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Tippspiel
Die richtige Band am richtigen Ort
Kalkriese. Sie spielten bereits als Vorgruppe von „Uriah Heep“ im Osnabrücker Rosenhof oder vor 1400 Zuhörern in den Docks von Hamburg. Am Freitagabend waren „K’s Life“ im Rahmen des Bramscher Sommerkulturprogramms in der Scheune am Campingplatz „Waldwinkel“ zu hören und zu sehen. Das Können der Band ist verbrieft: Im renommierten Talentwettbewerb „Coca Cola Soundwave Discovery Tour“ schaffte es das Trio, aus 2000 Bewerbern unter die Top 16 zu kommen.
Am Samstag erschien die Band als Duo. Katrin Remmert mit Stimme und Gitarre, Jonathan Fehst mit seinen Schlagwerkzeugen. Bassmann Jan Plücken weilte in Italien.
Mit wenigen Stücken schaffte es Katrin Remmert aber auch ohne ihren zweiten Mann, ihr Publikum für sich zu gewinnen. Wenn fröhliche, junge Menschen unbekümmert Musik machen, das äußere Ambiente eine rustikale wie bodenständige Atmosphäre ausstrahlt, der Sommerabend lau und das Bier gut gekühlt ist, dann wäre alles andere als eine entspannte Stimmung auch fehl am Platze.
Beide Musiker sind Profis. Remmert ist ausgelernte Musikpädagogin. Fehst studiert an der Fachhochschule Osnabrück Popularmusik mit dem Hauptfach Schlagzeug. Dass das handwerkliche Können sicher sitzt, stellte Remmert in der zweiten Hälfte des Konzerts unter Beweis: Sie musste mit fünf Gitarrensaiten auskommen. „Da muss ich eben schneller denken“, gab die junge Musikerin ihrem Partner vor dem zweiten Set zu verstehen, als sich kein Ersatz für die gerissene Saite fand. Niemand konnte es hören, die Show ging wie gewohnt weiter.
Erfrischender Rockpop wurde vorgetragen. Unplugged, nur mit Cajon, Snaredrum und Schellenkranz am Fuß beim Schlagzeuger, Gitarre und Stimme bei der Frontfrau. Die Songs der Band sind Marke Eigenbau. Remmert setzt autobiografische wie fiktive Inhalte in englische Texte um, stellt die Töne zusammen, und dann geht es los.
Trotz der äußeren Leichtigkeit, die sie auf der Bühne verbreitet – die junge Musikerin hat die Qualität ihrer Arbeit gewissenhaft im Blick. Wie Fehst mit einer Randbemerkung verriet, werden alle englischen Texte durch eine Muttersprachlerin auf ihre Korrektheit hin überprüft.
Breit gefächert war das Themenspektrum der Songs: Alkoholismus und Zeitstress aufgrund zu vieler Termine kamen ebenso vor wie die schönen Momente durch einen sonnigen Tag, die Frage, ob sich die Menschen vor den Fernsehkameras nicht privat ganz einsam fühlen, oder die Verarbeitung einer Trennung.
Ernste Themen, dennoch verfielen die Musiker nicht in Melancholie oder gar Depression. Die Songs bekommen stets die Kurve hin zum Positiven. Ging auch die Beziehung durch einen Vertrauensbruch zu Ende – Pech gehabt, tut weh, aber das Leben geht weiter, und die Zeit heilt schließlich alle Wunden. Mit ihrem Lachen zum Schluss ließ Katrin Remmert das Publikum an ihrem Leben teilnehmen. Spontan dirigierte sie einen schnell gegründeten Publikumschor, bat Zuhörer Michael an die Rassel und sang speziell für Marie einen Song.
Bei einbrechender Dunkelheit sorgte Organisator Jan Rathjen für bläulich schimmernde Teelichter auf den Biertischen vor der Scheune. Spätestens da stand fest: „K’s Life“ waren an diesem Abend des Bramscher Kultursommers die richtige Band am richtigen Ort zur richtigen Zeit.
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