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Bloß weg mit dem feuchten Sperrmüll
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Nach der großen Flut beginnt das große Aufräumen – Ortstermine im Überschwemmungsgebiet

Bloß weg mit dem feuchten Sperrmüll

Osnabrück/Georgsmarienhütte. Das Lächeln scheint nicht wirklich zum müden Blick der Augen zu passen. Das Tief „Cathleen“ hat auch in den Gesichtern der Helfer und der Betroffenen Spuren hinterlassen. „Es nützt ja nichts, es geht weiter“, lautet das Motto vielerorts. „Wir haben das Lachen nicht verlernt“, sagt die Helleranerin Silke Crowe, „wir geben nicht auf – nicht in diesem Leben.“

 
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An der Großen Schulstraße in Hellern türmt sich seit Samstag der Sperrmüll. Der Servicebetrieb holt Hochwasser-Trümmer so schnell wie möglich kostenlos ab. Fotos: Mirko Nordmann/Elvira Parton/Jörn Martens Freitag in Oesede. Nur mit Boot erreichbar. Samstag. Das Aufräumen hat begonnen. Freitag. An der Eisenbahnstraße in Oesede. Samstag. Martina Breer-Korte zeigt den Wasserstand. In die Hase geschwemmt wurde dieser Baum am Konrad-Adenauer-Ring. Solche lokalen Ereignisse können schlimme Folgen haben. Foto: Egmont Seiler Das Umspannwerk am Heideweg geriet zeitweise in Gefahr. Feuerwehrleute aus dem Kreis Aurich sicherten es. Am Samstagvormittag ist ein Baum beim Bahnhof in die Hase gestürzt. Ein weiterer Baum am Raiffeisenplatz musste vorsorglich gefällt werden. 20 Meter über dem Boden stutzt dieser Mann die Äste einer Pappel. Am Konrad-Adenauer-Ring wird der Baum nur mühevoll aus dem Fluss entfernt. Der Baum drohte, die Brücke zu verstopfen. Schritt für Schritt geht es mit dem Bagger voran. Nach Angaben der Stadt sei die Lage am Umspannwerk in Lüstringen sicher. Derzeit sind Feuerwehrleute aus dem Kreis Aurich in Ostfriesland dabei, das Umspannwerk mit großen Pumpen vom Wasser zu befreien. Auf dem Geländer der RWE schützen Sandsäcke die Betriebsgebäude vor dem Eindringen des Wassers. Auf der Straße vor dem Betriebsgelände liegen etliche Wasserschläuche, die das Wasser mehrere Hundert Meter aus dem Gefahrengebiet leiten. Kein Stiefel bleibt am Umspannwerk trocken. Sven Jürgensen von der Stadt drückte es so aus: "Bei Umspannwerk ist die Hase nicht mehr zu erkennen, weil eigentlich alles Hase ist." Sperrmüll stapelt sich in Hellern an der Großen Schulstraße. Volker Eckhard zeigt an der Wand, wie hoch das Wasser im Keller an der Großen Schulstraße 20 gestanden hat. Überall entlang der Großen Schulstraße türmen sich Sperrmüllberge auf. 50 Zentimeter hoch stand das Wasser an der Mindener Straße in Osnabrück. Teilweise waren die Anwohner in ihren Häusern eingeschlossen. Das Wasser wird kontinuierlich abgepumpt. Wenigstens die Kinder scheinen Spaß an dem Hochwasser zu haben.

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Am Tag nach der Regenkatastrophe beginnen in den überfluteten Häusern die Aufräumarbeiten. Für viele Bürger ist das ganze Ausmaß der Überschwemmung erst jetzt zu erkennen. Die Einsatzkräfte pumpen unermüdlich die letzten Kellerräume leer, und an der Mindener Straße wird gegen Mittag der Strom wieder eingeschaltet.

Hellern, Große Schulstraße: Im südlichen Bereich der Großen Schulstraße reiht sich Müllberg an Müllberg. Meterhoch türmen sich Schränke, Matratzen, Geschirr, Kisten und Kartons. Fast alles, was in den Hauskellern untergebracht war, ist nicht mehr zu gebrauchen. Viele Helleraner schleppen nicht nur verdrecktes und durchnässtes Inventar auf den Müll, sondern oft auch ein Stück ihrer Lebensgeschichte. Ilona Behrenfeld ist skeptisch, ob sie die durchnässten Hochzeitsfotos noch retten kann. Die Spuren an den Kellerwänden mag man mit ein paar Eimern Farbe verschwinden lassen können. Viele lieb gewonnene Erinnerungsstücke sind jedoch unwiederbringlich zerstört.

„Es lag alles kreuz und quer“, berichtet Volker Eckhard, der seiner Freundin Silke Kuchemüller schon am Donnerstagabend zur Hilfe geeilt war. „Es war Chaos pur“, ergänzt Ulrike von Horsten. Wie berichtet, stand das Wasser im Haus mit der Nummer 20 mehr als anderthalb Meter hoch im Keller. Erst am Samstagmorgen wurde das Wasser von den THW-Helfern aus dem Emsland abgepumpt. Zwischenzeitlich waren die Einsatzkräfte zur Unterstützung zum Umspannwerk nach Lüstringen gerufen worden. Dort wurde die Hilfe dringender benötigt. Erst danach ging das Aufräumen weiter.

Der Strom wurde gegen 15 Uhr wieder angestellt. Bis dahin versorgten die Nachbarn, die bereits wieder Strom hatten, die Flut-Geschädigten. Sie brachten heißen Kaffee oder versuchten mit Kabeltrommeln und Verlängerungskabeln den Strom zu überbrücken. „Alle waren sehr hilfsbereit“, sagt von Horsten. Und Silke Crowe fügt hinzu: „Man sagt immer, die sozialen Kontakte verkümmern, aber die Leute hier haben so toll zusammengehalten.“

Oesede, Eisenbahnstraße: Auch hier stapelt sich der feuchte Unrat. Der Düteschlamm hat in der Garage der Familie Korte seine Spuren auf Blumenvasen, Diafilm-Streifen und Möbeln hinterlassen. Draußen im Garten liegt das Schlauchboot, mit der Suna Korte und Marius Unland noch nachts die Kaninchen aus dem Gehege gerettet hatten. Nasser Papiermüll zeigt in der Gartenhecke den Wasserhöchststand an. Auch an der Garage weist ein brauner Schlammstreifen darauf hin, wie hart die Bewohner der Eisenbahnstraße von der Überschwemmung getroffen worden sind. „Schon nachts haben wir versucht zu retten, was zu retten ist“, berichtet Martina Breer-Korte. Doch schnell kam die Erkenntnis, dass man mit Eimern und Pumpen gegen das eindringende Wasser machtlos ist.

Auf der anderen Seite der Düte sind Eltern und Mitarbeiter des Oeseder Marien-Kindergartens dabei, das zerstörte Mobiliar nach draußen zu tragen. Der Großteil des Inventars ist nicht mehr zu gebrauchen. „Die Mauern stehen noch“, sagt Rendantin Kirsten Riedmann. Beide Gebäude des Kindergartens standen bis zu 70 Zentimeter unter Wasser. Auch hier ziehen alle an einem Strang und packen mit an. Kindergartenleiterin Annette Witte ist dankbar für die Unterstützung der Eltern und besonders für die Hilfe von Kirsten Riedmann und der Pastoral-Assistentin Nina Heskamp. „So stehe ich nicht allein vor dem Ganzen“, sagt Witte erleichtert. Einige Monate wird es sicher dauern, bis die 143 Jungen und Mädchen wieder in ihrem Kindergarten toben können. Bis Mittwoch ist eine Notversorgung in der Dröperschule eingerichtet. Ab Donnerstag werden die Gruppen auf die Landvolkhochschule, die Michaelisschule und Dröperschule sowie die Grundschule Harderberg verteilt.

Schinkel, Mindener Straße: An Aufräumen ist bei Ingrid Eberhard auch am Sonntagmittag nicht zu denken. Sie wohnt an der Mindener Straße neben der Shell-Tankstelle, dort steht das Wasser noch auf der Straße. „Es ist wie auf einer Insel“, berichtet sie per Handy und macht ihrem Unmut über die Einsatzkräfte Luft: „Wir fühlen uns total alleingelassen. Uns hat keiner geholfen.“ Schon Freitagmorgen habe sie bei der Feuerwehr nach einem Notstromaggregat gefragt. Das organisierte letztlich ein Bekannter aus Georgsmarienhütte. Reinhold Hantusch versorgt die Eberhards mit Stromaggregat und Benzin. Alles wird mit dem Radlader herangekarrt. Die Nachbarskinder bringen Lebensmittel mit einem Schlauchboot. „Grillen können wir ja“, berichtet Ingrid Eberhard. Viel mehr geht jedoch nach mehr als 48 Stunden nicht. Das Aggregat wird nur zum Kaffee-kochen angestellt. Für Licht sorgen Kerzen und Teelichter. Erst am Sonntagmittag fließt wieder Strom. „Jetzt können wir wieder aufatmen“, sagt sie erleichtert.

Lüstringen, Umspannwerk: Leichter Optimismus macht sich auch einige Kilometer weiter östlich am Umspannwerk in Lüstringen am Samstagmittag breit. Nach Stunden bangen Wartens sinkt der Wasserspiegel der Hase. Die Einsatzkräfte von der Feuerwehr Pewsum (Landkreis Aurich) in Ostfriesland sind dort mit großen Pumpen dabei, das RWE-Betriebsgelände am Heideweg vor der Überschwemmung zu bewahren. Ein Wirrwarr dicker Schläuche liegt überall auf der Straße. Einige Helfer werden sogar selbst vom Wasser überrascht, nachdem sie ihre Feldbetten in den Betriebshallen aufgestellt hatten. Die Helfer ziehen mit Sack und Pack unter die Autobahnbrücke um.

Innenstadt, Konrad-Adenauer-Ring: Experten von Feuerwehr, Servicebetrieben und dem Unterhaltungsverband Hase-Bever zerbrechen sich den Kopf darüber, wie sie eine umgestürzte Pappel aus der Hase am Konrad-Adenauer-Ring bergen können. Am Samstagmorgen ist der Baum gekippt, weil das flache Wurzelwerk unterspült worden war. Weil die 25 Meter hohe Pappel parallel zur Brücke gestürzt war, wurde zum Glück niemand verletzt. Aus Sicherheitsgründen muss ein weiterer Baum gefällt werden. Fast fünf Stunden dauert die Fällaktion. „Wir können den Baum ja nicht in der Hase durchsägen“, erklärt Jochen Mechelhoff vom Unterhaltungsverband. Schließlich wirdder schwere Stamm, derden Wasserabfluss der Hase behindert, mit einer Seilwinde aus den Fluten gezogen.


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