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Plädoyer für den gepflegten Irrsinn
Osnabrück. Cineastischer Eifer treibt die Besucher des Filmfests in die Vorstellungen. Aber Kraft tanken sie seit 25 Jahren an der Theke der Lagerhalle. Und auch wir suchen dort den Plausch bei Wein oder Bier.
Dagie Brundert trinkt Weißweinschorle mit Eis – ein vernünftiges Getränk, das Alkohol nur in Spuren enthält. Dagie Brundert ist aber auch jene Frau, die in ihrem Kurzfilmbeitrag zum Filmfest vom „gepflegten Irrsinn“ redet und zudem die Idee vertritt, man soll die Welt doch mal im Liegen betrachten.
Die Idee, das Gespräch für diese Rubrik deshalb nicht an, sondern mal auf der Theke zu führen, und zwar im Liegen, verwerfen wir – das ist dann doch eine Spur zu spleenig. Aber der gepflegte Irrsinn macht uns neugierig. Verbergen sich hier jene Abgründe, die wir Nacht für Nacht an der Theke zu finden hoffen? Die Frau stammt aus Steinhagen – „da, wo der Steinhäger herkommt“ – und trägt Dirndl: Da muss doch was sein.
Allein – Dagie Brundert ist witzig, schlagfertig und weiß, warum sie ihren Wein mit Wasser mischt: Weil das inspiriert, aber nicht sediert – den Filmriss kennt sie allenfalls vom Super-8-Material, mit dem sie bevorzugt dreht. Zum Beispiel „Turn Baby Turn“, ihr zweiminütiges Plädoyer für den gepflegten Irrsinn.
Den ungepflegten Irrsinn kennt Dagie Brundert allerdings auch: Ihr Film über die Fans der Band Calexico entwickelte sich zum nervenaufreibenden Debakel, weil die Band nicht wollte, dass der Film gezeigt wird. „Aber reden wir nicht mehr davon.“ Ist gut. Stoßen wir lieber an aufs Wohl des Unabhängigen Filmfests: Bis zum nächsten Jahr, Prost!
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