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Damals wie heute ein Exot
Osnabrück. Einmal Ente – immer Ente. Dieser Wahlspruch gilt bis auf zwei Ausnahmen für Heinrich Dettmer. Der 71-Jährige fährt seit 47 Jahren das Model 2 CV des französischen Autoherstellers Citroën.
1963 war die Premiere. Heinrich Dettmer besaß zu dieser Zeit zwar schon seit vier Jahren den Führerschein. Aber vor 47 Jahren konnte er sich sein erstes Auto leisten. Er entschied sich für eine Ente. „Die haben damals am wenigsten gekostet“, sagt er. 3500 Mark hat er für den Citroën 2 CV auf den Tisch geblättert. „Die Türen gingen nach vorne auf“, erinnert er sich. Wohin die Jungfernfahrt mit der ersten Ente führte, weiß Heinrich Dettmer nicht mehr. Er weiß aber noch, dass er das Verdeck dabei geöffnet hatte. Bis auf zwei Ausnahmen hat er bis heute vier 2 CV’s gefahren. Sein jetziges Modell, eine Ente in Rot, besitzt er seit 24 Jahren.
1963 war Heinrich Dettmer ein Exot unter den Autofahrern. Etwas später avancierte die Ente zum Kultauto. Besonders bei Studenten war das Fahrzeug wegen der günstigen Anschaffungskosten beliebt. Dieses Kriterium macht die Ente auch heute für den Rentner attraktiv. Für die Versicherung bezahle er vierteljährlich nur 21 Euro, meint Heinrich Dettmer.
Den studentischen Geschmack von Freiheit und Abenteuer wollten Heinrich Dettmer und seine Familie jedoch nie kosten. „Doch, einmal“, schränkt Heinrich Dettmer mit erhobenem Zeigefinger ein. Er berichtet, dass Citroën früher Rallyes veranstaltete, die von Paris bis in die afghanische Hauptstadt Kabul führten. Da sei er ins Grübeln gekommen. Aber mit den Kindern sei das nicht möglich gewesen, meint er.
Mit seinem damals zweijährigen Sohn und seiner Frau machte sich Heinrich Dettmer 1970 zur weitesten Tour auf, die er bislang mit einer Ente absolviert hat. Sie fuhren bis nach Ingolstadt, wo die dreiköpfige Familie Urlaub bei der Oma gemacht hat. Das für einen 2 CV charakteristische Schaukeln hat bei dieser langen Fahrt nicht gestört. Übel ist beim Fahren noch niemandem geworden, sagt Heinrich Dettmer. Im Gegenteil: Auf die Kinder hatte es eine beruhigende Wirkung.
Damals wie heute ist Heinrich Dettmer in seiner Ente ein Exot. Seit 1990 wird der Citroën 2 CV nicht mehr gebaut. Häufig wird er auf seine Ente angesprochen. Meistens erntet er wohlwollende Kommentare. Oft wird er gefragt, wie viel sein kleiner Schatz kostet. Er antwortet dann: 10000 Euro. „Dann ist das Thema schnell vorbei“, erzählt er schmunzelnd. Wenn mal tatsächlich jemand sein Scheckheft zücken würde, dann müsste Heinrich Dettmer nicht lange überlegen. Sein Schrauber, der seine Ente immer wieder gesund macht, wenn sie unter altersbedingten Wehwehchen klagt, würde ihm dann aus alten Teilen ganz schnell eine neue Ente zusammenbauen.
Oft sei er gefragt worden, ob er nicht einen Chauffeurdienst für Hochzeitspaare anbieten wolle, erzählt Dettmer. Warum nicht?, denkt er sich. Damit auch Menschen den Fahrgenuss einer Ente erleben können, die sonst keine Gelegenheit haben, mit so einem Auto zu fahren, hat sich Dettmer überlegt, dass Interessierte ihn und seine Ente mieten können.
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