·
Digitalabo·
Shop·
Tippspiel
Scharfe Texte
Osnabrück. Hans Georgi hat einen sehr speziellen Stil: Er geht so ruhig über seine Pointen hinweg, als wolle er sie verstecken. Ohne die Stimme im Geringsten zu heben, redet er weiter, wenn man nicht aufpasst, hat man schnell etwas verpasst.
„Die Welt ist rund“ heißt sein Programm im Lutherhaus, das sich mit Gedichten Erich Kästners beschäftigt. Die hat Georgi vertont und bringt sie nun zur selbst gespielten Begleitung durch ein E-Piano zu Gehör. Manchmal klingt sein Gesang nach Reinhard Mey, und dazu passen auch die meist scharfen, manchmal bitteren Texte: „Wir sollen Kinder fabrizieren / zum Löhnesenken und zum Kriegverlieren.“
Es sind solche Texte Kästners, die das Programm interessant machen. Denn der Dichter beschäftigte sich in seinen Gedichten mit vielen Dingen, die auch heute sehr aktuell sind. Zum Beispiel kritisiert er ein Leben, das alles nach dem Kriterium der Nützlichkeit beurteilt, schimpft auf Banker ohne Moral. Bis hin zur Mode reicht das Spektrum der Gedichte Kästners, und auch hier nimmt er kein Blatt vor den Mund. „Der Busen marschiert“ heißt ein Gedicht, und darin zum Beispiel: „Das Kleid sitzt straff auf der Anatomie / und lässt keinen Raum für die Fantasie / man sieht den Bestand ja auch so.“
Manchmal ähnelt Georgis Stil einem wissenschaftlichen Vortrag, doch er kann auch anders, prangert auch aktuelle Missstände an. Im Zentrum jedoch steht Erich Kästner. Und von ihm stammt eine Zeile, die als Fazit einer überaus kritischen Einstellung zu seiner Zeit stehen könnte: „Ich kam zur Welt und lebe trotzdem weiter.“
Mehr Lokales








