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Knabberfische sind voll für die Füße
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Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung 05. August 2010 14:26 Uhr

Exotische Wellness im Fasanenhof

Knabberfische sind voll für die Füße

Lotte. 150 kleine braun-graue Fischchen wuseln durchs Becken. Habe ich etwa zu forsch Ja gesagt? Die Frage lautete, ob ich für eine Wellness-Fußpflege im Wersener Saunapark Fasanenhof die Garra Rufas an mich ranlassen möchte? Jetzt wäre es eh zu spät. Die Füße sind desinfiziert. Fasanenhofchef Uwe Kleinwegen legt ein Kissen parat.

 
Garra Rufas sind die Stars der Fußpflege im Saunapark Fasanenhof. Sie haben abgestorbene Hautpartikel zum Fressen gern. Positiver Effekt: porentiefe Reinheit. Foto: Ursula Holtgrewe  Vergrößern

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Argwöhnisch betrachte ich die wuselnde Schar der vier bis sechs Zentimeter langen Gesellen. 150 Fischmäuler erwarten mich. Nette Kollegen in der Redaktion haben mir aufmunternde Vergleiche wie „domestizierte Piranhas“ und ermutigende Prognosen wie „Die fressen alles bis auf die Knochen runter“ mit auf den Weg gegeben. Toll. Das baut auf – und lässt den rebellischen Geist in mir wachsen. Los jetzt!

Wellnessmusik besänftigt. Angenehm warm, zwischen 28 und 31 Grad ist das Wasser. Nun stürzen sich die Knabberfische auf meine Füße und Unterschenkel. „Viel Anspannung, wenig Wellness“, denke ich noch – und bin sodann angenehm überrascht.

Kein Zwicken oder Beißen. „Es fühlt sich an wie eine Massage mit Popcorn“, mache ich meiner Überraschung Luft. Uwe Kleinwegen schmunzelt: „Manche Gäste sagen, es sei wie eine Sprudelmassage.“

Die konzertierte Aktion „Hautschuppenfraß“ ist in vollem Gang. Das Hinsehen fällt mir nicht leicht. Dennoch denke ich als lebendes Knabberzeug gutmütig: „Na dann, guten Appetit!“ Gut, dass mich Kleinwegen ablenkt mit Informationen zu den kleinen rötlichen Saugbarben, die zu den karpfenähnlichen Fischen gehören.

Ein Fernsehbericht über die türkischen Kangal-Fische, die sich an die Gegebenheiten der Thermalwasserquellen nahe der Stadt Kangal angepasst haben, faszinierte Kleinwegen. Dort haben sich die Garra Rufas spezialisiert, abgestorbene Haut Badender in ihre Nahrungskette aufzunehmen, weil in dem warmen Wasser wenig Vegetation wächst. Dass sich Saugbarben auch bei Neurodermitis erfolgreich einsetzen lassen, war ihm bekannt.

Uwe Kleinwegen: „Ich betreibe keine Praxis, sondern einen Saunapark mit qualifizierten Mitarbeitern. Unsere Philosophie ist: Gäste sollen sich wohlfühlen, und wir möchten ihnen etwas Besonderes bieten. Die Fische passen genau ins Konzept der kosmetischen Fußpflege – und zu mir als passioniertem Aquarianer.“

Ein i-Tüpfelchen der Wellness im Fasanenhof also. Nach zehn Minuten schaue ich wieder auf meine Füße mit erfreulichem Gefühlswandel: nett, die Kleinen. Das ist Wellness: entspannende Musik und angeregte Plauderei. Dazu gehört ein heißer türkischer Apfeltee.

Schwärmend sind die Minibarben bei der Arbeit und peelen weg, was sonst ein Bimsstein erledigt. „Die Garra Rufas haben ein Schab-Saug-Maul und raspeln abgestorbene Hautpartikel porentief rein ab. Die Mikromassage hat gepflegte und gesunde Füße zufolge“, erklärt Kleinwegen.

Satt werden die Schuppentiere von Menschenschuppen nicht; obgleich sich das Angebot im Fasanenhof steigender Beliebtheit erfreut.

„Ich füttere die Fische zusätzlich, damit sie auch Pflanzliches bekommen“, beschreibt der findige Fasanenhofchef die artgerechte Haltung. Das Wichtigste sei die Hygiene – bei Gästefüßen und Fischhaltung. „Im Bassin sind circa 400 Liter. Ein Drittel davon tausche ich täglich aus. Damit sich die Fische wohlfühlen, wird das Wasser gefiltert und hat einen PH-Wert von mehr als sieben. Es ist basisch mit hoher Wasserhärte.“

Uwe Kleinwegen freut sich über die Resonanz auf das regional bislang einzige derartige Angebot. „Es reizt mich nun, es mal mit Nachzucht auszuprobieren“, beschreibt er ein neues Projekt.

Nach einer halben Stunde sind meine Füße schrumpelig. Die Fischchen haben mich zwar noch immer zum Fressen gern, dennoch beende ich die Sitzung. Schon beim Abtrocknen fühle ich, dass die Schabemäuler ganze Arbeit geleistet haben. Zu guter Letzt bekommen die Füße noch eine Einreibung – mit Rosskastanienextrakt, weil sie so lange gewässert wurden.

„Ich habe noch immer das Popcorn-Massagegefühl auf den Beinen“, fällt mir, wieder zu Hause angekommen, auf. Keine Frage: Dieses Wellness-Erlebnis bedarf der Wiederholung.

Weitere Info unter www.fasanenhof-saunapark.de.

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