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Die Menschen sprechen von einem "kleinen Wunder"
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Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung 10. November 2001 00:00 Uhr


Die Menschen sprechen von einem "kleinen Wunder"

Der Tag danach war der Tag der Handwerker und der Versicherungssachverständigen: Im Hagener Ortskern bemühten sich gestern weiterhin Gutachter, Versicherungsberater, Dachdecker, Maler, Glaser und die Mitarbeiter des Hagener Bauhofs, zu überblicken und zu beheben, was die Windhose am Donnerstagmittag angerichtet hatte.

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Während der Nacht bis gestern Morgen 8 Uhr hatten Polizei und Gemeindeverwaltung das Ortszentrum rund um die Dorfstraße aus Sicherheitsgründen abgeriegelt gelassen. Zwar waren die meisten losen Dachziegel entdeckt, Scherben und Schutt entfernt, die zerstörten Fenster provisorisch verschlossen, aber die Dunkelheit hatte das Erkennen der Schäden erschwert und möglicherweise wären Passanten in Gefahr geraten. Vor allem die Geschäftsleute im Ort haben mit den Folgen des Mini-Tornados zu kämpfen. Von Umsatzeinbußen durch die Absperrungen berichtete Norbert Dierker, Inhaber des allfrisch-Lebensmittelmarktes, der diesmal glimpflich davon kam: Das Hochwasser im Mai hatte das Ladengeschäft in einen zehn Zentimeter tiefen See verwandelt, der Wirbelsturm ließ das Inventar ungeschoren, zog aber das Gebäude und vor allem die Wohnungen im Obergeschoss kräftig in Mitleidenschaft, ebenso die anderen Häuser rund um den Kreisel. „Es ist fast ein kleines Wunder, dass niemand verletzt worden ist“, meinte Norbert Dierker: „Der Dachdecker hat mir gesagt, er hat rund drei Wochen Arbeit am Haus“. Andreas Buchberger hat die Windhose im Auto an der Dorfstraße unbeschadet überstanden, das Inventar in seinem HiFi- und Videofachgeschäft nicht: Buchberger kalkuliert den Schaden auf zehn- bis zwanzigtausend Mark „Schrott für die Tonne“ - die noch brauchbaren beschädigten Waren will er ab heute in einem Sonderverkauf anbieten. Auch das Dach und die Schaufensterscheiben vom Schuhhaus Ossege sind bei dem Wirbelsturm zu Bruch gegangen. Die Waren seien allerdings nicht beschädigt worden, erzählte Inhaberin Christine Stöhrmann, bei der sich gestern wie fast überall im Dorf die Handwerker die Klinke in die Hand gaben. Wie hoch ihr Schaden ist, vermochte sie noch nicht einzuschätzen.

Glück hatte die Gemeinde: An ihren Gebäuden und Einrichtungen ist kein Schaden entstanden. „Es sind wohl nur ein paar Beete hin“, meinte gestern Ralf Zumstrull, der sich besonders über die Mitmenschlichkeit und die uneigennützige Nachbarschaftshilfe im Ort freute. Großes Lob spendete der Ordnungsamtsleiter auch den Männern vom Bauhof der Gemeinde, den Einsatzkräften der freiwilligen Feuerwehr und der Polizei, die sofort zur Stelle gewesen seien, um zu helfen. Johannes Kasselmann war einer der fünf Polizeibeamten aus Hagen und Georgsmarienhütte, die am Donnerstag das betroffenen Gebiet im Ortskern absicherten und mit nach Verletzten suchten. Für den Hauptkommissar war es gestern noch „fast unbegreiflich, dass kein Mensch verletzt worden ist, wenn man sieht, was da an Dachziegeln runtergekommen ist“. An der Dorfstraße seien die Pfannen direkt auf den Gehweg vor einem zweieinhalbgeschossigen Haus hinabgestürzt: „Die hätten jemanden erschlagen können“.

Die Sachschäden sind jedoch erheblich: Allein die VGH-Versicherung, die nach eigenen Angaben rund zwei Drittel der Betroffenen im Hagener Schadensgebiet betreut, rechnete nach den Erkenntnissen gestern Mittag mit einer Regulierungssumme von 300 000 Mark. Außerdem müssen sich Versicherer und Behörden mit einem Katastrophentourismus besonderer Art herumschlagen: Unmittelbar nach dem Wirbelsturm rückten die ersten fliegenden Handwerkerkolonnen von außerhalb der Osnabrücker Region an, die das Schicksal der Hagener offenbar als Geschenk des Himmels betrachteten und mit zweifelhaften Methoden auf Kundenfang gingen.

„Wir haben keine Möglichkeit, die zu greifen“, schimpfte Hagens Ordnungsamtsleiter Ralf Zumstrull. Der Grund seines Missfallens: Bereits wenige Stunden nach dem Wirbelsturm wurde Hagen von reisenden angeblichen Dachdeckertrupps von außerhalb der Osnabrücker Region heimgesucht, die „wie die Geier“ versuchten, mit Hinweis auf Sturmschäden und Versicherungsleistungen die schnelle Mark zu machen und womöglich Kunden zu übervorteilen.

Wie Versicherungsmitarbeiter und der Ordnungsamtsleiter berichteten, haben offenbar diverse vermeintliche Helfer versucht, innerhalb und außerhalb des Ortskerns Hausbesitzer mit einer Schnelldiagnose bei Dunkelheit davon zu überzeugen, dass ihr Häuschen Risse im First oder sonstige angebliche Sturmschäden habe. Dabei hatte es an der Sandstraße und in anderen Siedlungen gar nicht gestürmt. Die fliegenden Handwerker befanden, die Schäden müssten schnellstens und für teures Geld behoben werden. Das sei ja kein Problem, das bezahle ja die Versicherung. Das tut sie nicht immer: Wenn ein Sturmschaden bezahlt werden soll, muss es auch am Ort gestürmt haben, nicht fünf Straßen weiter. Für Schäden an Haus und Hof steht die Gebäudeversicherung ein, Inventarschaden in Privathäusern übernimmt in der Regel die Hausratversicherung, bei Geschäftshäusern muss das Inventar gesondert versichert sein. Bernhard Plogmann von der VGH-Niederlassung in Osnabrück warnte: Erst die Versicherung über den Schaden informieren und die Regulierungszusage einholen, bevor der Auftrag vergeben wird - sonst folgt dem Mini-Tornado womöglich ein „blaues Wunder“. Der Hausbesitzer muss tief in die Tasche greifen. Der Abteilungsleiter für Schadensregulierung, der selbst aus Hagen kommt, rief die Bürger zur Vorsicht vor windigen Geschäftemachern auf: Risse am Dachfirst und lose Dachziegel kommen immer wieder und auch ohne Sturm vor.

Plogmann sicherte zu, bei verheerenden Naturereignissen wie der Windhose seien die Versicherer nicht kleinlich und würden die Schadensfälle schnell und unbürokratisch behandeln: „Wir sind heute und wenn es sein muss, auch morgen und übermorgen ansprechbar“.  Mehr Lokales

 

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