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Ein Abend mit Herz, Liebe und Musik
Osnabrück. Die Wurzeln seiner Familie liegen im Osnabrücker Land, genauer gesagt in Bad Essen, und er selbst ist immer wieder gern zu Gast in der Region. Jetzt stellte Professor Dietrich Grönemeyer sein neues Buch im Medienzentrum der Neuen OZ vor: „Dein Herz – Eine andere Organgeschichte“.
Der Abend beginnt mit einem Lied und endet mit einem Versprechen. Zunächst einmal das Versprechen: Professor Grönemeyer wird am 9. Dezember nochmals ins Medienhaus kommen, damit auch die vielen Interessierten, die jetzt aufgrund der begrenzten Platzzahl nicht berücksichtigt werden konnten, seinem Vortrag beiwohnen können. Sie werden von der Redaktion rechtzeitig benachrichtigt.
Und das Lied? Es heißt „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ – Grönemeyer kann es noch heute rezitieren („Narzissen und die Tulipan, die ziehen sich viel schöner an als Salomonis Seide“), denn es habe für ihn eine besondere Bedeutung: „Ich kann mich noch immer an das Hochgefühl erinnern, das beim erstmaligen Hören dieses Volksliedes mein kindliches Herz bewegt hat“, sagt er. Dieses Gefühl, vor allem aber eine selbst erlittene Herzmuskelentzündung, die dabei erlebte Todesangst sowie weitere Herzerkrankungen in der Familie hätten ihn dazu bewegt, sich mit dem Herzen näher auseinanderzusetzen, „obwohl ich doch eigentlich Rückenarzt bin“, lacht der Radiologe, der zu der Erkenntnis gekommen sei, „dass das Herz mehr ist als eine Pumpe, sondern dass es sich dabei um ein fühlendes System handelt“.
Kulturgeschichtlich sei diese Zuschreibung ohnehin schon lange gültig: Sowohl leiblich wie auch psychisch und mystisch sei das Herz in allen Kulturen und seit Anbeginn als die Mitte des Lebens erachtet worden. In seinem Buch gehe er darauf ein, „es ist zu 50 Prozent ein kardiovaskulärer Ratgeber und zu 50 Prozent eine geisteswissenschaftliche Annäherung“. Er berichtet, dass das Herz in den Bestattungsriten zahlreicher Kulturen gesonderte Behandlung erfahren habe: Bei den alten Ägyptern etwa sei es gesondert mumifiziert worden – und selbst einige deutsche Aristokraten hätten noch im 20. Jahrhundert ihr Herz getrennt von ihrem Körper bestatten lassen. Für Kant und Schopenhauer sei der Impetus des Lebens überhaupt vom Herzen ausgegangen, Aristoteles habe in ihm den Sitz der Seele vermutet, Augustinus das Licht Gottes – und die Buddhisten sähen in jedem einzelnen Herzen noch heute nicht weniger als das gesamte Universum.
Dabei sei das Herz ein wahrhaft wundersames Organ, das ihn als Arzt bei jeder Untersuchung aufs Neue beeindrucke: 100000-mal schlage es am Tag – wenn es nicht gebrochen werde. Denn heute wisse man (wieder), dass es tatsächlich das gebrochene Herz gebe, neudeutsch als das „Broken Heart Syndrom“ bezeichnet und ein Fall für die recht neue medizinische Disziplin der Psychokardiologie. Für Grönemeyer aber ein weiterer Beleg dafür, wie sehr doch Herz und Seele zusammengehörten. Oder Herz und Liebe.
Für ihn steht fest: Ohne Seele, ohne Freude und solidarisches Miteinander können Menschen nicht gesund bleiben. Liebe meine dabei auch den sorgsamen Umgang mit der eigenen Gesundheit – und das von Kindesbeinen an, weshalb der Arzt in zahlreichen Projekten gesundheitliche Aufklärung in die Schulen trägt. Aber auch für die Gäste und Moderator Stefan Alberti hat er an diesem Abend medizinischen Rat dabei: Ein Gläschen Wein tue dem Herzen gut, ein zweites aber schade der Leber.
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07.04.2012
