19.10.2016, 20:03 Uhr

Kampf gegen das Ladensterben Ganderkeseer Kaufleute bekennen sich zum Ortskern


Ganderkesee. „Wir sind hier sehr zufrieden –und wir machen natürlich weiter!“ So optimistisch wie Astrid Knipping (Dänischer Showroom) stemmen sich derzeit viele Ganderkeseer Kaufleute gegen die schlechte Stimmung im innerörtlichen Einzelhandel an der Rathausstraße und am Markt.

Mit viel Durchhaltewillen, verbunden mit einem klaren Bekenntnis zum Standort, kämpfen die Gewerbetreibenden gegen das zuletzt immer raschere Verschwinden von inhabergeführten Geschäften im Ortskern an .

Bekenntnis zur Rathausstraße

Allen voran Astrid Knipping: „Unsere Lage an der Rathausstraße ist doch ideal“, beteuert Knipping, die neben dem Ganderkeseer Bekleidungsgeschäft noch weitere Läden in Delmenhorst und Hude führt. Seit acht Jahren verkauft sie an der Rathausstraße Mode und Accessoires aus Dänemark. Damit habe sie sich eine Stammkundschaft gesichert, sagt sie.

Erfolg liegt in der Beratung

„Der Erfolg liegt neben unserem Sortiment, einer ausführlichen persönlichen Beratung auch in der guten Parkplatzsituation“, erläutert sie. In der individuell auf den Kunden zugeschnittenen Beratung sieht Knipping das Hauptmerkmal, um sich gegen Ketten und Internethändler zu behaupten. Das sei zwar zeitintensiv, zahle sich aber durch eine hohe Kundenbindung aus.

Allerdings müsse man auch rührig sein und jenseits der verkaufsoffenen Sonntage der Kundschaft etwas bieten wollen. „Vieles geht heutzutage nur über Events“, hat Knipping festgestellt. „Wir Kaufleute sollten darüber nachdenken, ob wir nicht auch wochentags Aktionen durchführen“, rät sie.

Schuhhändler Wilm Denker bleibt gelassen

Auch Schuhhändler Wilm Denker grenzt sich durch intensive Beratung vom schnellen Kauf per Klick im Netz ab. „Ich bin extra aus Hude hergefahren, weil die Verkäufer sich hier gut um mich kümmern“, bestätigt Kunde Wolfgang von Kempen diese Bemühungen. Der Schuhhändler nimmt die lange Reihe der vollzogenen oder angekündigten Ladenschließungen gelassen: „Es geht immer rauf und runter, wir haben einen langen Atem, stehen zum Standort.“ Verluste durch den Internethandel könne man nicht schönreden, wohl aber begrenzen durch gute Beratung und ein klug zusammengestelltes Sortiment. Genügend Parkplätze vor Ort sind auch für ihn besonders wichtig.

Kunden wollen ausreichend Parkplätze direkt vor Ort

„Die Leute fahren heute lieber 20 Kilometer, um direkt vor der Tür zu parken, als dass sie 200 Meter laufen mögen“, so seine Erfahrung.

Teeladen punktet mit besonderem Flair

Gegenüber von Denker verströmt der Teeladen von Carola Lange das Flair eines gut geführten Tante-Emma-Ladens. Retro-Lämpchen geben ein warmes Licht ab, widergespiegelt wird es von den vielen metallenen Teeboxen, die in den hellen Holzregalen stehen. „Es ist so wie in meiner Kindheit“, ist Kundin Bettina Oetken erfreut und kauft darum spontan 500 Gramm von den besten Blättern des Angebots. „Die Stimmung macht’s“, berichtet Lange von ihrem Verkaufskonzept. „Wenn es richtig kalt wird, dann biete ich auch wieder Verkostungen an“, kündigt sie an. Doch so gerne ihre Kundschaft auch im Laden einkaufe, leben könne man schon längst nicht mehr vom Umsatz. „Vor acht Jahren war das noch ganz anders“, blickt Carola Lange zurück. Damals, habe noch niemand absehen können, dass es irgendwann große Märktezentren in der Nachbarschaft geben wird. Inzwischen hat Lange sich damit arrangiert und einen Job angenommen, der das Einkommen sichert. Aufgeben komme nicht infrage, beteuert sie. „Verkaufen, das tue ich hier bloß noch aus purer Leidenschaft“, verrät sie.

Auch für Buchhändler Gustav Förster ist die Lust am Laden im Ort vorrangig. „Ich bin im Rentenalter, ohne Buchhandel kann ich mir den Ort aber einfach nicht vorstellen.“ Auch 2017 soll das so bleiben. Förster hat in Software und ein Kassensystem investiert. Zudem gibt er eine Online-Zeitung heraus.

Auch örtlicher Handel setzt aufs Internet.

„Ich habe zudem eine App eingerichtet, die das Einkaufen übers Internet ermöglicht“, sagt er.

Maren Zacharias, Geschäftsführerin von Ganter Optik hatte kürzlich ebenfalls Geld in die Hand genommen, um ihren Laden am Markt zu modernisieren.

Doch es gibt auch Forderungen seitens der Kaufleute : Vermieter sollten sich an den erzielten Umsätzen und nicht an den eigenen Erwartungen orientieren. Auch die Gemeinde sollte ihren Beitrag leisten. „ Wir wünschen uns mehr Unterstützung von der Verwaltung zum Erhalt des Einkaufsstandorts Rathausstraße/Markt“, stellt Knipping fest.


1 Kommentar