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Alleine sein trotz Wandern in der Gruppe
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Autor: Otto Büning 20. August 2010 11:23 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

Auf Pilgerweg durch den Hümmling

Alleine sein trotz Wandern in der Gruppe

Sögel. Drei Blasen hat Esther von der Haar am Samstagabend an ihren Füßen gezählt und scheint fast stolz darauf zu sein. Rund 80 Kilometer auf dem Hümmlinger Pilgerweg hatte sie zu diesem Zeitpunkt bereits zu Fuß zurückgelegt, insgesamt 92 Kilometer waren es bei der gestern endenden viertägigen Tour.

 
In kleinen Gruppen, wie hier im Emsland, erwandern die Teilnehmer den Pilgerweg in Nordspanien. Foto: Otto Büning/Archiv  Vergrößern

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Die Dekanate Emsland-Nord und Osnabrück-Nord, die Jugendbildungsstätte Marstall Clemenswerth sowie die Pfarreiengemeinschaft Sögel hatten zu der Pilgertour über den Hümmling eingeladen. 27 Menschen aus dem Emsland und dem Osnabrücker Umland machten sich am vergangenen Donnerstag schließlich auf den Weg. So auch die 27-jährige Kathrin Leewe aus Rheine: „Ich wollte immer schon mal pilgern“, erklärt sie ihre Motivation. Besonders vorbereitet auf den ungewöhnlichen Trip hatte sie sich nicht. „Das Hörbuch von Hape Kerkeling und eine länger zurückliegende Marathonvorbereitung mussten reichen“, erzählt sie lachend.

Anders erging es Esther von der Haar aus Spelle und der Meppenerin Marion Hövelmann. Beide hatten im vergangenen Jahr an einer 300 Kilometer langen Pilgertour des Dekanates Osnabrück-Nord auf dem nordspanischen „Camino de Santiago“ teilgenommen. „Ich wusste nun beispielsweise, welche Klamotten ich nicht unnötig auf dem Weg mitzuschleppen brauche“, so von der Haar. Vor allem die Gefühle sind es, die ihrer Ansicht nach das Laufen auf dem Hümmlinger Pilgerweg und dem Camino verbinden: „Man entwickelt einen unheimlichen Ehrgeiz und will sein Ziel unbedingt erreichen, auch ohne zwischendurch Gepäck abzugeben.“

Hilfe durch andere Pilger

Eine große Hilfe biete dabei die Unterstützung der anderen Pilger. Obwohl man sich eigentlich nicht kenne und eine Altersspanne von 18 bis 70 Jahren bestehe, sei der Umgang untereinander sehr unkompliziert und freundschaftlich. „Man läuft in der Gruppe, aber trotzdem alleine“, beschreibt van der Haar eine für Außenstehende zunächst unlogisch erscheinende Wahrnehmung. Kathrin Leewe ergänzt: „Jeder kann abschalten, beschäftigt sich innerlich mit sich selbst und denkt über Dinge nach, die vielleicht schon verdrängt wurden.“ Nach den täglichen Etappen fühle man sich dann total erholt, weil man den Kopf freibekommen habe.

Eine spirituelle Unterstützung hierbei seien die Findlingssteine entlang des Weges mit ihren Sinnsprüchen, Bibelzitaten und Gebeten sowie die Gottesdienste und Impulse in den Nachtunterkünften. Eine Schärfung habe auch das persönliche Bewusstsein für die „kleinen Dinge“ des Alltags erfahren. „Plötzlich sieht man eine schattige Eiche mit ganz anderen Augen, wenn man die ganze Zeit durch die Sonne gepilgert ist“, nennt Dekanatsjugendreferent Christian Thien ein Beispiel. Luxus und die Frage nach dem optimalen Aussehen seien hier kein Thema, ergänzt Marion Hövelmann die veränderten Wahrnehmungen der Pilger.

Die Tour, die die Pilger täglich durch Wälder und Moore von Sögel über Werlte, Esterwegen und Börger und am Ende zum Mariä-Himmelfahrts-Gottesdienst auf Schloss Clemenswerth führte, hat sich nach Einschätzung von Christian Thien als voller Erfolg erwiesen und könnte zu einer guten Tradition werden: „Der Hümmlinger Pilgerweg bietet eine tolle Möglichkeit, mit Menschen in Kontakt zu kommen und spirituelle Erlebnisse zu erfahren.“ Hier könnten Gespräche mit sich sowie mit Gott und der Welt geführt werden. Erfahrungen, die die Teilnehmer nur bestätigen können. „Auch wenn man es nicht glaubt, aber ich fahre trotz der Strapazen total erholt nach Hause“, erzählt Esther von der Haar. Die eine oder andere Blase an den Füßen spiele dann eigentlich keine Rolle mehr, höchstens als sichtbarer Beweis für die eigenen Leistungen.

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