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Tippspiel
Weltlich, geistlich, jenseitig
Georgsmarienhütte. Auch dafür bietet Musica Viva Platz: für einen Abend voller romantischer Chormusik. Natürlich wurde Felix Mendelssohn Bartholdys „Oh Täler weit, oh Höhen“ durch den volkstümlichen Wolf gedreht – und geht doch immer noch wunderbar zu Herzen. Denn der Harvestehuder Kammerchor befreit die „Sechs Lieder im Freien zu singen“ durch flotte Tempi und feine Artikulation vom volkstümelnden Staub.
Unter ihrem Leiter Claus Bantzer schreiten die 17 Frauen und 13 Männer die deutsche Chorromantik ab, von Schumann und Mendelssohn über Hugo Wolf bis hin zu Max Reger. Mit dessen fünfstimmiger Motette „Ach, Herr strafe mich nicht“ op. 110 Nr. 2 beginnt das Konzert in der Lutherkirche in Georgsmarienhütte.
Hier offenbart der Chor erstmals seine herausragenden Qualitäten, besticht durch die klaren Konturen der Interpretation. Dabei schlägt das Werk überraschende harmonische Haken und ist gekennzeichnet durch die dichte musikalische Faktur. Das alles arbeitet Bantzer fein heraus, stellt Höhepunkte dar, lässt den ersten Teil in einen wunderbar friedvollen Choral münden und schließt die virtuos gestaltete Chorfuge an.
Nach diesem Kraftakt gönnt Bantzer seinen Sängern eine kleine Pause und setzt sich an die Orgel. Dann wird’s weltlich im neogotischen Kirchlein: Mit reizend vielfältigen Gesängen für Frauen- und für Männerchor von Schumann, mit den Liedern von Mendelssohn. Da Beste aber kommt, wie immer zum Schluss: Gustav Mahlers „Ich bin der Welt abhandengekommen“, vom Chorspezialisten Clytus Gottwald für sechszehnstimmigen Chor arrangiert und vom Harvestehuder Kammerchor großartig umgesetzt: nicht geistlich, nicht weltlich, sondern jenseitig.
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