12.02.2016, 10:30 Uhr

Nordire spielt für TV Hude II Der 17-jährige Zak Wilson verblüfft Fans und Gegner

Immer mit vollem Einsatz: der Nordire Zak Wilson. Seit Rückrundenbeginn spielt der 17-Jährige für den TV Hude II in der Verbandsliga. Foto: Rolf TobisImmer mit vollem Einsatz: der Nordire Zak Wilson. Seit Rückrundenbeginn spielt der 17-Jährige für den TV Hude II in der Verbandsliga. Foto: Rolf Tobis

Hude. Der 17-jährige Zak Wilson führt den TV Hude II in der Tischtennis-Verbandsliga zu überraschenden Erfolgen. Der Angriffsspieler aus Nordirland überzeugt mit glänzender Beinarbeit und einer ganz starken Vorhand. Er belegt in der U21-Rangliste seines Heimatlandes den ersten Platz.

Die Reaktionen lagen irgendwo zwischen Verblüffung und Bewunderung. „Die Beine müssen gepimpt sein“, sagte ein Zuschauer der Begegnung des TV Hude II gegen den Verbandsliga-Spitzenreiter TuS Lutten über die Vorstellung eines 17-jährigen Nordiren im Trikot der gastgebenden Huder. Zak Wilson, der im TVH-Team an Position zwei spielt, hatte mit seiner attraktiven Spielweise in zwei Einzeln in der Hohelucht-Halle eine starke Mannschaftsleistung gekrönt und sein Team zu einem unerwarteten 9:2-Erfolg geführt.

Konkurrenten verzweifeln

Das Kompliment erhielt Wilson nachdem er Tim Ackermann, die Nummer zwei der Gäste, mit 11:8, 11:6 und 11:6 bezwungen hatte. Nicht zuletzt dank seiner glänzenden Beinarbeit dominierte er die Partie. Egal, wohin der TuS-Spieler schlug, Wilson war rechtzeitig zur Stelle und stand oft so gut zum Ball, dass er aus der Bedrängnis heraus Gewinnschläge anbrachte. Ackermann verzweifelte. Ähnlich war es etwa 90 Minuten zuvor dem ehemaligen litauischen Nationalspieler Audrius Kacerauskas ergangen. Der TuS-Spitzenspieler, der Zweitligaerfahrung aufweist, kassierte ein 9:11, 7:11, 7:11.

Nur eine Einzelniederlage

Wilson spielt erst seit Beginn der Rückrunde für den TVH. Er gewann sechs seiner sieben Einzel und drei von fünf Doppeln. Mit ihm siegte der Aufsteiger in drei der vier Partien der zweiten Saisonhälfte. In diesen war das Team auf die ersten Vier der Tabelle getroffen. Die Huder verloren aber nur gegen die zweitplatzierte Mannschaft von SW Oldenburg (7:9). Gegen Eintracht Hittfeld (3., 9:7), die TSG Dissen (4., 9:1) und eben Lutten waren sie erfolgreich und schoben sich mit nun 13:13 Punkten vom siebten auf den fünften Platz.

Kompliment für die Teamkollegen

„Es ist schön, in dieser Mannschaft zu spielen“, sagte Wilson. „Die Jungs sind sehr nett, ruhig und ein bisschen verrückt.“ Verrückt? „Na ja, sie haben halt gerne Spaß.“ Das passe zu ihm, er denke genauso und fühle sich daher in Hude sehr wohl. „Ich mag es, in einer freundlichen Umgebung zu spielen.“

Nummer eins der U21-Rangliste

Wilson ist bereits der zweite Nordire, der für den TV Hude antritt. In der Saison 2008/2009 war es Peter Graham, der in der Oberliga für den Klub punktete. Der Kontakt blieb bestehen. Graham, der seit Langem einer der besten Tischtennisspielern in Nordirland ist, kennt auch das Talent Zak Wilson gut, das dem U18- und dem U21-Nationalteam angehört und in der U21-Rangliste Nordirlands Platz eins belegt. „Wir haben schon oft gegeneinander gespielt“, erzählte Wilson. „Ich habe aber erst einmal gewonnen.“ Trotzdem, sagte er grinsend, stehe er in der Männer-Rangliste als Vierter schon vor Graham. Der ist Sechster. „Peter hat mir vom TV Hude erzählt“, berichtete Wilson. Der vereinslose 17-Jährige suchte nach einer Möglichkeit, sein Spiel im Ausland, gerne in Deutschland, zu verbessern. „Der Standard ist viel höher“, erklärte er. „Ich möchte hier irgendwann in der zweiten oder dritten Liga spielen.“

Hoffnung auf Platz im Oberliga-Team

Derzeit sei der TV Hude aber perfekt für ihn. Felix Lingenau und Daniel Kleinert aus der Oberliga-Mannschaft hatte er im Winter kennengelernt, als diese Graham besuchten und mit ihm und Wilson an einem Turnier teilnahmen. Nach vielen Gesprächen war klar, dass Wilson für den TVH spielen würde. Er fliegt zu den Spielen ein. Das finanziert der nordirische Verband mit Hilfe von Sponsoren. Er übernachtet dann bei einem seiner Mannschaftskameraden.

„Es wäre schön, wenn ich in der kommenden Saison zur Oberligamannschaft gehören könnte“, erklärte Wilson sein nächstes sportliches Ziel. In dieser Saison ist das übrigens nicht mehr möglich, weil er erst seit Rückrundenbeginn für den Turnverein gemeldet ist. Die Spielordnung lässt dann ein Aufrücken nicht zu.

Ein weiteres Ziel von Wilson ist die Teilnahme an den Europameisterschaften im Juli. Und er träume vom Start bei den Commonwelth-Games. Bei denen der Jugendlichen 2015 in Indien gewann er Bronze.

Mindestens fünf Trainingseinheiten pro Woche

Wilson wohnt in der Nähe von Belfast, besucht eine Sportschule. Die Begeisterung für den Sport, der in Nordirland im öffentlichen Interesse weit hinter Fußball und Rugby steht, wurde in einem Urlaub geweckt. Er war acht Jahre alt. „Dort gab es einen Tisch. Ich habe gespielt und hatte Spaß.“ Er blieb dabei.

Dank seines Trainingsfleißes wurde Zak Wilson immer besser. Inzwischen trainiert er mindestens fünf Mal pro Woche, jeweils zwei Stunden lang. Dazu kommen die Einheiten bei den Nationaltrainern und viele Starts bei Turnieren. Er ist so zu einem Angriffsspieler geworden, dessen Stärken die Vorhand und der Aufschlag sind. Und, natürlich, die Beinarbeit, die bei manchem Beobachter Gefühle irgendwo zwischen Verblüffung und Bewunderung auslöst.


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