16.04.2017, 11:27 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Fussball-Landesliga SV Atlas springt mit Sieg beim SV Bevern auf Rang eins


Bevern. Die Fußballer des SV Atlas Delmenhorst haben ihr Auswärtsspiel beim heimstarken SV Bevern mit 3:2 gewonnen – und damit die Landesliga-Tabellenführung übernommen.

Als der Sprung auf Rang eins endgültig in trockenen Tüchern war und gemeinsam mit den Fans die Tabellenführung der Fußball-Landesliga gefeiert worden war, atmete Jürgen Hahn erst einmal erleichtert durch. Dann lächelte der Trainer des SV Atlas Delmenhorst und stellte zufrieden fest: „Das war ein gutes Spiel von beiden Mannschaften. Hier musst du erst einmal gewinnen.“ Hier, das war der SV Bevern. Wie der SV Atlas ein potenter Aufsteiger mit namhafteren Spielern in seinen Reihen, der zwar nicht um den Aufstieg mitmischt, aber im gesicherten Mittelfeld der Liga steht. Dafür ist der Sportverein aus dem 700-Seelen-Dorf extrem heimstark – und hatte bislang erst zwei Heimniederlagen (gegen BW Lohne und den TV Dinklage) kassiert. Am Karsamstag um kurz vor 19 Uhr musste Bevern die dritte Saison-Pleite vor eigenem Publikum akzeptieren. Denn der SV Atlas siegte nach Toren von Kevin Radke (5.), Dominik Entelmann (32.) und Lars Scholz (52.) mit 3:2 (2:1). „Knapp, aber verdient“, wie Hahn treffend feststellte.

Da der bisherige Spitzenreiter BW Lohne bereits am Gründonnerstag überraschend mit 1:2 beim VfR Voxtrup verloren und Kickers Emden sich nach der 0:1-Heimniederlage gegen den SC Melle wohl endgültig aus dem Titelrennen verabschiedet hatte, nahm der sonst so zurückhaltende Hahn nach der Tabellenführung sogar das M-Wort in den Mund: „Lohne, Melle und wir werden jetzt die Meisterschaft unter uns ausmachen.“ Sechs Spiele haben die Blau-Gelben noch vor Brust und in der noch immer schiefen Tabelle den Oberliga-Aufstieg zumindest wieder in eigener Hand. „Am Ende werden Kleinigkeiten entscheiden“, ahnt Hahn, dessen Team sowohl noch nach Melle als auch nach Lohne reisen muss.

Atlas führt früh, Bevern gleich schnell aus

550 Zuschauer (darunter rund 300 Delmenhorster, einige Spieler von BW Lohne und Groundhopper aus Nordrhein-Westfalen) sahen im schmucken Stadion an der Cahlhorner Straße ein von Beginn an flottes Spiel – mit dem besseren Start für Atlas: Denn bereits nach fünf Minuten führten die Gäste mit 1:0. Eine harmlose Flanke von Rechtsverteidiger Radke segelte aus dem Halbfeld dank Windunterstützung und vor allem tatkräftiger Unterstützung von Beverns Keeper Till Puncak ins Tor.

Die Gastgeber waren jedoch nicht geschockt. Beverns Linksaußen Piet Risse deutete mit zwei Halbchancen an (7./12.), dass der SVB in der Offensive durchaus stark besetzt ist. Dann glich Sebastian Sander aus. Der Mittelstürmer, der auf dem Zettel von Regional- und Oberligisten stehen soll, wurde im Mittelfeld angespielt, behauptete sich im Zweikampf gegen Atlas-Verteidiger Hanno Hartmann und traf mit einem trockenen 14-Meter-Schuss zum 1:1 (16.). Vor dieser Möglichkeit hatte ein feines Solo von Atlas-Angreifer Patrick Degen im SVB-Strafraum keinen Abnehmer gefunden (13.).

Erst trifft Entelmann, dann erhöht Scholz

Atlas blieb danach feldüberlegen, hatte jedoch defensiv Probleme, das Zentrum dicht zu bekommen. Aber: Im Stile einer Spitzenmannschaft führte Atlas nach einer halben Stunde wieder. Als Bevern einen Atlas-Angriff eigentlich schon geklärt hatte, landete der Ball bei Degen, der zu dem auf dem Elfmeter-Punkt freistehenden Torjäger Entelmann köpfte. „Domo“ nahm den Ball mit der Brust an, behielt die Ruhe und vollendete vor Puncak cool zum 2:1 (32.). Danach ging es ohne gefährliche Strafraumszenen auf beiden Seiten in die Halbzeitpause.

Mit Beginn der zweiten Halbzeit kam beim SVA der wieder genesene Musa Karli für Can Blümel aufs Feld. Und die Einwechselung des Technikers machte sich gleich bezahlt. Karli setzte sich auf der linken Seite durch, passte in den Strafraum, wo Lars Scholz den Ball aus sechs Metern unter die Latte hämmerte – 3:1 (52.).

Atlas verteidigt auch beim zweiten Gegentor schlecht

Die Entscheidung für Atlas? Mitnichten. Bereits zwei Minuten später hätte der freistehende Risse das 2:3 machen müssen. Dieses fiel dann durch den gefährlichen Sander, der in einer Kopie des ersten Treffers den Anschluss erzielte. Nur, dass er sich dieses Mal stark gegen Atlas-Kapitän Florian Knipping durchsetzte (70.). „Das war zu einfach. Bei beiden Gegentoren sahen wir schlecht aus“, monierte Hahn.

Auf der Gegenseite setzte Atlas die teilweise spiel- und zweikampfschwache Abwehr der Gastgeber früh unter Druck. Das machte sich mehrmals bezahlt, denn die Blau-Gelben kamen dadurch schon im letzten Angriffsdrittel frühzeitig in Ballbesitz. Dadurch und nach Eckbällen gab es zwangsläufig eine Reihe von guten bis sehr guten Chancen durch Entelmann (60./87., Abseitstor), Degen (68./86.), Musa Karli (80.) und Steven Müller-Rautenberg (90.+1). „Offensiv hat mir das sehr gut gefallen“, fand Hahn. „Wir hätten vier oder fünf Tore machen müssen.“

Atlas-Fan flitzt nackt aufs Spielfeld

Da die Chancen jedoch teilweise schlampig vergeben wurden, blieb die Begegnung bis zum Schluss spannend – auch, weil Bevern vom starken Sechser Bernd Gerdes (früher Werder Amateure, BV Cloppenburg) immer wieder angetrieben wurde. Doch Atlas überstand die Schlussphase, in der ein Delmenhorster Fan des „Block H“ während des laufenden Spiels für rund 15 Sekunden komplett nackt aufs Spielfeld und wieder runter flitzte, schadlos. Der Rest war Jubel und Erleichterung pur.


SV Atlas: Lohmann - Radke, Knipping, Hartmann (80. D. Karli), Witte - Bruns, Janssen - Scholz (74. Müller-Rautenberg), Blümel (46. M. Karli), Degen - Entelmann.

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