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Tippspiel
DFB-Chef Zwanziger: Ganz dramatische Situation sehe ich nicht
Dr. Zwanziger, Sie haben in Ihrem Vortrag bei einer Absolventenfeier der Uni Osnabrück von sozialem Sprengstoff im Zusammenhang mit Fußball gesprochen. Welchen Zündstoff birgt der neue Manipulationsskandal, der offenbar gigantisch ist?
Diese ganz dramatische Dimension sehe ich momentan nicht. Natürlich tut das weh, wenn der Fußball kriminalisiert wird. Aber wir haben nie gesagt, dass wir nicht anfällig sind. Im Fußball ist viel Geld im Spiel. Wichtig ist, dass die Drahtzieher und Hintermänner gefasst werden. Der Hoyzer-Skandal war aus meiner Sicht viel schwieriger, weil es damals noch keine Staatsanwaltschaft gab, die sich mit dieser Form der Kriminalität beschäftigte.
Wie wird der DFB reagieren?
Wenn wir die Fälle exakt kennen, werden wir aktiv werden.
Wann hat der DFB davon erfahren, dass Spiele deutscher Ligen betroffen sind?
Am Freitag. Wir hatten vorher keinerlei Informationen. Ich habe es aus den Medien erfahren.
Ist der DFB übergangen worden, weil die Staatsanwaltschaft in Bochum sich sofort mit der UEFA kurzgeschlossen hat?
Nein, überhaupt nicht. Da ja überwiegend europäische Ligen betroffen sind, war es richtig, dass zuerst die UEFA eingeschaltet worden ist. Wichtig ist die harte Haltung und dass die Verantwortlichen dieses Skandals zur Rechenschaft gezogen werden.
Hat das Frühwarnsystem gegen Wettbetrug versagt?
Nein, es hat ganz beachtliche Ergebnisse gebracht. Wir haben nie gesagt, dass wir umfassend in der Lage sein werden, kriminelle Machenschaften im Fußball zu unterbinden. Die jetzigen Ermittlungserfolge zeigen, dass wir auf einem guten Weg sind.
Können Sie sich vorstellen, dass auch Bundesligaprofis in Spielmanipulationen involviert sind?
Nein. Die Bundesligaspieler verdienen gutes Geld und werden ihre Existenz nicht aufs Spiel setzen. So weit ich informiert bin, sind im wesentlichen die unteren Ligen betroffen, und wie ich gehört habe, Zweitligaspiele des VfL Osnabrück.
Die Trauer um Robert Enke, jetzt der neue Wettskandal. Haben Sie eigentlich noch Lust, den Job des DFB-Präsidenten auszuüben?
Ich bin ja nicht beim DFB angetreten, um in der Sänfte durch die Stadien getragen zu werden. Ich kann nur hoffen, dass der Fußball der Gesellschaft eine Orientierung gibt und zeigt, dass der Wert des Sports über solche Dinge siegt, die uns schaden.
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