20.04.2017, 08:42 Uhr

Fahreignung im Alter Experte informiert Delmenhorster Senioren über Fahren im Alter

Auf deutschen Straßen sind immer mehr Senioren unterwegs. Das erfordert ein Umdenken. Symbolfoto: dpaAuf deutschen Straßen sind immer mehr Senioren unterwegs. Das erfordert ein Umdenken. Symbolfoto: dpa

Delmenhorst. Mobilität im Alter ist ein Thema, das polarisiert, ja zuweilen hitzige Diskussionen entfacht. Eben drum hat sich der Seniorenbeirat einen Experten ins Haus geholt – und erfahren: Fahreignung ist nicht unbedingt eine Frage des Alters.

Fortbewegung ist ein menschliches Grundbedürfnis – ob nun für 18- oder 78-Jährige. Viele Senioren wohnen auf dem Land, oft mit schlechter Verbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Das Fortbewegungsmittel Nummer eins ist in solchen Fällen das Auto. Nicht weil es bequem ist. Sondern aus reiner Notwendigkeit. Doch bis zu welchem Alter sollten sich ältere Menschen hinters Steuer setzen? Was müssen Senioren beachten? Diese Fragen hat sich auch der Seniorenbeirat der Stadt Delmenhorst gestellt – und jemanden eingeladen, der sich mit diesem Thema immer wieder beschäftigt: Gerhard Kreie vom ADAC Weser-Ems aus Bremen.

Was heißt Fahreignung?

„Wenn wir über Autofahren im Alter sprechen, müssen wir sensibel vorgehen“, erklärte der Experte am Mittwoch vor rund 25 Zuhörern im großen Sitzungssaal des Rathauses. In den Medien erlebe er häufig, dass „regelrecht Jagd auf ältere Führscheinbesitzer gemacht wird“. Deshalb appellierte Kreie an sein Publikum: „Man darf nicht alle Autofahrer über einen Kamm scheren.“ Um mehr Sachlichkeit in die Diskussion zu bringen, klärte er die Zuhörer darüber auf, was Fahreignung eigentlich heißt. „Fahreignung ist nicht eine einfache Eigenschaft, sondern eine Qualifikation. Eine, die sich verändern kann.“

Senioren brauchen kritische Selbstbeobachtung

Mit zunehmendem Alter nehmen die Menschen Informationen langsamer auf, die Reaktionsgeschwindigkeit sinkt, genauso wie das Seh- und Hörvermögen. Ab dem 55. Lebensjahr steige das Unfallrisiko kontinuierlich an, betonte Kreie und mahnte zur Vorsicht: „Vor allem in komplexen Situationen und unter Zeitdruck unterlaufen Senioren Fahrfehler.“ Auch die Auswirkungen bestimmter Medikamente sollten nach Meinung des Verkehrsexperten nicht unterschätzt werden. Damit ältere Verkehrsteilnehmer sich und andere nicht gefährden, brauche es eine gesunde Portion kritischer Selbstbeobachtung. Jede müsse sich selbst die Frage stellen, wann die Zeit am Steuer vorbei ist. „Dann, wenn etwas passiert“, sei jedenfalls die völlig falsche Antwort. Gleichzeitig erinnerte Kreie seine Zuhörer an die Stärken älterer Autofahrer. „Sie sind erfahrener, fahren defensiver und sie meiden Risikosituationen.“

Was müssen Senioren hinterm Steuer beachten? Gerhard Kreie (rechts) referierte auf Einladung des Seniorenbeirates über Fahreignung im Alter. Foto: Merlin Hinkelmann

Fahr-Fitness-Checks zur Prävention

Mit Blick auf den demografischen Wandel machte Kreie eines deutlich: „In einer Zeit, in der immer mehr Senioren auf unseren Straßen unterwegs sind, müssen wir umdenken.“ Sinnvolle Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit seien etwa Fahrsicherheitstrainings oder sogenannte Fahr-Fitness-Checks, wie sie der ADAC anbietet. „Hier kann sich jeder auf seine Stärken und Schwächen hin prüfen.“ Auch das Konzept regelmäßiger Eignungsüberprüfungen schnitt Kreie in seinem Vortrag an. Während Senioren in vielen europäischen Ländern ärztliche Gesundheitschecks durchlaufen müssen, um ihren Führerschein zu verlängern, gilt der Lappen hierzulande unbefristet. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis solche Checks auch in Deutschland zur Regel werden“, wagte Kreie die Prognose und verdeutlichte einmal mehr: „Ob jemand ein guter oder schlechter Autofahrer ist, lässt sich nicht anhand des Alters festmachen.“


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