24.02.2016, 10:39 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Handball-Landesliga TS Hoykenkamp von Team-Revolte überrascht

Das Team der TS Hoykenkamp und Trainer Jörn Franke gehen getrennte Wege. Foto: Rolf TobisDas Team der TS Hoykenkamp und Trainer Jörn Franke gehen getrennte Wege. Foto: Rolf Tobis

Hoykenkamp. Die Spieler des Handball-Landesligisten TS Hoykenkamp sprechen sich gegen Jörn Franke aus – zur Überraschung des Trainers und der Abteilungsleitung.

Die Turnerschaft Hoykenkamp existiert seit 1911; der Eindruck, dass Gregor Kleefeldt schon immer dabei ist, täuscht also logischerweise. Allerdings ist der 44-jährige Torwart sehr wohl ein Handball-Veteran, der mit seinem Verein Aufstiegsfeiern, Abstiegsdramen und alles dazwischen schon erlebt hat. Seit Dienstagabend ist seine Laufbahn um eine bemerkenswerte Episode reicher: Nach einer Krisensitzung trennte sich sein Team von Jörn Franke – und das mitten im Aufstiegsrennen, in das der Trainer die Hoykenkamper erneut geführt hat. Und Routinier Kleefeldt fühlte sich verpflichtet, die Angelegenheit zu erklären. „Jörn hat etliche Spieler einen ganz großen Schritt weiter gebracht“, erklärte er. „Doch im Spiel hatten wir manchmal das Gefühl, dass da eine ganze andere Person auf der Bank sitzt. Er konnte uns nicht mehr erreichen.“

Franke: Einige wollten nicht mitziehen

Diese Nachricht war vor allem deshalb ein Erdbeben, weil Franke sportlich eigentlich nichts vorzuwerfen ist. Aktuell Platz drei, eine zufriedenstellende Trainingsbeteiligung; der erfahrene Übungsleiter hat in Hoykenkamp ohne Zweifel eine neue Gangart eingeführt – doch genau da lag auch das Problem. „Es prallen hier zwei Ansprüche aufeinander“, erklärt der Coach, der seine Enttäuschung gestern nicht verbarg: „Ich bin Leistungssport gewohnt, einige wollten aber nicht mitziehen.“ Als konkretes Beispiel nennt er die Rückfahrt vom Spiel beim FC Schüttorf am Samstagabend, die 21:26-Pleite warf den Klub im Aufstiegskampf zurück, der Ausgelassenheit der Spieler nach der Partie hätte das aber nicht geschadet. „So etwas kenne ich nicht. Nach so einer Leistung hätte ich mich bei meinem Trainer entschuldigt“, meint Franke.

Spieler monieren zu persönliche Kritik

Seine Ansprache, das war aus Kreisen der Mannschaft zu hören, war einigen Spielern zu hart und teilweise zu persönlich. Franke haderte wiederum mit dem fehlenden Verantwortungsgefühl seiner Akteure. Was Pünktlichkeit, Verlässlichkeit und Engagement in der Trainingsarbeit abgeht, sei das Team „manchmal ein halbes Tollhaus“. Man sollte meinen, dass sich ein Bruch abgezeichnet hätte, für Franke kam die Trennung am Dienstagabend aber völlig überraschend. „Ich hatte auf eine andere Reaktion der Mannschaft gehofft“, sagt er. Dass Spieler bestimmen, wer sie trainieren dürfe, hätte er noch nirgendwo erlebt: „Ich wünsche den Jungs alles Gute. Aber sie müssen aufpassen, dass sie nicht untrainierbar werden.“

Interims-Trio auf der Bank

Vorerst wird nun Lennard Timmermann sein Glück versuchen. Der Spielmacher hatte kürzlich verletzungsbedingt seine Karriere beendet, steht nun am Samstag im Landkreis-Derby gegen den TV Neerstedt II ab 16 Uhr vor seinem Debüt auf der Bank und wird dabei von Ex-Coach Martin Wessels und Abteilungsleiter Hans-Georg Ahrens unterstützt. Wie es danach weitergeht, wisse man noch nicht, erklärte Ahrens. „Wir sind von der Mannschaft auch überrascht worden. Ich finde es schade, dass es so kam. Jörn Franke hat diese Abteilung schon vorangebracht. Aber die Mannschaft hat es scheinbar anders gesehen.“


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