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Tippspiel
Toccata und Fuge für Laserlicht-Orgel
Osnabrück. Bach auf der Orgel, Bach mit Chor, Bach mit Orchester: Das zieht beim Publikum. So geriet die „Lange Bach-Nacht“ in St. Marien zum Erfolg. Sechs Stunden lang gab es Musik von und um Johann Sebastian Bach, mit stündlichem Wechsel – und am Ende mit Lasershow.
Einige Sekunden lang herrscht verblüfftes Schweigen, dann macht sich die Begeisterung des Publikums in Bravo-Rufen Luft. Aus dem Off ist die Stimme von Kirchenmusikdirektor Carsten Zündorf durch das verdunkelte und eingenebelte Kirchenschiff von St. Marien zu hören: „Wollen Sie das noch mal sehen?“ Zustimmender Jubel ist die Antwort. Es ist nach halb zwei Uhr nachts, und ein Großteil der Konzertbesucher ist schon seit über fünf Stunden da. Trotzdem also: noch mal. Und Zündorf schlägt ein weiteres Mal in die Tasten für Bachs berühmte Orgel-Toccata und Fuge d-Moll.
Neben ihm bedient Christian Heinecke, Spiritus Rector der Bach-Nacht, ein weiteres Mal das Manual seiner Laser-Lichtorgel, und plötzlich nimmt die Musik räumliche Dimensionen an: Da scheinen Raster wie ein Baldachin über dem Publikum zu schweben oder bewegen sich kaleidoskopartig geometrische Figuren über dessen Köpfe hinweg. Manchmal bündeln sich auch einzelne Lichtstrahlen oder legen sich Netze um die Kirchensäulen herum. Dabei wechseln sich statische Momente und kreisend bewegte Sequenzen im kompletten Farbspektrum ab. Heinecke und Zündorf haben in ihrer Ankündigung nicht übertrieben: So hat man Bach wirklich noch nie erlebt.
Auch vorher schon gab es Raritäten: Das Saxofon-Quartett Art of Sax etwa interpretierte um 21 Uhr im Wechsel mit Organist Eckhart Kuper Auszüge aus der „Kunst der Fuge“: makellos intoniert und in spannendem Kontrast von Orgel- und Saxofon-Sound. Zu jeder vollen Stunde füllt sich das Kirchenschiff aufs Neue. Farbige Aufkleber als Eintrittskarten machen es den Ordnern leichter zu erkennen, wer zu welchem Konzert berechtigt ist. Aber die meisten tragen eh den goldenen Aufkleber: Die „Golden Card“ ermöglicht den Besuch der kompletten Nacht. Zur Stärkung wird nach jeder Konzerteinheit Brot und Wein gereicht. Festlicher Beginn ist Bachs C-Dur-Ouvertüre und die Motette „Singet dem Herrn ein neues Lied“, dargeboten von der hauseigenen Marienkantorei und dem Barockorchester La Gioia.
Ausgerechnet Heinecke selbst sorgt für die erste Verspätung des Abends: Seine Violin-Partita mit eingeschobenen Choralzeilen ist zwar ein gelungenes Experiment, dauert durch die Doppelung der Ciacconna aber einfach zu lang. Aufgelockert wird die Bach-Nacht vor allem durch das humorvolle breezy-art-ensemble mit seinen jazzigen Bläserarrangements und durch die Anekdoten, die Schauspieler Helmut Thiele vorträgt. Als allerletzte Zugabe erklingt dann Bachs Streicher-Air. Diesmal sorgt Marco Stümpel von der Firma Lightline selbst für die Lichtinszenierung. Und die gute Nachricht für die Zukunft: Über eine Neuauflage der erfolgreichen Bach-Nacht wird schon nachgedacht.
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