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Ein Pastor am Ende der Welt
LOTTE. Wenn Horst-Dieter Beck von seinen Reisen erzählt, klingt daraus die Begeisterung, sich einen Jugendtraum erfüllt zu haben. Der pensionierte Pastor aus Velpe berichtete der Wersener Frauenhilfe nun von seiner Kreuzfahrt ums Kap Hoorn, bei der ihn im vergangenen Jahr einige Gemeindeglieder begleitet hatten.
„Die verrückteste Fahrt, die ich je gemacht habe“, sagt Horst-Dieter Beck und lacht. Nie habe er eine Kreuzfahrt machen wollen, doch nun habe er alle Vorurteile über Bord geworfen. Auf dem Kreuzfahrtschiff „Norwegian Sun“ hatte sich die Westerkappelner Reisegruppe für die Tour von Santiago de Chile über Patagonien, auf den Spuren des Entdeckers Magellan, durch den Beagle Kanal um das Kap Hoorn zu den Falklandinseln eingeschifft. „Unvorstellbar, wie dieses Riesenschiff durch die Ems gekommen ist“, bestaunt Beck den Papenburger Schiffsbau. Dort entstand die Norwegian Sun.
Heute werde er nur den Vortragsteil „Südamerika I“ schaffen, sagt Beck. Dann erzählt er, dass viele die Reise gemieden hätten, weil sie die Stürme um das Kap fürchteten. Doch die Westerkappelner hatten Glück: Die Stürme blieben aus.
Beck schwärmt von der schönen Stadt Santiago de Chile: Häuser im Kolonialstil, gepflegte Parkanlagen, weitläufige Plätze mit alten Denkmälern – eine saubere Stadt. „Eine Woche später kam das Erdbeben. Ich weiß nicht, wie es heute dort aussieht“, sagt der Pastor. Da die Erdplatten vor der Pazifikküste Chiles zusammenstoßen, bebt die Erde dort immer wieder. Chile, ein lang gestrecktes Land an Südamerikas Pazifikküste. An der schmalsten Stelle zu Argentinien nur 40 Kilometer, an der breitesten 400 Kilometer breit. Das Land ist nicht nur durch seine reichen Bodenschätze, besonders das Kupfer, bekannt. Ebenen voller Weingüter und Urwälder mit gewaltigen Wasserfällen durchziehen das Land, von denen die Reisegruppe während ihrer Landgänge manche erkundete.
Je weiter die „Norwegian Sun“ Richtung Kap Hoorn schipperte, desto kälter wurde es. Schließlich kam die Antarktis näher. Besonders angetan war Horst-Dieter Beck von den Fjorden Chiles. Er zeigt den Frauen Bilder von der beeindruckenden Landschaft. „Der kleine Pope aus Velpe durchquert mal die Magellanstraße“, kommentiert er augenzwinkernd seine Fotos. Vor der laut Beck südlichsten Stadt der Welt besuchten die Reisenden eine Insel mit nur einem Leuchtturm. Doch die Landgänger mussten sich erst durch eine Kolonie von rund vier Millionen Pinguinen ihren Weg bahnen, bevor die Reise weiter ins Nachbarland Argentinien ging.
Am Ende der Welt zu sein, meinte die Westerkappelner Reisegruppe, als sie in der Hafenstadt Ushuaia anlegten. Von dort führte sie der Landgang durch den Nationalpark von Feuerland, „ein Gebiet mit unerhörter Schönheit“, schwärmt Beck. Urwald, einsame Seen – und die letzte Poststelle der Welt, an der natürlich alle Reisenden noch Grüße nach Hause schickten, bleiben unvergessen. Sein Jugendtraum wurde Horst-Dieter Beck dann mit dem Anblick auf Kap Hoorn erfüllt. Früh um 7 Uhr vom Frühstückstisch aus, bei ruhiger See, klarer Sicht und Sonnenschein, durchschiffte der Kreuzer die Grenze vom Pazifik zum Atlantik.
Kurz reißt Beck noch die Falklandinseln an, bevor er den Bericht mit folgenden Worten abbricht: „Die Reise ist zu gewaltig.“ Doch er komme gerne ein zweites Mal wieder.
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07.04.2012
