23.11.2016, 07:44 Uhr

Schachklub sorgt für Aufsehen Delmenhorster SK mit allen Teams auf dem Vormarsch


Delmenhorst. Ob Männer, Frauen oder Jugend: Beim Delmenhorster Schachklub läuft es prächtig. Die Jugend mischt als jüngste Mannschaft die Bundesliga auf. Das erste Team hat in der Oberliga Aufstiegschancen – auch dank eines remisfreudigen Youngsters als neue Nummer eins.

Man darf wohl davon ausgehen, dass Tobias Sturm auch am Montagabend vor dem Bildschirm gesessen hat. In New York verlor Schach-Weltmeister Magnus Carlsen überraschend gegen Herausforderer Sergej Karjakin, der möglicherweise kurz bevorstehende Sturz des Champions wird – Livestreams und Tickern sei Dank – von Denksportlern auf der ganzen Welt verfolgt. Auch Sturm schaut rein, wenn er kann, als Vorsitzender des Delmenhorster Schachklubs kann er das unter Weiterbildung verbuchen.

Gestern Abend hatten Carlsen, Karjakin und Sturm WM-frei, falls sich der DSK-Chef dennoch mit seinem Sport beschäftigt haben sollte, wird er das vermutlich in bester Stimmung getan haben. Für seinen Verein läuft es aktuell an allen Fronten hervorragend – natürlich ein paar Nummern kleiner als beim Spektakel in New York. Die Zufriedenheit beim Clubchef ist unschwer herauszuhören: „Wir stehen super da, alle Mannschaften haben einen guten Lauf.“

Kügel als neue Nummer eins in der Oberliga

Sturm darf sich selbst auf die Schulter klopfen, er ist Teil der Männermannschaft, die in der Oberliga gut gestartet ist. Nach dem 5:3 am ersten Spieltag gegen Werder Bremen III war der DSK schon Tabellenführer, nach dem spannenden 4:4 am Wochenende im Hotel Thomsen gegen Tempo Göttingen ist das Team Dritter. Die Liga ist eng beisammen, die Delmenhorster sind als Vizemeister erst einmal Mitfavorit auf den Aufstieg in der 2. Bundesliga und versuchen es in ungewöhnlicher Besetzung. Nummer eins ist nicht mehr der Pole Tomasz Warakomski, der nur im Notfall eingesetzt wird, sondern mit Tobias Kügel ein 21-Jähriger, dessen Wertungszahl niedriger ist als die von drei seiner Teamkollegen. Das ist durchaus unüblich, allerdings hat Youngster Kügel eine ganz große Stärke: Er spielt oft Unentschieden. „Tobias kann auch den dicken Brocken ein Remis abringen“, erklärt Sturm.

Steingräber zurück von Werder Bremen

Mit Kai-Uwe Steingräber haben die Delmenhorster einen wichtigen Spieler von Werder Bremen zurückgeholt, auf Dauer heißt der Weg aber: Verjüngung aus dem eigenen Stall. Nächster Schritt wird das Debüt des 16-jährigen Nachwuchsspielers Kevin Silber noch in dieser Saison sein. „Wir haben viele Talente mit Potenzial“, sagt Sturm.

Das bestätigt gerade die Jugendmannschaft des Vereins, die als jüngstes Team die Bundesliga verblüfft. Ein Sieg und eine Niederlage ist die Zwischenbilanz der Eigengewächse, die größtenteils von Delmenhorster Schulen stammen. Auch dank engagierter DSK-Trainer gehören die Grundschule Am Grünen Kamp und das Willms-Gymnasium regelmäßig zu den Titelsammlern auf Landes- und Bundesebene. „Wir arbeiten mit den Schulen toll zusammen“, sagt Sturm, der die hohe Dichte an Talenten in der Stadt dennoch bemerkenswert findet: „Schach ist ja keine In-Sportart.“

Carlsens Jugendtrainer: Ein Ex-Delmenhorster

Schon fast nebenbei schreiben die Damen ihre eigene Geschichte. Die feste Größe der 2. Bundesliga ist mit 3:1 Punkten aktuell gleichauf mit der Tabellenspitze, hat allerdings nicht das Ziel, ins Oberhaus aufzusteigen.

Das ist auch für Sturms Oberliga-Männer eine fast ebenso unerreichbare Welt wie der aktuelle WM-Kampf der Titanen Carlsen und Karjakin in New York. Andererseits: Carlsens Jugendtrainer Simen Agdestein spielte von 1998 bis 2000 – zur großen Delmenhorster Bundesliga-Zeit – mal für drei Jahre beim DSK. Die Schachwelt ist kleiner, als man denkt.


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