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Wenn Kinder keine Entdecker mehr sein wollen
Hasbergen. Kinder werden als neugierige und wissensdurstige Forscher geboren. Doch wann gehen diese Interessen und die Motivation plötzlich verloren? Dieser Frage ging Dr. Eckhard Schiffer bei seinem Vortrag zum Thema „Wie lernen Kinder?“ in der Hasberger Hüggelschule nach. Die Veranstaltung war Teil des Modellprojektes „Brückenjahr“.
„Kinder brauchen eine liebevolle wechselseitige Wahrnehmung im prozessorientierten Spielen und eine schöpferische Gestaltung“, stellte der Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie aus Quakenbrück klar. Das sei das wichtige Vitamin C für die lange, gesunde Lebensreise des Kindes.
Was hinter seiner Kernthese steckte, verdeutlichte Schiffer den 80 Eltern, Erziehungs- und Lehrkräften in der Aula der Grundschule eindringlich und mit Witz. Ein Diktat von Forderungen und Vorschriften durch die Eltern sei sowohl für das Kind als auch für die Erziehenden ganz furchtbar. Hinter diesem sich ständig wiederholenden „Du musst …“ stecke die Angst der Eltern, dass ihr Kind in der Lerngesellschaft nicht mitkomme. Oft hätten die Eltern die gleiche Situation aber auch schon selbst als Kind erlebt.
Mit einem Beispiel aus der Säuglingsforschung beschrieb Schiffer eine Beziehungssituation, in der das Verhältnis Kind-Eltern „singend und tanzend“ sei. Gerade in dieser Phase lerne der Mensch am meisten. Auch später sei das Singen wichtig als beste Entspannungsmöglichkeit für Eltern und Kind. Auch das Vorlesen einer Gutenachtgeschichte sei von großer Bedeutung als Variante von Erzählen und Zuhören.
Ein Kind müsse merken, dass es wahrgenommen wird. „Nähe ermöglicht dem Kind Gelassenheit“, betonte Schiffer. Zudem sei der Dialog immens wichtig für die Sprachentwicklung: „Sprechen lernen Kinder ausschließlich, wenn man mit ihnen spricht. Und Zuhören lernen wir nur, wenn uns jemand zuhört.“
Dem richtigen Spielen maß Schiffer eine ebenso große Bedeutung bei. Allerdings sei das Miteinanderspielen entscheidend, nicht das Gegeneinander. „Der Prozess des Tuns steht im Vordergrund, nicht der Sieg, die Note oder der Erfolg“, stellte der Experte klar. Zwar solle dem Kind nicht verboten werden zu gewinnen. „Das sollen die Kinder selber organisieren“, so Schiffer, „wichtig ist, dass niemand ausgeschaltet wird.“ Beim freien Spielen ohne Ehrgeiz und Konkurrenzklima können Kinder ihre Lebensfreude erhalten und ihre Neugier ausleben. „Ein solches Spielen ist Friedenserziehung“, betonte Schiffer und verwies auf die Urangst des Menschen, nicht wahrgenommen zu werden. Das finde sich schon im Alten Testament wieder. Als Kain seinen Bruder Abel erschlug, habe er sich von Gott nicht wahrgenommen gefühlt.
Durch Ausprobieren, Erleben und Erfahren könnten die Kinder freudig Höchstleistungen bringen. „Erpresserdruck“ von außen mache diese Freude und Eigeninitiative zunichte. Schließlich könne nur ein kreatives Hirn Problemlösungen entwickeln. „Nervenwachstumsfaktoren werden nur beim Spielen produziert“, erklärte Schiffer.
Auch sei ausreichend Schlaf entscheidend für gute Lernleistung des Kindes. Denn im Schlaf werde das Erlernte vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis übertragen. „Frei zugängliche Computer und Fernseher haben in einem Zimmer eines Kindes bis 15 Jahre nichts zu suchen“, riet Schiffer.
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07.04.2012
