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Tippspiel
Zeit für Gemütlichkeit und Gespräche
bü Sögel. Erstmals bietet die Sögeler Jugendbildungsstätte Marstall Clemenswerth in den Sommerferien gleich zwei Freizeiten für Menschen mit und ohne Behinderungen an. Eine von ihnen richtet sich an Teilnehmer über 30.
Seit mehr als zehn Jahren war der Lohner Achim Hölscher begeisterter Teilnehmer der Sommerfreizeit im Marstall Clemenswerth. Mit seinem 30. Geburtstag im Jahr 2008 endete für ihn jedoch dieses Ferienritual – eine Altersbegrenzung zog hier aus Kapazitätsgründen einen Schnitt. „Nicht nur die Teilnehmer, auch viele Begleiter waren sehr wehmütig darüber, auf lieb gewonnene Gesichter verzichten zu müssen“, erinnert sich Christine Schütte, hauptamtliche Mitarbeiterin des Marstalls für den Schwerpunkt „Menschen mit Behinderungen“.
Auch seitens der Eltern sei ein Wunsch nach einem Angebot für ältere Teilnehmer geäußert worden. Deshalb haben sich die Organisatoren entschlossen, in diesem Jahr zusätzlich zur bereits bestehenden Freizeit, eine ähnliche neuntägige Veranstaltung für Menschen mit Behinderungen „ab 30 plus“ anzubieten.
Um den nun 16 „älteren“ Teilnehmern und ihren 17 Begleitern dabei gerecht zu werden, liegt ein Schwerpunkt dieser aktuell laufenden Freizeit auf der Vermittlung von Inhalten. „Wir setzen uns spielerisch mit den Kontinenten, Geschichte und Wahrnehmung auseinander“, erklärt Schütte, die die Freizeit gemeinsam mit einem vierköpfigen Organisationsteam leitet. Entsprechende Aktionen sind beispielsweise Stationläufe, bei denen die Teilnehmer Menschen aus vergangenen Zeiten begegnen und dabei einiges erfahren über deren Lebensumstände, beispielsweise zu Zeiten des geteilten Deutschland.
Auf ein tageübergreifendes Motto, ein übliches Ritual bei den Freizeiten, hat man aufgrund der gestiegenen Altersstruktur verzichtet. Laut Schütte wird von den Menschen mit Behinderungen positiv honoriert, dass verstärkt ihre Selbstbestimmung betont werde, beispielsweise in Bezug auf die Entscheidung über den abendlichen Zeitpunkt des Zubettgehens. „Unser Ziel ist es, so wenig Unterstützung wie möglich, so viel Hilfe wie nötig anzubieten“, bestätigt Schütte. Grundsätzlich seien einige feine Unterschiede zu den üblichen Sommerfreizeiten für jüngere Teilnehmer erkennbar: „Es ist ruhiger und gemütlicher, die Menschen nutzen die Zeit noch mehr für Unterhaltungen.“
Bezüglich der guten Stimmung sei jedoch kein Unterschied auszumachen, wie Begleiterin Katharina Töller aus Geeste feststellt. Sie ist zum fünften Mal dabei und betont: „Der Zusammenhalt zwischen den völlig unterschiedlichen Menschen ist auch hier sehr groß und macht die Gruppe zu einer zweiten Familie.“
Die zusätzliche Sommerfreizeit trägt nach Auskunft der Bildungsreferentin neben den neuen Wochenenden für Familien und der Tage der Begegnung im Advent zu einem Ausbau des Schwerpunktes „Menschen mit Behinderungen“ der Jugendbildungsstätte bei. Es sei daher mehr als erfreulich, dass dieses neue Freizeitangebot bereits vor seinem Ende als ein voller Erfolg gewertet werden könne. Die Heimfahrt treten alle Beteiligten am kommenden Sonntag nach einem gemeinsamen Gottesdienst an, ehe bereits am Samstag darauf 51 Menschen mit und ohne Behinderungen erneut den Marstall „in Beschlag“ nehmen werden. Von den Teilnehmern „30 plus“ freuen sich schon jetzt einige auf eine Fortsetzung dieser Sommerfreizeit, wobei es sich dabei sicherlich nicht nur um Achim Hölscher handeln dürfte.
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