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Tippspiel
Schock beim Einkaufen: Frau stand plötzlich im Zentrum der Windhose
„Erst gab es Hagel, dann Sturm und nach einem Moment der Windstille stürzten um mich herum Ziegel und Metallteile vom Dach.“ Mareike Kuttig kam gestern mittag vom Einkaufen aus dem Hagener Allfrisch-Markt, als sie plötzlich im Mittelpunkt einer mächtigen Windhose stand. Passiert sei ihr „wie durch ein Wunder“ nichts, berichtet die noch Stunden später offensichtlich unter Schock stehende junge Frau.
Friedhelm Sander hatte gegen 13.20 Uhr von seinem Schlafzimmerfenster am Grünen Weg aus genau beobachtet, wie sich der Hagelsturm nur einen Steinwurf von seinem Haus entfernt in eine Windhose verwandelte: „Die Böe kam aus Richtung Bad Iburg, drehte dann kurz vor dem Backhaus und zog von dort mit gewaltiger Kraft durch die Dorfstraße in den Ortskern.“ Das Ganze habe höchstens 30 Sekunden gedauert. Das Ergebnis war erschreckend: Überall im Ortskern wurden Häuser abgedeckt, dutzende Fensterscheiben zerstört und in den Gärten sah es aus, als wenn dort gerade ein Riesenbulldozer gewütet hätte. Besonders schwer hat es die Gebäude rund um den Backhaus-Kreisel getroffen. Das Dach des großen Allfrisch-Marktes ist knapp zur Hälfte weggeweht worden. In mehreren Geschäften wurden die Fensterscheiben durch herumwirbelnde Dachpfannen zerstört. „Bei uns sind die Scherben bis zu zehn Meter ins Geschäft geschleudert. Ein großer Teil unserer Geräte ist kaputtgegangen“, berichtet Andreas Buchberger, Inahber eines Hi-Fi- und Videofachgeschäftes an der Dorfstraße. Er selbst kam gerade aus seinem Geschäft, als die Windhose vorbeizog. „Ich bin ganz schnell in mein Auto gestiegen und habe nur noch gebetet, dass mir nichts passiert.“ Wie es nun weitergeht, wusste er gestern noch nicht so genau. Als erstes habe er die Dachdecker gerufen, die Scherben eingesammelt und Holzplatten bestellt, um den Verkaufsraum über Nacht zumindest provisorisch abschließen zu können.
Die Handwerker waren gestern schon knapp eine Stunde nach der Windhose mit allem, was Arme hat, an Ort und Stelle. Bei immer noch unfreundlichem Wetter mit Hagelschauern und Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt wurden Dächer abgedichtet, Fensterscheiben eingesetzt und umgestürzte Bäume beseitigt. Sofort im Einsatz waren auch die Bauhofmitarbeiter der Gemeinde, die Feuerwehren und die Polizei. „Alles in allem sind wir mit 40 Einsatzkräften vor Ort. Wir tun alles, um den geschädigten Bürgern zu helfen und haben die Sache im Griff“, sagte Ordnungsamtsleiter Zumstrull in einer ersten Bilanz.
Bis in die späte Nacht hinein waren die Menschen beschäftigt, die Schäden zu beseitigen. „Wir machen heute sicher jede Menge Überstunden. Aber alles werden wir nicht an einem Tag schaffen“, betonte Glassermeister Ulrich Worpenberg. Die Hagener Bürger bewiesen in der Stunde der Not Nachbarschaftsgeist. Überall wurde bei den Aufräumarbeiten mit angefasst und Hilfe angeboten.
Die genaue Schadenshöhe werde frühestens am heutigen Freitag absehbar sein, sagt der sofort mit mehreren Versicherungsfachleuten zum Ort des Geschehens geeilte VGH-Hauptstellenleiter Werner Holkenbrink. Er war sich gestern nur in einem sicher: „So schlimm wie vor einigen Wochen in Belm hat die Windhose in Hagen nicht gewütet.“
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