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Tippspiel
Zarter Sanctus-Klang aus Schweden
Osnabrück. Unter dem Motto „Einheit in Vielfalt – Kirche macht Musik“ finden derzeit bundesweit Konzerte und Kongresse statt, um auf den hohen Stellenwert der Kirchenmusik in Deutschland aufmerksam zu machen. In Osnabrück beteiligte sich daran die Kirchengemeinde St. Johann mit einer Konzertnacht am vergangenen Freitag, bei der der schwedische Marienchor („Mariakören“) aus Västeras im Mittelpunkt stand.
Västeras – das hat man schon mal irgendwo gehört: in Büchern des international bekannten Schriftstellers Lars Gustafsson etwa. Doch ansonsten verbindet man mit der 100000 Einwohner zählenden und auf die Wikingerzeit zurückgehenden Stadt hierzulande wenig. Das ist ein Fehler.
Denn in Västeras steht nicht nur Europas erstes Jazzmuseum, auch die Jazzmusiker Esbjörn Svensson und Bobo Stenson kommen von dort. Und eben Marienkören. Der ist zwar ein Laienchor, doch das hat nichts zu bedeuten. Jede der achtzehn Frauen und jeder der zwölf Männer hat stimmlich solistisches Potenzial – wie schon gleich zu Beginn im vielstimmigen flächigen Chorsatz „I thank you God for most this amazing day“ von Eric Whitacre zu hören ist. Auch sonst hält das Programm viele Entdeckungen bereit: Kompositionen aus Schweden, Finnland, Norwegen, Island und Estland, keine älter als aus dem 19. Jahrhundert.
Auch ein „Ave maris stella“ des Chorgründers Bror Samuelson, der vor zwei Jahren verstarb, ist dabei. Und ein springlebendiges „Jubilate Deo“ der jetzigen Chorleiterin und Komponistin Agneta Sköld. Mal singt der Chor in mediativen Klangflächen mit sphärischen Spitzentönen, mal in verzahnter Mehrstimmigkeit über abgrundtiefen Bässen, mal rezitiert er gregorianische Melismen, mal flüstert er groovende Sprechrhythmen. Den Raumklang des Kirchenschiffs kostet Marienkören besonders gegen Ende des Konzerts aus: Dann stehen die Sängerinnen und Sänger in einem weiten Halbrund um die vorderen Kirchenbänke herum und betten die Hörer etwa in das zarte Sanctus von Jan Sandström ein. Sköld dirigiert mit entspannten Bewegungen und strahlt dabei große Ruhe und Konzentration aus. Die wirkt auf den Chor zurück, der sehr gesammelt und wach wirkt: Kein Wunder, dass Mariakören schon mehrfach Preisträger bei internationalen Chorwettbewerben war.
Eingerahmt wurde das Gastspiel von Mariakören von den Organisten Godehard Nadler und Thomas Pfeifer sowie von dem Lingener Trio Anke Kienast (Violine), Olaf Nießing (Violoncello) und Joachim Diedrichs (Orgel), das die Konzertnacht mit Joseph Rheinbergers elegischer Suite op. 149 eröffnete.
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