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19.04.2017, 06:31 Uhr KOLUMNE

Quergedacht: Kurze und lange Wochen für Arbeitnehmer

Von Marco Julius

Arbeitnehmer mögen rote Zahlen – zumindest im Kalender. Foto: Marco JuliusArbeitnehmer mögen rote Zahlen – zumindest im Kalender. Foto: Marco Julius

Delmenhorst. Die Hölle hat viele Namen, einer davon lautet Frühstücksradio. So sieht es zumindest unser Autor Marco Julius in der aktuellen Folge der Kolumne „Quergedacht“.

Die Osterfeiertage haben für den arbeitenden Teil der Bevölkerung meist den Vorteil, dass er sich reinfühlen kann in die angenehmen Seiten einer geschmeidigen Vier-Tage-Woche. Lange Gesichter macht angesichts der zwei kurzen Wochen niemand. Was auch daran liegen mag, dass nach Ostern im Frühstücksradioprogramm einen Tag weniger Zeit ist für die gut gelaunten Moderatoren, die uns über den müden ersten Arbeitstag der Woche hinweg helfen wollen – und die schon früh den Countdown für das ach so ferne Wochenende einläuten. Die Hölle hat viele Namen, einer davon lautet Frühstücksradio.

Die Hölle hat viele Namen

Besser in die Woche starten mit zwanghaft gut gelaunten Moderatoren? Bitte nicht! „Hoffnung auf den Feierabend, Hoffnung auf das Wochenende, all diese lebenslange Hoffnung auf Ersatz, inbegriffen die jämmerliche Hoffnung auf das Jenseits, vielleicht genügte es schon, wenn man den Millionen angestellten Seelen, die Tag für Tag an ihren Pulten hocken, diese Hoffnung nehmen würde. Groß wäre das Entsetzen, groß die Verwandlung“, hat der Schweizer Schriftsteller Max Frisch einmal gesagt. Dabei gab es zu seiner Zeit das Frühstücksradio noch gar. Sicher, zumindest Musik mag helfen. Auch und gerade morgens. „Doch da ist etwas, das uns Hoffnung gibt: Geschlechtsverkehr und Popmusik“, sang ja schon das norddeutsche Philosophen-Trio Fettes Brot. Aber: Ein jegliches hat seine Zeit. „Arbeit ist wie das Altern. Meist sehr unangenehm, aber nicht zu verhindern“, wusste bereits Mark Twain. Und das gilt in kurzen und langen Arbeitswochen gleichermaßen.


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