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Hauptschulen allein nicht mehr überlebensfähig
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Quelle: evkö/Bersenbrücker Kreisblatt 27. August 2010 15:30 Uhr

Podiumsdiskussion der Jungen Union zum Thema Gesamtschulen

Hauptschulen allein nicht mehr überlebensfähig

Merzen. Seit mehr als 30 Jahren werden die Vor- und Nachteile von Gesamtschulen diskutiert. Aktuell ist das Thema derzeit für den Landkreis, weil einige Kommunen über das Einrichten von Gesamtschulen nachdenken oder nachgedacht haben. In Osnabrück ist bereits eine IGS an den Start gegangen. Diskutiert wird das Thema auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandel, da sinkende Schülerzahlen sich auf das dreigliedrige Schulsystem auswirken. Zudem bevorzugen viele Eltern und Schüler wegen des Turbo-Abiturs ohne Stoffanpassung die Gesamtschule als Lernalternative.

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Zur Podiumsdiskussion über die Vor- und Nachteile von Gesamtschulen hatte die Junge Union Osnabrück-Land fünf Experten nach Merzen eingeladen. JU-Vorsitzender Bernd Wittenbrink betonte, dass es nicht um eine Standortdebatte gehen solle, sondern ausschließlich über Vor- und Nachteile einer IGS oder einer kooperativen Gesamtschule (KGS). Die Moderation übernahm Wittenbrink zusammen mit Jennifer Willoh.

Friedhelm Spree, ehemaliger Elternratsvorsitzender der IGS Fürstenau, bezeichnet die Gesamtschule als gute Alternative zum gegliederten Schulsystem. Zudem sei die Durchlässigkeit zwischen den Schulabschlüssen ein Vorteil, im Laufe der Schulzeit könne ein Schüler sich verbessern und dadurch einen höheren Schulabschluss machen und würde nicht aus dem Klassenverband gerissen, wie es im dreigliedrigen System notwendig sei. Seine inzwischen erwachsenen Söhne seien gerne zur IGS gegangen. Das Abitur an einer IGS sei gleichwertig mit dem an einem Gymnasium.

System optimieren

Martin Dälken, bildungspolitischer Sprecher der CDU-Kreistagsfraktion, betonte, dass er gegen die Abschaffung der Orientierungsstufe gewesen sei. Seiner Meinung nach sollte nicht immer wieder über das Schulsystem diskutiert werden, sondern das vorhandene System optimiert werden. Die Vorteile einer IGS könnten auch auf das gegliederte System übertragen werden.

Ist KGS die Lösung?

Markus Steffen, Vorsitzender der Schüler-Union Osnabrück-Stadt, ist der Ansicht, dass nur in einem gegliederten Schulsystem eine optimale Schülerförderung gegeben ist. Allerdings hält er es für positiv, wenn „alle sozialen Gruppen unter einem Dach lernen“ und bevorzugt daher eine KGS. So könnten Schüler, die ihre Leistung steigern, einen höheren Schulabschluss machen und müssten nicht die Schule wechseln.

Tilman Schieferdecker, Schulbezirkspersonalrat und Verfechter von Gesamtschulen, stellt fest, dass es in Niedersachsen mittlerweile eine Tendenz zur Zweigliedrigkeit gebe, da Hauptschulen allein meist nicht mehr überlebensfähig seien. Er hält das dreigliedrige Schulsystem für nicht mehr zeitgemäß. Zudem stecke im gegliederten System für Lehrer die Versuchung, schwierige Schüler „abzuschieben“.

Ernst Kellner, Bezirksvorsitzender des Philologenverbandes Osnabrück und darüber hinaus Schulbezirkspersonalrat in Osnabrück, bezieht sich in seiner Argumentation auf den Bildungsbericht des Max-Planck-Instituts aus dem Jahre 2008. Hier sei herausgefunden worden, dass das dreigliedrige Schulsystem zu bevorzugen sei, da hier in kleineren Gruppen unterrichtet werde und die Schulen standortnah seien. Dennoch betrachtete er eine Integrierte Gesamtschule als Alternative für sogenannte Spätentwickler.

Einig: Kleinere Klassen

Auch wenn es während der Diskussion zum Teil hoch her ging, waren sich die Teilnehmer in einigen Punkten einig: Zum einen müssten die Klassen verkleinert werden, damit jeder einzelne Schüler besser gefördert werden kann und dass die Hauptschule zu Unrecht in der Vergangenheit schlechtgeredet wurde. Martin Dälken betonte, dass mittlerweile an Hauptschulen sehr gute Arbeit geleistet werde, besonders im Hinblick auf die Berufsvorbereitung.

Später steigt auch das Publikum mit in die Debatte ein, besonders intensiv wird über das Abitur nach zwölf Schuljahren und die Chancengleichheit diskutiert. Die Integration von Schülern mit Migrationshintergrund könne nicht nur Aufgabe der Bildungspolitik sein, sondern müsse auf allen Ebenen verbessert werden. Insbesondere der frühkindlichen Bildung komme eine besondere Bedeutung bei, damit der Schulabschluss nicht vom Elternhaus abhängig sei.

Ernst Kellner betonte zudem, dass der Elternwille berücksichtigt werden müsse. Wenn in Melle also durch die Elternbefragung deutlich werde, dass eine Gesamtschule gewünscht sei, sollte es auch eine geben.

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