22.08.2015, 08:24 Uhr

dk-Sommergespräch in Ganderkesee CDU-Fraktionsvorsitzender Dietmar Mietrach im Interview


Ganderkesee. Im dk-Sommergespräch spricht CDU-Fraktionsvorsitzender Dietmar Mietrach über sozialen Wohnungsbau und Einzelhandel.

Herr Mietrach, welche politischen Erfolge gab es aus Sicht Ihrer Fraktion bislang im Jahr 2015?

Dietmar Mietrach: Die CDU-Fraktion hat sich erfolgreich in den Bereichen Kindergrippen/Kindergärten eingesetzt, so dass durch Neu- und Umbauten in der Gemeinde flächendeckend qualitativ gute Betreuungsangebote vorliegen. So forderten wir eine Standortüberprüfung der Krippenplätze für das gesamte Gemeindegebiet. Auch im Bereich der Infrastruktur wurden CDU-Fraktionsanträge gestellt und teilweise auch schon umgesetzt, wie z.B. Mängelbehebungen im Neubaugebiet Neddenhüsen/Südfeld, Verlängerung des Radweges in Altengraben, Antrag an den Kreis zum Bau eines Kreisels an der unfallträchtigen Kreuzung in Havekost und die Querungen in Falkenburg. Des Weiteren hat die CDU-Fraktion im Bereich der Finanzen Ideen eingebracht, um den Schuldenstand der Gemeinde zu reduzieren. Dies sind nur einige Beispiele.

Welches politische Thema ist vor der Sommerpause liegengeblieben und muss nach den Ferien möglichst rasch angegangen werden?

Leider wurde der CDU-Fraktionsantrag, den Vereinen zusätzliche Geldmittel für die Durchführung von besonderen Veranstaltungen auf Antrag zur Verfügung zu stellen, von den anderen Fraktionen abgelehnt. Liegen blieben auch die Themen Gemeindemarketing und Aktualisierung des Einzelhandelskonzepts. Die Anträge der CDU-Fraktion wurden zwar behandelt, jedoch nicht zu einer positiven Entscheidung gebracht. Gerade die Aktualisierung des in die Jahre gekommenen Einzelhandelskonzeptes ist für unsere Geschäftsleute in Ganderkesee, Bookholzberg und Heide/Schierbrok von hoher Bedeutung. So ist eine Stärken-/Schwächenanalyse Voraussetzung, um weiteren Leerständen zu begegnen. Weiteres Thema ist der ländliche Wegebau. Hier ist dringender Handlungsbedarf gegeben. Gemeinsam mit den Landwirten muss ein Modell erarbeitet werden, um Abhilfe zu schaffen. Auch die Vermarktung der Flächen im Gewerbegebiet Ganderkesee-West ist nicht zufriedenstellend. Wir können froh sein, dass mit dem Bau des Netto-Logistikzentrums ein großer Teil der Fläche verkauft wurde. Die Gemeinde hat viel Geld in den Grundstückskauf und die Infrastruktur gesteckt. Daher sollte durch baldigen Verkauf weiterer Flächen der Gemeindehaushalt entlastet werden.

Die Zahl der Flüchtlinge, die in der Gemeinde untergebracht werden müssen, steigt: Sehen Sie sich beim Thema Flüchtlinge auf einem guten Weg?

Beim Thema Flüchtlingsunterbringung sind wir in der Gemeinde auf einem guten Weg. Gerade die bisherige dezentrale Unterbringung in Wohnungen hat sich auch dank der vielen ehrenamtlichen Helfer und dem beispielhaften Einsatz der Gemeindemitarbeiter bewährt. Auf die steigenden Zuweisungen muss nun angemessen reagiert werden. Auch muss rechtzeitig die Anmietung von Mobilheimen geplant werden. Wichtig ist, dass auf Bundes- und Landesebene schneller reagiert wird und das Problem nicht in die Kommunen verlagert wird. So sollte die Erweiterung der sicheren Herkunftsländer schnell erfolgen, die Asylanträge schneller bearbeitet werden und den Kommunen nur Flüchtlinge zugewiesen werden, bei denen der Asylantrag Erfolg verspricht. Damit entlastet man die Kommunen bei der Wohnungssuche und vermeidet Abschiebungen aus den Kommunen heraus.

Muss man zur Flüchtlingsunterbringung über mehr Objekte sprechen?

Bisher wurden in vielen Ortsteilen der Gemeinde schon Flüchtlinge untergebracht. Daher ist es auch vertretbar und nur fair, wenn auch Rethorn und Steinkimmen Flüchtlinge aufnehmen. In einen gemeinsamen Antrag haben sich fünf Fraktionen auf eine Begrenzung von 25 Personen pro Einheit im Gemeindegebiet eingesetzt. Bei der Suche nach geeigneten Wohnungen setzen wir neben Hinweisen aus der Bevölkerung auf das Wissen der Orts- und Heimatvereine sowie der Bezirksvorsteher, wo freier Wohnraum im gesamten Gemeindegebiet zur Verfügung steht.

Braucht die Gemeinde sozialen Wohnungsbau?

Neben dem Bau von bezahlbaren Mietwohnungen sollte auch der soziale Wohnungsbau in der Gemeinde in den Kernorten Ganderkesee und Bookholzberg gefördert werden. Er ist unverzichtbar. Bisher war der Schwerpunkt in den neuen Baugebieten auf Einfamilienhäuser gerichtet. Gerade für jüngere Leute, Singles und ältere Menschen, die ihr Haus aufgeben möchten, fehlt das Angebot an barrierefreien Mietwohnungen. Daher ist es auch sinnvoll, in den neuen Baugebieten neben Einzelhäusern auch Mehrfamilienhäuser auszuweisen. Erschreckend ist, dass laut Landesamt für Statistik im Landkreis Oldenburg im Vergleich zu anderen Landkreisen deutlich weniger gebaut wird. Vor allem an Mehrfamilienhäusern fehlt es.

Allgemein zum Thema Baugebiete: Wo gibt es in der Gemeinde Bedarf?

Wegen der Lage zu öffentlichen Verkehrsmitteln, z. B. der Regio-Bahn, und der vorhandenen Infrastruktur sieht die CDU-Fraktion die Notwendigkeit von neuen Baugebieten in Ganderkesee und Bookholzberg. Mit den Gebieten Urneburger Feld, Neddenhüsen und Köhler-Wiese ist Ganderkesee gut versorgt. Leider kommt in Bookholzberg das Baugebiet Bargup nicht voran, obwohl dringender Bedarf gegeben ist. Für die weiteren Ortsteile als auch die Bauerschaften sollte eine behutsame Entwicklung erfolgen.

Lässt sich der Wunsch von Gewerbe und Häuslebauern nach Bauland in einer Landgemeinde wie Ganderkesee noch mit den Interessen von Landwirtschaft und Naturschutz vereinbaren?

Sowohl bei der Ausweisung von Flächen für Gewerbe als auch für Bauland müssen Ausgleichsflächen bereitgestellt werden. Hierbei muss darauf geachtet werden, dass diese Flächen auch in der Gemeinde liegen. Des Weiteren sollte eine zu dichte Bebauung mit entsprechender Versiegelung wie in Heide und Ganderkesee erkennbar nicht zugelassen werden.

Wie kann die Zukunft der Kaufleute im südlichen Ort skern sichergestellt werden?Wie kann die Zukunft der Kaufleute im südlichen Ort skern sichergestellt werden?

Durch die Vergrößerung des famila-Marktes, die Ansiedlung von Rossmann, dem Neubau von inkoop und die Verlagerung von ALDI nördlich der Bahn hat sich das Einkaufszentrum in Ganderkesee zulasten der südlichen Rathausstraße nach Norden verlagert. Dies war vorhersehbar. Daher hatte die CDU-Fraktion den Antrag gestellt, im alten ALDI-Gebäude einen Nahversorger vorzusehen, um einen Gegenpol zum neuen Märkte Zentrum zu bilden und damit die südliche Geschäftsstraße mehr zu beleben. Leider konnte dies nicht realisierbar werden. Auch die Aktionen von GanterMarkt helfen mit, die Rathausstraße zu beleben. Wichtig ist auch, dass die Geschäftsleute über Inserate und Sonderangebote Werbung betreiben.

Wie stellen Sie sich die Gestaltung des Marktplatzes vor? Liegt für Sie ein guter Entwurf auf dem Tisch?

Durch die Verlagerung der Märkte beidseitig der Bahn erhält der Marktplatz eine neue Bedeutung, nämlich als Scharnierfunktion zwischen Rathausstraße und famila zu wirken. Zur Gestaltung hat die CDU-Fraktion etliche Anregungen an die Verwaltung geschickt, die im Konzept berücksichtigt werden sollen. Wir halten es für angebracht, dass alle Beteiligten wie Bevölkerung, Anlieger, Geschäftsleute, GanterMarkt, Orts- und Heimatverein und Politik mit einbezogen und deren Ideen auch bedacht werden. Aus Schnelligkeit nur die von der Verwaltung vorgeschlagene Gestaltung umzusetzen, halten wir nicht für sinnvoll. Ein negatives Beispiel dafür ist die kostenintensive Gestaltung des Arp-Schnitger-Platzes, der ohne Charme ein teurer Parkplatz ist.

Es wird viel über Ganderkesee gesprochen: Was sind Herausforderungen in anderen Ortsteilen?

Bei den vielen Vorhaben, die derzeit im Ort Ganderkesee umgesetzt wurden bzw. werden, wie beispielsweise Festplatz, Bahnhofsvorfeld, Arp-Schnitger-Platz, Neddenhüsen, Raiffeisenstraße, Immerweg, Markt, Köhler-Wiese, wird vergessen, dass wir eine Flächengemeinde sind, die viele Ortsteile und Bauerschaften aufweist. Auch diese müssen mit Investitionen für deren Zukunftsentwicklung gefördert werden. So fehlt in Bookholzberg, dem zweitgrößten Ort, eine Analyse der Einkaufstruktur und Aufzeigen von Entwicklungspotenzial für die Geschäftsleute. In Bookholzberg-Nord fehlt ein Nahversorger. Preiswerte Mietwohnungen sind nicht vorhanden und das einzige Baugebiet Bargup dümpelt vor sich hin. Ein Neubau für die Feuerwehr Bookholzberg ist längst überfällig. Auch in Schierbrok fehlt ein Konzept, durch welche Maßnahmen eine Verbesserung der Einkaufsmöglichkeiten erzielt werden kann.


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Zur Person:

Dietmar Mietrach ist seit 2006 Vorsitzender der CDU-Fraktion im Ganderkeseer Gemeinderat. Der Bookholzberger ist als stellvertretender Vorsitzender in den Ausschüssen für Straßen und Verkehr sowie Wirtschaft und Finanzen aktiv.

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