18.10.2016, 20:00 Uhr

Neuer Ärger um Rettungsdienst Retter in Ganderkesee bangen um ihre Berufschancen

Bei Notfällen leisten die Rettungskräfte des DRK unverzichtbare Hilfe. Ob die Leistungen der Mitarbeiter intern korrekt bewertet werden, ist jetzt in Zweifel gezogen worden. Archivfoto: Thorsten KonkelBei Notfällen leisten die Rettungskräfte des DRK unverzichtbare Hilfe. Ob die Leistungen der Mitarbeiter intern korrekt bewertet werden, ist jetzt in Zweifel gezogen worden. Archivfoto: Thorsten Konkel

Ganderkesee. Mitarbeiter des Rettungsdienstes des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Ganderkesee fürchten um ihre berufliche Zukunft. Ein Mitarbeiter im Rettungsdienst des Landkreises Oldenburg, der nicht namentlich genannt werden möchte, berichtet von nicht den Tatsachen entsprechenden Leistungsbewertungen durch Vorgesetzte, die in einer Mitarbeiterliste festgehalten wurden.

Vor dem Hintergrund der Ablösung des DRK durch den Malteser Hilfsdienst zum Jahreswechsel beim Rettungsdienst in Ganderkesee müssten jetzige DRK-Mitarbeiter bei negativen Bewertungen Nachteile befürchten, wenn sie zum neuen Rettungsdienstbetreiber wechseln.

Das Dokument, das dem dk vorliegt, ist dieser Quelle zufolge von einem anderen Mitarbeiter zufällig auf einem Rechner in der Rettungswache an der Urneburger Straße entdeckt worden. Die Analyse sei vom Ärztlichen Leiter Rettungsdienst des Landkreises, Dr. Peter Günther, in Auftrag gegeben und von der ehemaligen Wachenleiterin Lisa Tendahl erstellt worden. Der Zeitpunkt sei unklar, allerdings handele es sich bei allen bewerteten Kräften um aktuelle Mitarbeiter.

„Bewertung oft stumpf erlogen“

In der Liste werden jedem einzelnen Notfall- und Rettungssanitäter sowie Rettungsassistenten Stärken und Schwächen in der sozialen und fachlichen Kompetenz zugeordnet sowie der Stand der Ortskenntnis bewertet. Daraus abgeleitet wird die Eignung für den Einsatz im Rettungswagen als „1. Mann“ oder „2. Mann“, mit oder ohne Einschränkungen.

„Auf der Liste tauchen Kollegen auf, deren Bewertung stumpf erlogen ist“, sagt der Rettungsdienstmitarbeiter. So sei beispielsweise einem Kollegen, der auch mit verantwortlichen Aufgaben betraut werde und dem Rettungsassistenten „frisch aus der Ausbildung“ anvertraut würden, „fehlende Routine“ und „fehlende Sozialkompetenz im Umgang mit Kollegen“ bescheinigt worden.

Keine Stellungnahme zu anonymen Vorwürfen

Für die beschriebenen Missstände wird sowohl von dieser Quelle als auch – wie berichtet – in einem vor drei Wochen unserer Redaktion zugesandten anonymen Schreiben Dr. Günther verantwortlich gemacht. Günther wollte sich auf Nachfrage dazu nicht inhaltlich äußern und verwies auf die offizielle Stellungnahme des Landrats Carsten Harings vom 26. September. Harings betonte darin, dass die Kreisverwaltung nicht namentlich vorgebrachte Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Rettungsdienst nicht in der Öffentlichkeit diskutieren werde. Günther fügte hinzu: „Entscheidend ist, dass der Rettungsdienst läuft. Und das ist weiterhin der Fall.“ Michael Venzke, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands Oldenburg-Land, gab auf Nachfrage an, dass vom DRK „offiziell eine solche Mitarbeiterbewertung nicht in Auftrag gegeben worden ist“.

Hoher Krankenstand am Rettungsstandort

Dass die rettungsdienstlichen Abläufe reibungslos vonstattengehen, wird von dem Mitarbeiter, der sich an das dk gewandt hat, bezweifelt. Demnach gibt es an den Standorten Ganderkesee und Bookholzberg nur noch fünf Kräfte, die ein Noteinsatzfahrzeug fahren dürfen, obwohl mehr dazu qualifiziert seien. Das Problem: Dr. Günther lege die Kriterien für den Einsatz „sehr eng“ aus. Außerdem herrsche ein Klima der Angst unter den Rettungsdienstmitarbeitern und der Krankenstand sei deutlich gestiegen. Und weiter: „Wenn Kollegen Angst haben, den Notarzt zu rufen, wenn Dr. Günther selbst Dienst hat, ist das patientengefährdend.“


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