16.04.2017, 15:22 Uhr

Sportliche Rückblicke Heino Horstmann wirft vor 55 Jahren acht Tore gegen Dukla Prag


Delmenhorst. Vor 55 Jahren gastierten die Handballer von Dukla Prag zu einem Freundschaftsspiel in Delmenhorst. Vor 1200 Zuschauern besiegten sie in der Delmehalle den VSK Bungerhof, für den Heino Horstmann acht Tore erzielte, mit 27:18.

Es waren nur zwölf Zeilen. Doch sie sind ein guter Beleg für die Strahlkraft der Handballer von Dukla Prag in den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. In diesen zwölf Zeilen berichtete die auf ungarisch erscheinende Tageszeitung „Új Szó“ mit Sitz in Bratislava – die Hauptstadt der heutigen Slowakai liegt nahe der ungarischen Grenze – am 7. Dezember 1962 über ein Freundschaftsspiel des Meisters der damaligen Tschechoslowakei in Delmenhorst. Dukla, hieß es dort, habe es vor 1200 Zuschauern mit 27:18 (15:8) gegen den VSK Bungerhof gewonnen.

Heino Horstmann wirft acht Tore

„Die haben richtig Handball gespielt“, schwärmt Heino Horstmann fast 55 Jahre später immer noch von der Leistung der Prager Spieler, von denen acht das Gerüst der CSSR-Nationalmannschaft bildeten, die 1961 Vizeweltmeister geworden war. Der Delmenhorster hatte in der Partie am 6. Dezember 1962 im linken Rückraum des VSK eine starke Leistung geboten, acht Tore geworfen. Den Großteil davon gegen Jiri Vicha. Ein Torwart, der damals ein Handball-Weltstar war. „Er war der Beste“, sagt Horstmann. Gegen seine Würfe war Vicha an diesem Montagabend aber machtlos. „Ein paar Mal hatte er die Fingerspitzen dran“, sagt Horstmann lachend.

VSK Bungerhof war Publikumsmagnet

Harte, äußerst präzise Würfe waren eines der Markenzeichen von Horstmann, der zu einer Mannschaft gehörte, die sportlich für Furore sorgte und ein Publikumsmagnet war. Zuschauerzahlen jenseits der 1000er-Marke waren bei den VSK-Spielen alles andere als eine Seltenheit. Der VSK, der als Bremer Hallenmeister in die Partie gegen Prag gegangen war, lieferte sich in der Delmehalle viele packende Derbys zum Beispiel mit dem ATSV Habenhausen oder dem TV Grambke. „Wir waren eine geschlossene Mannschaft, in der alle Spieler sehr hohes Niveau erreichten. Die Mischung hat gestimmt. Wir hatten eine tolle Zeit“, erzählt Horstmann. Werner Biedenkopf, Rudi Herbst, Uwe Mester und Torwart Jonny Lahmann sind nur ein paar der VSK-Aktiven, deren Namen nicht nur Delmenhorster Sportfans bekannt waren.

17:16-Sieg über THW Kiel

Ein Großteil des Teams spielte von der Jugend an zusammen. Es war 1959 Norddeutscher A-Jugend-Meister geworden. Zwei Jahre später glänzten die Delmenhorster um ihren Trainer Ernst Speetzen im Männerbereich. Sie boten dem tschechischen Meister Paroli und besiegten Anfang März 1963 in einem Testspiel den damaligen deutschen Hallenmeister, den THW Kiel um die 2008 verstorbene Legende Heinrich „Hein Daddel“ Dahlinger, mit 17:16. „Diese Spiele waren schon Highlights“, sagt Horstmann. Nervös sei er vorher aber nicht gewesen.

Erfolge auch im Feldhandball

Horstmann und seine Mitspieler lieferten aber auch in Punktspielen viele starke Leistungen ab. Sie feierten Meisterschaften in der 1. Bremer Hallenhandball-Division und holten zweimal den Bremer Landespokal. Die Delmenhorster waren allerdings nicht nur in der Halle zu Glanzleistungen fähig. Damals wurde auch noch Feldhandball gespielt. Der VSK trat in der Oberliga an, der höchsten Spielklasse. 1961 qualifizierte er sich sogar für die Endrunde der deutschen Meisterschaft. Dort traf er aber gleich auf den gastgebenden Titelverteidiger, den TuS Lintfort, und war vor 30 000 Zuschauern chancenlos.

Mehr Spaß hatte Horstmann aber an den Spielen unter dem Dach, auch wenn er den Weg zum Handball auf Rasen gefunden hatte. „Ich wollte immer nur Sport machen“, sagt Horstmann heute über den Jugendlichen Heino Horstmann. Er war ein guter Leichtathlet, spielte gerne und oft Fußball und Tischtennis. „Sechs Wochen Sommerferien waren damals in Bungerhof der Sportplatz“, erzählt der 76-Jährige. Jeden Tag traf er sich dort mit seinen Freunden, fast immer wurde ein Spiel gespielt, indem es darum ging, einen Ball von einem Tor in ein etwa 20 Meter entferntes anderes Tor zu werfen. Horstmann war so gut, dass er von einem Mitspieler überzeugt wurde, es beim VSK mit Handball zu versuchen. Dort und in der Schulmannschaft wurde daraus seine Leidenschaft, die er seiner Mutter aber zunächst verschwieg. Sie dachte, ihr Sohn würde beim Delmenhorster TV turnen, während der beim VSK Handball spielte.

„Jeder hat für jeden gespielt“

Nach der Schule begann Horstmann eine Ausbildung bei der Deutschen Bahn, für die er bis zu seiner Pensionierung arbeitete. Nach der Lehre musste er sich, weil er Früh- und Spätschichten hatte und auch am Wochenende arbeitete, entscheiden: Tischtennis oder Handball? Die Wahl fiel auf den Handball. Die bis heute bestehende Faszination erklärt Horstmann so: „Ich finde es wichtig, dass man einen Mannschaftssport betreibt, denn da gibt es eine Gemeinschaft.“ Damals beim VSK „hat jeder für jeden gespielt. Wir haben zusammen gewonnen und zusammen verloren. Das hat mich begeistert.“ Natürlich hatte der schnelle, ausdauernde Horstmann auch jede Menge Spaß an dem Spiel an sich.

Trainer der Eisenbahn-Nationalmannschaft

Für seinen Arbeitgeber ging Horstmann in Betriebssportmannschaften auf Torjagd. Dabei fiel sein Talent ebenfalls auf. Er schaffte den Sprung in die Nationalmannschaft der Deutschen Bahn, wurde sogar deren Kapitän. 1970 belegte Horstmann mit ihr bei der Europameisterschaft der Eisenbahner „als beste westeuropäische Mannschaft“ den fünften Platz. Anschließend übernahm er das Traineramt. Er betreute Erst- und Zweitligaspieler und war mit ihnen erfolgreich. Nach fünf EM-Teilnahmen trat er 1994 nach einem Länderspiel gegen die Schweiz auf Wangerooge zurück. Doch damit nicht genug: Horstmann feierte auch als Vereinstrainer unzählige Siege und regelmäßig Aufstiege. Ein Arbeitskollege, Horstmann war schon länger als Personalchef in Elsfleth tätig, überredete ihn, nachdem er mit Mitte 30 seine aktive Laufbahn beendet hatte, Coach des SV Nordenham zu werden. Er führte dort als einer der ersten Trainer die offensive 3-2-1-Abwehrformation ein. Die Nordenhamer stiegen von der Bezirksklasse bis in die Oberliga auf, dann wechselte Horstmann zum SV Atlas. Wieder ging es bis in die Oberliga. Anschließend gelang mit dem TV Deichhorst wieder ein Durchmarsch von der Bezirksklasse in die Oberliga, und auch die TS Hoykenkamp führte der Trainer Horstmann in diese Klasse. Beim Oberligisten HSG Grüppenbühren/Bookholzberg beendete dann er seine Trainerlaufbahn.

Horstmann ist auch als Tennisspieler erfolgreich

Inzwischen hatte Horstmann bereits eine andere Sportart für sich entdeckt. Schon als aktiver Handballer begann er, Tennis zu spielen. Auch dabei blieb ihm der Erfolg treu. Er trat in der Regionalliga und startete in DM-Turnieren der Altersklassen. Auf einem Tennisplatz oder in einer Tennishalle ist er übrigens immer noch regelmäßig zu treffen. An Wettbewerben nimmt er aber nicht mehr teil.

Natürlich verfolgt Heino Horstmann den Handballsport in der Stadt mit großem Interesse. Er wünscht sich, dass es in absehbarer Zeit wieder Punktspiele geben wird, die 1000 Zuschauer anlocken. „Die passen ja in die Stadionhalle, wenn die Tribünen voll ausgezogen sind.“ Die HSG, die von der VSK und dem TV Deichhorst vor 25 Jahren gegründet wurde, habe das Potenzial für die 3. Liga, findet er. Und er hofft, nicht zuletzt für den Vorsitzenden, dass sie das ausschöpft. „Ich würde mich sehr, sehr darüber freuen. Vor allem weil sich Jürgen Janßen so reinkniet“, sagt Horstmann.


Alle 14 Tage blickt die dk-Lokalsportredaktion samstags auf herausragende Ereignisse in der Stadt und im Landkreis Oldenburg oder auf große Erfolge von Sportlern zurück, die mindestens zehn Jahre zurückliegen. Diesmal: Vor 55 Jahren bestritten die Handballer des VSK Bungerhof vor 1200 Zuschauern ein Freundschaftsspiel gegen Dukla Prag

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