21.11.2016, 19:15 Uhr

Kassen fordern Sozialbeiträge Insolvenzantrag gegen Bernhard Schwarting GmbH in Schlutter

Die Mienen sind ernst, die Lage ebenso – doch es gibt Hoffnung. Die Zimmerei und Tischlerei Bernhard Schwarting ist im vorläufigen Insolvenzverfahren: (von links) Anwalt Berend Böhme, der mögliche neue Inhaber Gerrit Bakenhus und seine Mutter Insa Schwarting-Bakenhus. Foto: Thorsten KonkelDie Mienen sind ernst, die Lage ebenso – doch es gibt Hoffnung. Die Zimmerei und Tischlerei Bernhard Schwarting ist im vorläufigen Insolvenzverfahren: (von links) Anwalt Berend Böhme, der mögliche neue Inhaber Gerrit Bakenhus und seine Mutter Insa Schwarting-Bakenhus. Foto: Thorsten Konkel

Ganderkesee-Schlutter. Die Zimmerei und Tischlerei Bernhard Schwarting GmbH ist zahlungsunfähig, zum vorläufigen Insolvenzverwalter hat das Amtsgericht Delmenhorst den Bremer Fachanwalt Berend Böhme bestellt. Böhme berichtete auf einem am Montagabend einberufenen Pressegespräch von einer soliden Perspektive für das Traditionsunternehmen.

Weil zuletzt keine Sozialversicherungsbeiträge mehr gezahlt worden sind, hatte die Techniker Krankenkasse den Antrag auf das Insolvenzverfahren gestellt.

Auch eine weitere Ersatzkasse hegt Forderungen gegen die Zimmerei und Tischlerei in Schlutter. Das Amtsgericht Delmenhorst hat darum das vorläufige Insolvenzverfahren am Freitagmittag beschlossen, Böhme war Montag zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt worden.

Finanzielle Schieflage

Grund für die finanzielle Schieflage sind laut dem Bremer Fachanwalt neben einer zu schlechten Zahlungsmoral privater Kunden auch Fehler in der Geschäftsführung, vertreten durch Bernhard Schwarting und seine Tochter Insa Schwarting-Bakenhus, gewesen.

Fehler der Geschäftsführung

Das bestätigte auch die Geschäftsführerin selbst: „Wir haben unser Geld nicht hartnäckig genug eingefordert“, räumte Schwarting-Bakenhus ein.

Laut dem Fachanwalt sind die Aussichten auf eine Fortführung des 1902 gegründeten Familienbetriebes in derzeit vierter Generation gut.

Arbeit ist genug da

„Arbeit ist genug da, nur Geld könnte mehr vorhanden sein“, erläuterte er knapp die Situation des Betriebes mit sechs Beschäftigten, darunter einem Auszubildenden.

„Die Löhne und Gehälter sind gesichert, bis Ende Januar gibt es Insolvenzgeld“, kündigte er an.

Interessenten aus Reihen der Familie

Das Insolvenzverfahren soll nach Möglichkeit noch im Frühjahr eröffnet werden. Im Zuge dieser Sanierung könnte auch ein Betriebsübergang stattfinden. Denn es gibt bereits einen Interessenten aus Reihen der Familie, der den Traditionsbetrieb fortführen will.

Sohn Gerrit Bakenhus ist Zimmerermeister und arbeitet bereits seit Längerem in dem Unternehmen. Nach der Liquidation der Bernhard Schwarting GmbH könnte der 30-Jährige das Steuer übernehmen.

Gebäude, Grundstück und Fuhrpark schon in Sicherheit

Die Firmen-Infrastruktur bleibt nämlich unangetastet. „Gebäude, Grundstück und Fuhrpark sind nicht Eigentum der GmbH, sie sind im Besitz von Bernhard Schwarting“, erläuterte Böhme die komfortable Situation. Auch die Mitarbeiter blicken laut dem vorläufigen Insolvenzverwalter zuversichtlich nach vorn.

Gerrit Bakenhus soll Betrieb fortführen

„Die Aussicht, den Familienbetrieb mit Gerrit Bakenhus in der fünften Generation weiterzuführen, stärkt bei ihnen und den Lieferanten das Vertrauen“, gab sich Böhme zuversichtlich.

Vertrauen in die Kraft des 30-Jährigen wird auch nötig sein, denn absehbar sei bereits, dass angesichts der Forderungshöhe die Gläubiger unter den Lieferanten wohl nur eine gewisse Quote ihrer Ausstände erhalten werden, mutmaßte Böhme am Montagabend.


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