20.03.2017, 15:55 Uhr

Prozess um bandenmäßigen Diebstahl Delmenhorster Opfer berichtet von Einbruch in Geschäft

Symbolfoto: Michael GründelSymbolfoto: Michael Gründel

Delmenhorst/Oldenburg. Am Landgericht Oldenburg ist der Prozess gegen sechs Rumänen, denen schwerer bandenmäßiger Diebstahl vorgeworfen wird, fortgesetzt worden.

Vor allem Inhaber oder Betreiber der betroffenen Geschäfte berichteten Richterin Judith Blohm jetzt von den Schäden, die die Einbrüche verursacht haben. Unter den Zeugen auch ein Angestellter eines Reifendiscounts in Delmenhorst: Mit seinem Geschäft begann Anfang Januar 2016 die Einbruchserie. Bis August folgten 34 weitere Einbrüche.

Morgen um sieben Uhr war die Tür kaputt

Als der Mann morgens um sieben zum Geschäft kam, war die Tür kaputt und die Kasse mit 500 Euro Bargeld und einigen Tankgutscheinen weg. Die Versicherung ersetzte später zwar nicht das Geld, aber den weitaus größeren Schaden an der Eingangstür: um die 5000 Euro. Nach der Tat konzentrierten sich die Diebe aufs Stehlen von Zigarettenstangen, nahmen Waren im Wert zwischen hundert und 20.000 Euro mit.

Fast alle Angeklagten sitzen in Untersuchungshaft

Fünf der Männer sitzen in U-Haft. Ihnen drohen Haftstrafen von bis zu viereinhalb Jahren, ist nach Gesprächen zwischen Verteidigern und Gericht klar. Der Haupttäter war gleich an 19 Einbrüchen beteiligt. Auch er gab alles zu und erzählte zudem, was ihn antrieb.

Ehemaliger Gerüstbauer auf der schiefen Bahn

Eigentlich verdiente der 28-Jährige gut als Gerüstbauer. Doch er brauchte Geld, berichtete er zusammen mit seinem Anwalt: für die Familie in Rumänien, die schon immer von der Hand in den Mund lebte, für eine Operation des Bruders, der in Italien ohne Krankenversicherung um sein Leben kämpfte, für Frau und Kind. Angehäuft hatte er in den acht Jahren in Deutschland nur Schulden: 20.000 Euro bei der Bank, dazu Mietrückstände.

Mit großen Hoffnungen aus Rumänien verabschiedet

2008 hatte er sich von seiner Mutter in Rumänien verabschiedet. Zu Fuß in den Westen wollte er, mit nichts als einer Jacke am Leib. Bei einem Bauern bei Nürnberg fand er seinen ersten Job – illegal für 400 Euro im Monat. In Bremen lebte er zuerst von Ladendiebstählen, „schlicht und einfach, um etwas zu essen zu haben“, sagte sein Anwalt Axel Himmelmann. Dann fand er reguläre Arbeit bei Schaustellern, später den Job als Gerüstbauer. Nur da brauchte er schon mehr Geld, als er verdiente.

Er möchte gerne „alles wieder gutmachen“

Was an seiner Erzählung stimmte, was er ausschmückte, weiß nur er. Die Richterin aber sprach nach seiner Schilderung von einer „authentischen“ Einlassung. Und sein Arbeitgeber saß im Gerichtssaal „zur Unterstützung“, will ihn nach der Haft zurücknehmen. Der Angeklagte selbst würde gerne „alles wieder gutmachen“. Gelingen wird ihm das wohl nicht: Der Schaden dürfte weit im sechsstelligen Bereich liegen. Die Fortsetzung folgt.


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