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Unkraut jäten muss man trotzdem
orf Venne. Welche Pflanzen haben die Menschen vor 2300 Jahren – das ist die Epoche der vorrömischen Eisenzeit – in der Region angebaut? Gab es Gärten? Wie sah ein Acker aus? Auf diese und andere Fragen gibt das Gartenfest am Eisenzeithaus Venne Antwort, das am Sonntag, 22. August, veranstaltet wird.
„Der Baldrian wächst hervorragend“, stellt Ralf Langer mit Blick auf das Areal fest. Der Museumspädagoge ist Vorsitzender des neuen Fördervereins Schnippenburg. Das im Mai eröffnete Museum, das Eisenzeithaus und die Schnippenburg-Ausgrabungsflächen im Krebsburger Wald in Schwagstorf gehören inhaltlich zusammen.
Da ist es nur logisch, einen Tag rund um das Thema Pflanzen in der vorrömischen Eisenzeit zu organisieren. Zum Vorbereitungsteam gehören die Historikerin Maike Schlichting sowie die Museumspädagogen Christian Böhling und Tanja Frederike Dickes – allesamt im Vorstand des neuen Fördervereins aktiv.
Da Archäologen und Historiker nicht automatisch Pflanzenexperten sind, unterstützen Ulrike Linnemann und Karsten Igel das Vorhaben mit ihrer Fachkenntnis. Bei Karsten Igel treffen übrigens zwei glückliche Umstände für die Organisatoren zusammen: Er arbeitet im Gartenbaubetrieb der Familie in Bramsche-Engter und ist zudem promovierter Historiker mit einem Lehrauftrag an der Universität Münster – eine ziemlich ungewöhnliche Kombination.
Wer am Knostweg in Venne eine wie mit dem Lineal gestaltete Fläche mit geschotterten Wegen und Buchsbaumhecke erwartet, dem nimmt Igel diese Illusion. „Ein Eisenzeitgarten ist kein Bauerngarten“. Angepflanzt und gesammelt haben die Vorfahren vor 2300 Jahre unter anderem Fingerhut, Schafgarbe, Hagebutte, Walderdbeeren, Minze, Haselnuss und Ringelblumen. Was man aus diesen Pflanzen machen kann, das erfahren Veranstaltungsbesucher unter anderem am 22. August.
Neben dem Garten gibt es auch einen Acker unterhalb des Eisenzeithauses. Hier werden Lein, auch Flachs genannt – eine der ältesten Kulturpflanzen der Menschheit –, und Rispenhirse angebaut. Die Rispenhirse zählt zu den Getreidesorten, die die Menschen schon vor 2300 Jahren genutzt haben. Die Hirse ist schwieriger zu ernten als modernes Getreide, weil die Körner unterschiedlich reifen. Ein wenig Pflege brauchen auch diese robusten Pflanzen dennoch. „Unkraut jäten muss man nämlich trotzdem“, hat Ralf Langer festgestellt.
Das Vorbereitungsteam lernt durch Garten und Acker im Lauf der Zeit immer mehr darüber, wie die Menschen früher tatsächlich gelebt und gearbeitet haben. „Das ist experimentelle Archäologie“, freut sich Christian Böhling. Und wenn interessierte Besucher daran teilhaben möchten und können, ist zugleich ein Ziel des neuen Fördervereins Schnippenburg erreicht.
Karsten Igel aus Engter und der Gartenbaubetrieb bleiben der Einrichtung in Venne übrigens auch in Zukunft verbunden. „Das Ganze ist ein Langzeitprojekt mit einem Konzept“, betont Christian Böhling. Nach dem Aktionstag im August soll im Herbst das Areal weiter gestaltet werden. Dann ist unter anderem Pflanzzeit für zeittypische Sträucher – und da ist Igel wiederum gefragt.
Zum Programm der Veranstaltung am Sonntag, 22. August, für die die RWE als Sponsor gewonnen werden konnte, zählen zudem Mitmachaktionen und Angebote wie Färben.
Mit Met sowie Kaffee und Kuchen können sich die Gäste an diesem Tag darüber hinaus stärken.
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