·
ePaper·
Shop·
Tippspiel
Kanzlerin ließ Demonstranten im Regen stehen
Lingen. Anlässlich der „Energiereise“ von Bundeskanzlerin Angela Merkel fanden sich am Donnerstag auch einige Demonstranten vor dem Tor des Kernkraftwerks Emsland ein. Bei strömendem Regen protestierten mehr als 200 Menschen, darunter 25 Bauern mit ihren Traktoren, gegen die Atompolitik der Kanzlerin.
Die Anti-Atomorganisation „Campact“ hatte zahlreiche Protestschilder für die Demonstranten vorbereitet. Die Mitglieder der Bewegung ließen ihrem Unmut freien Lauf. Eine Protestlerin, versehen mit einem überdimensionierten Merkel-Kopf aus Pappmaché, spielte eine Runde „Atompoker“ mit vier als die Energieriesen RWE, Eon, ENbW und Vattenfall verkleideten Gleichgesinnten. Damit wollten die Demonstranten deutlich machen, dass es Merkel bei ihrer Reise nicht um Information, sondern um „Klüngelei“ mit der Wirtschaft gehe.
Mehr als 160000 Menschen hätten bereits den Appell „Atomkraft abschalten“ unterzeichnet, wie die atomkraftkritische Initiative „Campact“ über Lautsprecher mitteilte. Die Kanzlerin nahm diese Unterschriftenliste jedoch entgegen den Erwartungen nicht persönlich entgegen und ließ die Demonstranten im Regen stehen. Als weithin sichtbares Zeichen des Protestes ließen die Atomkraftgegner nach eigenen Angaben 3500 schwarze und gelbe Luftballons steigen. Diese sollten eine radioaktive Wolke symbolisieren und die Gefahren der Kernkraft deutlich machen.
Unter den Demonstranten befand sich auch die Lingener Ratsfrau Birgit Kemmer. Die Politikerin von Bündnis 90/Grüne war mit der Beteiligung an der Demonstration, zu der auch ihre Partei aufgerufen hatte, zufrieden. Trotzdem gestand sie ein: „Es sind hauptsächlich die da, die immer da sind.“
„Das hat doch auch die Merkel gemacht“, schob sie nicht ganz ernst gemeint der Kanzlerin die Schuld für den strömenden Dauerregen in die Schuhe. „Bei besserem Wetter wären sicherlich noch mehr Leute zur Demo gekommen“, glaubte Kemmer.
Auch der Zeitpunkt des Besuchs von Merkel im Kernkraftwerk Emsland sei ungünstig. „Mein Ratskollege Michael Fuest ist Lehrer und kann nicht einfach so an einem Donnerstagmorgen zu einer Demo gehen“, erklärte sich Kemmer, dass viele Berufstätige nicht teilnehmen konnten. „Nicht jeder hat es so gut wie meine Tochter. Die ist 18 und konnte heute von der Schule fernbleiben und mit uns demonstrieren“, sagte die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Grüne im Lingener Stadtrat.
Trotz des schlechten Wetters hatten sich 25 Landwirte, überwiegend aus den Landkreisen Steinfurt und Borken, schon in den frühen Morgenstunden mit einer Traktorenkolonne auf den Weg nach Lingen gemacht, um rechtzeitig zur Demonstration vor dem Kernkraftwerk einzutreffen.
Auch die 200 anderen Demonstranten kamen überwiegend mit Bussen aus größerer Entfernung, beispielsweise aus Dortmund, angereist.
Die Demonstration wurde von zahlreichen Medienvertretern begleitet und beobachtet. Mehrere Fernseh- und Radiosender richteten ihre Kameras und Mikrofone auf die Protestierenden. Auch die Fotoapparate der vielen Bildjournalisten klickten unentwegt, sobald sich ihnen ein als geeignet scheinendes Motiv bot.
Mehr Lokales








