnabrücker Kulturszene, der sich neu organisiert und ein neues Selbstverständnis entwickelt, der offenbar bereit ist, sich zumindest teilweise vom Tropf des städtischen Kulturhaushalts abzuklemmen und stattdessen neue Formen der Kooperation sucht. Das wiederum spiegelt die Organisation des Barcamps wider: Ahlich und Schwetter moderieren eine Vorstellrunde, greifen sanft in Diskussionen ein. Aber organisieren müssen sich die Barcamper selbst. So wird der Tagesplan in einvernehmlicher Diskussion erstellt.

Die Idee des Barcamps in Reinform repräsentiert jemand wie Steve McGuire Stephan: Unter dem Arbeitstitel „Wanderausstellung“ plant der Künstler eine Veranstaltung, für die er Kooperationspartner sucht. Das interessiert etliche Barcamper, also notiert Schwetter das Thema auf einen grünen Zettel, den er erst mal rechts an eine Pinnwand mit dem Stundenplan heftet. Wolf Goertz hingegen denkt in übergeordneten Dimensionen: Seit einem Jahr sucht er für sein Co-Working-Projekt – das aus dem ersten Barcamp vor einem Jahr hervorgegangen ist – nach geeigneten Räumen, in die sich Kulturschaffende zeitweilig einmieten können. Dabei ist er nicht nur auf juristische Hürden und Vorbehalte bei Immobilieneignern und -fonds gestoßen, sondern auch auf viele Leerstände in der Stadt – ein Phänomen, das er diskutieren will und das auf Politik und Verwaltung der Stadt ausstrahlen soll.

Zunächst aber spricht Rechtsanwalt Peter Heyers über Plagiat und Urheberrecht. Das Thema betrifft jeden, der im Bereich Kunst und Medien arbeitet, und auch wenn die Diskussion ein wenig ins weite Feld der Beliebigkeit mäandert, zeigen sich doch am Ende der ersten Dreiviertelstunde alle zufrieden. „Eine lustige Session“, meint Schwetter. Und Monke, bildender Künstler aus Osnabrück, konnte zwar mit diesem ersten Programmpunkt nicht so viel anfangen. Aber Heyers muss er dringend sprechen. Monke hat Fragen zum Urheberrecht.

So erfüllt das Barcamp seine Funktion als Marktplatz der Ideen und Kompetenzen. Dieses Potenzial nutzt die Kulturszene auch in anderen Städten; ein Mann, der sich als „Christoph aus Oldenburg“ vorstellt, will in seiner Stadt ein Barcamp mit 250 Teilnehmern organisieren. Denn nicht nur in Osnabrück suchen Kultur- und Kreativwirtschaftler nach Mitteln, die dem Sog entgegenwirken, den Metropolen, allen voran Berlin, auf Kultur- und Kreativwirtschaftler ausübt. Das erkennen auch Stadtverwaltungen: Patricia Mersinger stellt vor, was die Kreativwirtschaft für die Stadtentwicklung leisten kann. Eine Studie im Auftrag der Stadt.

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