Noz
Kontakt

·

ePaper

·

Shop

·

Tippspiel

Startseite

|

Lokales

|

Marstall statt Mallorca
Lokales

Schrift
 Drucken  Versenden Empfehlen auf:      

Quelle: Meppener Tagespost 06. April 2010 07:00 Uhr


Marstall statt Mallorca

Sechs Tage lang „Mensch sein zu dürfen ohne Wenn und Aber“ hat die Osterfreizeit der Jugendbildungsstätte Mars-tall Clemenswerth in Sögel den 48 Teilnehmern mit und ohne Behinderungen ermöglicht.

 
Schwungtuchspiele waren nur ein Bestandteil des vielfältigen Programms der Osterfreizeit im Marstall Clemenswerth, bei der die Besonderheit eines jeden Einzelnen durch die Gemeinschaft erfahrbar wurde. Foto: Otto Büning  Vergrößern

– Anzeige – Ihre Anzeige hier



Meistgelesene Artikel








Ratlos stand der junge Mann vor der Gruppe von Teilnehmern. Er hatte doch tatsächlich Zeitpunkt und Namen seiner Verabredung vergessen. Die Gruppe sollte ihm nun helfen und durch die Bewältigung einzelner Spielstationen Hinweise sammeln.

Dieses Spiel im Rahmen der Osterfreizeit hat nach Ansicht von Bildungsreferentin Christine Schütte, die die Veranstaltung in einem fünfköpfigen Leitungsteam organisiert, einen durchaus ernsten Hintergedanken: „Jeder Mensch ist einmal vergesslich und wird dadurch erst menschlich.“ Durch das Motto der Osterfreizeit „Hier bin ich Mensch – hier darf ich sein“ habe man bewusst die 48 Menschen mit und ohne Behinderungen dazu auffordern wollen, sich selbst in ihrer Einzigartigkeit wahrzunehmen und sich auch so anzunehmen. Gerade die Vielfalt der Gruppe mit Menschen von drei bis 61 Jahren aus Orten des Emslands, der Region Vechta, Diepholz und Nordhorn und mit den unterschiedlichsten Lebensgeschichten biete es an zu zeigen, „dass ich so gut bin, wie ich bin“.

Gerade das ist es auch, was für die Teilnehmer den Charme der Osterfreizeit ausmacht. Im Urlaub auf Mallorca ernte man beispielsweise „schnell komische Blicke“, erklärt Bärbel Günther aus Diepholz, die zum dritten Mal mit ihren drei Kindern mit Behinderungen an der Freizeit teilnimmt: „Hier aber stört es keinen, wenn im Gottesdienst mal einer dazwischenruft“, nennt sie die Vorzüge. Dies ist es auch, was Begleiterin Miriam Gertken aus Börger, seit 2009 dabei, an der Veranstaltung immer wieder aufs Neue schätzt. „Wir sind eine Gemeinschaft, in der alle gleichwertig sind und miteinander Spaß haben, egal, wie verschieden jeder Einzelne ist.“ Auf diese „andere“ Weise Ostern feiern zu können sei etwas ganz Besonderes. Neben den Gottesdiensten wurden die feierlichen Tage durch Spiele, Aktionen und Ausflüge gestaltet, „sodass jeder auch ein für sich und seine persönlichen Eigenschaften passendes Angebot ausmachen konnte“, so Schütte.

Dem vergesslichen jungen Mann konnte übrigens letztendlich geholfen werden: Mithilfe der Gruppe erreichte er pünktlich um 11 Uhr den Treffpunkt, wo seine Verabredung Lea bereits auf ihn wartete.

 Mehr Lokales

 

  Leserkommentare
Schreiben Sie einen Kommentar




Empfehlen auf:  Facebook  Twitter




 Zeitungstitel wählen  Schließen

Wählen Sie Ihren Zeitungstitel: