23.02.2017, 17:42 Uhr

Zukunft des ländlichen Raums Ganderkeseer äußern sich skeptisch zur Telemedizin

Ortsvereinsvorsitzender Karl-Heinz Meier (hinten l.) begrüßte im Feuerwehrhaus Havekost Professor Karl Heinz Tripler (hinten Mitte) und die Studenten Fabian Schaumann (vorne l.) und Hendrik Brokelmann als Referenten zum Thema Telemedizin. Auch Marc Möller von der Bürgerstiftung Ganderkesee hörte aufmerksam zu. Foto: Dirk HammOrtsvereinsvorsitzender Karl-Heinz Meier (hinten l.) begrüßte im Feuerwehrhaus Havekost Professor Karl Heinz Tripler (hinten Mitte) und die Studenten Fabian Schaumann (vorne l.) und Hendrik Brokelmann als Referenten zum Thema Telemedizin. Auch Marc Möller von der Bürgerstiftung Ganderkesee hörte aufmerksam zu. Foto: Dirk Hamm

Havekost. Kann die Telemedizin ein Heilmittel sein, um die Abwanderung aus den Dörfern aufzuhalten? Mit dieser Frage beschäftigen sich zurzeit Master-Studenten der Jade-Hochschule in Oldenburg, und sie stützen sich dabei auch auf eine Befragung von Bürgern aus Havekost, Hengsterholz und Rethorn.

Ein erstes Meinungsbild wurde am Mittwochabend während der Mitgliederversammlung des Ortsvereins Hengsterholz-Havekost erkennbar: Nach einführenden Erläuterungen zur Telemedizin durch Professor Karl Heinz Tripler und die Studenten Hendrik Brokelmann und Fabian Schaumann aus dem Studiengang Facility Management und Immobilienwirtschaft war in mehreren Wortmeldungen eher Skepsis zu spüren.

Telemedizin „nur ein Baustein“ gegen Landflucht

„Ich glaube nicht, dass die Telemedizin irgendein Problem auf dem Land löst“, meinte ein Versammlungsteilnehmer. Günter Westermann verwies auf Probleme etwa bei der Versorgung mit Lebensmitteln, die neben dem Mangel an Hausärzten zur Landflucht beitrügen. Telemedizin könne „nur ein Baustein“ bei den Bemühungen sein, die Abwanderung zu stoppen.

Brokelmann und Schaumann legen ihrer Untersuchung die Annahme zugrunde, dass die Zahl der Hausärzte auf dem Land weiter rückläufig sein wird. Die räumliche Entfernung zwischen Patient, Haus- und Facharzt werde immer größer.

Telekommunikation ersetzt den langen Weg zum Arzt

Bei der Telemedizin könne der Kontakt zwischen Patient und Arzt über elektronische Gerätschaften gewährleistet werden, ohne lange Fahrten in die Stadt in Kauf nehmen zu müssen, erläuterten die Studenten. Patientendaten werden direkt in die Praxis übertragen, was eine ständige Kontrolle der Werte bei chronischen Erkrankungen ermögliche. Der Arzt wiederum kann auf digitalem Wege Informationen an den Patienten übersenden, zum Beispiel die Erinnerung zur Medikamenteneinnahme, und bei drastischer Verschlechterung der Werte Notfallhilfe auf den Weg bringen.

Telemedizin kann nur beschränkt helfen

Damit die Telemedizin, die laut Professor Tripler schon bei der medizinischen Versorgung von Bohrinselbesatzungen angewandt wird, künftig auf dem Land Verbreitung finden kann, müsse dort eine flächendeckende Breitbandversorgung sichergestellt werden, erklärten die beiden Studenten weiter. Sie betonten zugleich, dass die Telemedizin bei derzeitigem Stand nur bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes zur Anwendung kommen könne. Außerdem müsse für Neudiagnosen auch künftig der Arzt aufgesucht werden.

Auch die Meinung der Rethorner ist gefragt

Die rund 30 Teilnehmer der Versammlung waren dann aufgerufen, mittels eines Fragebogens Angaben zu Krankheitsbildern, Mobilität und Internetaffinität zu machen. In Rethorn ist eine gleichlautende Befragung für die Ortsvereinsversammlung am Donnerstag, 16. März, vorgesehen. Noch offen ist, wann und in welcher Weise die Ergebnisse des Projekts zur Zukunft der Ganderkeseer Bauerschaften, bei dem die Jade-Hochschule und die Bürgerstiftung Ganderkesee zusammenarbeiten, öffentlich präsentiert werden.


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