28.11.2016, 18:48 Uhr

Ausbleiben ist teures Ärgernis Delmenhorster Gastwirte erwägen Vorauszahlung für Reservierungen

Gerade vor Weihnachten zieht es viele Gäste in großen Gesellschaften für Weihnachtsessen in die Restaurants in Delmenhorst wie hier ins Riva. Wenn die Gäste trotz Reservierung ausbleiben, müssen die Gastronomen Einbußen hinnehmen. Foto: Johannes GiewaldGerade vor Weihnachten zieht es viele Gäste in großen Gesellschaften für Weihnachtsessen in die Restaurants in Delmenhorst wie hier ins Riva. Wenn die Gäste trotz Reservierung ausbleiben, müssen die Gastronomen Einbußen hinnehmen. Foto: Johannes Giewald

Delmenhorst. Um sich gegen fehlende Einnahmen aus ausgelassenen Reservierungen abzusichern, haben Bochumer Gastwirte eine Anzahlung eingeführt. Eine Idee, über die auch Delmenhorster Gastronomen schon nachgedacht haben, wie eine Umfrage unserer Redaktion ergab.

Die einen melden sich kurzfristig „krank“, andere erscheinen erst gar nicht – oder mit deutlich weniger Leuten als angekündigt. Wenn Gäste in Restaurants Tische reservieren und ausbleiben, bedeutet das für die Gastronomie ein erhebliches Fehlen von Einnahmen. In den Tagen vor Weihnachten, der Zeit von Firmen- und Familienessen, macht sich das besonders bemerkbar. In Bochum erheben Gastwirte seit Kurzem eine Vorauszahlung, um nicht völlig leer auszugehen, wenn Gäste trotz Buchung ausbleiben. Kunden zahlen dadurch nicht mehr, bei wahrgenommener Bewirtung wird der Betrag am Ende von der Rechnung abgezogen. Einer solchen Möglichkeit gegenüber sind auch die Gastronomen in Delmenhorst nicht völlig abgeneigt.

„Die Idee ist nicht schlecht“, sagt Uwe Bielefeld, Betreiber von „Bielefelds Bürgerstuben“. Die Umsetzung sei das Problem: „Die Gäste würden das bei uns nicht tolerieren“, sagt Bielefeld. Wenn Kunden im Vorfeld zahlen müssten, würden sie eher zur Konkurrenz ausweichen.

Gastronomen müssen zusammenhalten

Vito Mandurino, der das Restaurant „Da Mimmo“ betreibt, spielt schon seit längerer Zeit mit dem Gedanken, eine Vorauszahlung einzuführen. Er hofft darauf, dass alle Gastronomen bei diesem Thema an einem Strang ziehen. „Da müssen die Kollegen mitspielen“, sagt der Gastronom, „wenn nur einer damit anfängt, dann ist die Konkurrenz da.“ Bei Kohlfahrten sei es bereits üblich, dass im Vorfeld ein Geldbetrag gezahlt werden muss. „Wenn es eine Gebühr gibt, dann würden die Leute Reservierungen auch wahrnehmen“, sagt Mandorino. In Italien gebe es eine solche Vorauszahlung schon seit einiger Zeit.

Oft käme es vor, dass Gruppen mit deutlich weniger Leuten eintreffen würden, als angekündigt. Was für die Gäste unbedeutend erscheint, sei für die Gastwirte in der Summe erheblich. „Das müssen wir runterschlucken“, sagt Uwe Bielefeld. Tarik Cirdi hat in seinem Loungebistro Riva im Jute Center bereits vor einem Jahr eine Anzahlung für Reservierungen für große Gesellschaften eingeführt. Das Verständnis dafür ist nicht bei allen Gästen gleich, wie er im Interview mit unserer Redaktion verrät.

Eintrittskarten statt Reservierungsgebühren

Viele Möglichkeiten, sich vor nicht wahrgenommenen Reservierungen zu schützen, gibt es nicht. Das „El Mariachi“ hat für die Weihnachtsfeiertage, wenn Familien die Restaurants zum gemeinsamen Essen aufsuchen, statt Reservierungen Eintrittskarten für das Dinnerbüfett verkauft. Für eine Bewirtung á la carte käme das allerdings einer Reservierungsgebühr gleich.

Die Einführung einer solchen Anzahlung sehen die Betreiber hier eher skeptisch. „Das bringt nichts, was nützt uns ein geringer Betrag, wenn eine komplette Gruppe für einen Tisch ausbleibt“, meint Seniorchef Asghar Motlagh. „Wenn alle es machen würden, dann ist das was anderes. Man müsste eine bestimmte Summe vereinbaren, damit es einen Sinn hat.“

Tarik Cirdi, Betreiber des Riva im Jute-Center und Vorsitzender des Dehoga-Stadtverbandes. Foto: Johannes Giewald

Dehoga-Chef Tarik Cirdi im Interview

Herr Cirdi, in einzelnen deutschen Städten gehen Gastronomen dazu über, bei den Reservierungen für Weihnachtsfeiern eine Anzahlung zu verlangen, die später auf den Verzehr angerechnet wird. Für wie sinnvoll und erforderlich halten Sie das auch in Delmenhorst?

Wir haben es da mit einem grundsätzlichen Problem zu tun, dass alle Gastronomen gleichermaßen betrifft, ob nun in Delmenhorst oder andernorts. Es hat sich als Unsitte eingebürgert, dass Leute nicht nur vor Weihnachten für eine größere Personenzahl reservieren lassen, dann aber manchmal nur mit der Hälfte der angemeldeten Personen kommen und erwarten, dass man dafür Verständnis hat. Kommt so etwas oft vor, entsteht den Betrieben ein enormer wirtschaftlicher Schaden. Und andere Gäste, die gerne einen Platz bekommen hätten, haben das Nachsehen. Deshalb fände ich es legitim, bei der Reservierung eine Anzahlung zu erheben, die später angerechnet wird. Es wird damit ja für keinen Gast teurer.

Warum stornieren die Leute nicht einfach rechtzeitig?

Ich glaube, das wird zu sehr auf die leichte Schulter genommen. Wir müssen die Leute sensibilisieren. Eine Reservierungsabsprache dient formal der Anbahnung eines Bewirtungsvertrages. Ein Gast erhält so auch einen Anspruch auf Erstattung, wenn er einen Tisch bestellt und wir diesen nicht bereitstellen würden. Wir erwarten im Gegenzug nur, dass wir informiert werden, wenn weniger Personen kommen oder die Reservierung hinfällig wird. Leider kämpft die Gastronomie auch mit Spaßreservierungen, gerade wenn es online läuft. Das Problem kennen Lieferdienste für Essen aber auch.

Wir halten Sie es selbst in Ihrem Lokal mit den Reservierungen?

Wir nehmen seit etwa einem Jahr eine zehnprozentige Anzahlung, wenn unser Event-Bereich für eine größere Gesellschaft gebucht wird. Bei Betrieben gibt es dafür mehr Verständnis als bei Privatpersonen. Wer einen Tisch für vier Personen reserviert, zahlt weiterhin nichts vorab.

Eine gemeinsame Linie scheint es demnach in der Delmenhorster Gastronomie nicht zu geben.

Nein, und das ist auch sehr schwierig. Im Endeffekt ärgern sich alle über das Problem, aber niemand traut sich, den ersten Schritt zu machen. Ich fände eine Anzahlung bei Reservierungen grundsätzlich in Ordnung. Von Gastronomen andernorts habe ich auch schon gehört, dass sie sich die Kreditkartennummer geben lassen und in Absprache bei Nichterscheinen eine Stornogebühr fällig wird. Tbre


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