·
ePaper·
Shop·
Tippspiel
Wenn die große Trombe wirbelt
Zum dritten Mal in diesem Jahr hat eine Windhose im südlichen Osnabrücker Land großen Schaden angerichtet.
Ist diese Häufung ein Zufall? Oder ein Zeichen für Klimaveränderungen? Oder für besondere, geographisch bedingte Anfälligkeit der Region? Da sind die Experten uneins. „Reiner Zufall“, sagen die einen. Höchstens zehn dieser örtlich begrenzten Wirbelstürme würden im Jahr Mitteleuropa heimsuchen. Andere Meterologen erkennen das südliche Osnabrücker Land in der tiefen, von Nordwest nach Südost verlaufenden Talschneise zwischen Teutoburger Wald und Wiehengebirge als ein für derartige Wettererscheinungen wie geschaffenes Gelände: Zwischen den Gebirgszügen können Luftströmungen stärker und unterschiedlich beschleunigt werden als im Flachland: Sie werden wie durch einen Flaschenhals gepresst.
„Windhosen treten gerne in Verbindung mit kräftigen Gewittern auf“, erläuterte gestern Jutta Perkuhn vom Deutschen Wetterdienst in Hamburg. Gestern sei eine besonders starke Kaltfront über Nordeutschland hinweggerollt, die kräftigere Gewitter mit sich bringe, sagte die Meteorologin vom Dienst. Gebe es in einer solchen, bis zu zehn Kilometer hoch reichenden Gewitterwolke verschieden starke Winde, können diese horizontalen oder vertikalen Luftströme Drehbewegungen in der Atmosphäre verursachen - wie unterschiedliche Strömungen einen im Wasser schwimmenden Holzstab kreiseln lassen. Bei starken Drehbewegungen bildet eine Gewitterwolke mitunter einen rüsselartigen Wolkenschlauch aus. Erreicht er den Boden, entstehen dort Windgeschwindigkeiten von bis zu 150 Kilometern pro Stunde - mit verheerenden Folgen, obgleich die Verwirbelungen örtlich begrenzt sind und zumeist nur wenige Minuten bestehen bleiben.
Die Naturerscheinung heißt hierzulande bei den Wetterexperten Trombe. Sie ist eng verwandt mit den rund 800 Tornados, die alljährlich das amerikanische Festland, vor allem den Mittelwesten der USA, heimsuchen. Eine Trombe ist ein eng begrenzter Wirbelwind, in der kleinen Variante bei Sommerhitze als Staub- oder Sandhosen zu beobachten. Größere Tromben entstehen zumeist in vegetationsarmen Trockengebieten oder über wärmeren Meeren („Wasserhosen“), selten über Mitteleuropa. Diese Mini-Tornados kommen in Deutschland durchschnittlich fünf bis zehn Mal pro Jahr vor. Bevorzugte Gebiet sind die Nordseeküste, wo die Tromben oft als Wasserhosen auftreten, und der gewitterreiche Südwesten Deutschlands, vor allem der Oberrheingraben, der Luftströmungen ebenfalls wie ein Flaschenhals einengt. Die geophysikalischen Voraussetzungen könnten auch im Osnabrücker Land verantwortlich für das gehäufte Auftreten von Windhosen sein, meinte Meteorologin Perkuhn. Es gebe allerdings wenig Forschungsergebnisse über dieses Phänomen, derzeit werde versucht, ein besseres Messnetz aufzubauen.
Die Wetterexpertin vermutet auch, dass es bei den Windhosen eine hohe Dunkelziffer gibt: Viele dieser Mini-Tornados werden nicht beobachtet, weil sie in wenig bevölkerten Gebieten ohne Wetterdatenerfassung oder über dem Wasser toben. Und warum tobten in diesem Jahr binnen drei Monaten drei dieser Wirbelstürme über dem Osnabrücker Land? „Ich weiß es nicht, aber aus drei Ereignissen darf man nicht auf Klimaveränderungen schließen“, antwortete Jutta Perkuhn und erinnerte an ein Ereignis 1991: Da gab es im Bereich der Wesermündung und der Inseln drei Windhosen an einem Tag.
Mehr Lokales


