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25.11.2016, 12:49 Uhr KOMMENTAR

Mordserie am Klinikum: Kontrolle ist besser

Kommentar von Michael Korn

Hinter diesen Mauern wurde offenkundig weggeschaut: Delmenhorster Klinikum. Foto: Ingo Wagner/dpaHinter diesen Mauern wurde offenkundig weggeschaut: Delmenhorster Klinikum. Foto: Ingo Wagner/dpa

Delmenhorst. Die Anklage gegen sechs Verantwortliche des Delmenhorster Klinikums im Fall des Massenmörders Niels H. wirft die Frage nach dem Stellenwert des Patientenschutzes auf. Ein Kommentar.

Massenmörder Niels H. konnte seine perfiden Gräueltaten an hilflosen Patienten nur begehen, weil zur damaligen Zeit im Delmenhorster Klinikum offenkundig eine Kultur des Wegsehens, Nicht-wahr-haben-Wollens und der Gleichgültigkeit vorherrschte. Diese erschütternde Schlussfolgerung legt die Anklage gegen sechs Führungskräfte des Krankenhauses nahe.

Taten hätten wohl verhindert werden können

Das kaum fassbare Leid der Angehörigen der Opfer wird mit den Ermittlungsergebnissen der Staatsanwaltschaft auf ein nahezu unmenschliches Maß gesteigert: Fortan müssen die Betroffenen nicht nur den gewaltsamen Tod ihrer Lieben verarbeiten, sondern auch mit der Gewissheit leben, dass die furchtbaren Taten womöglich leicht hätten verhindert werden können – mit einem systematisierten Patientenschutz und verantwortungsbewusstem Handeln von Mitarbeitern. Aber reicht das für eine größtmögliche Prävention aus?

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!

Neben dem am Klinikum inzwischen eingeführten anonymen Meldesystem und einer Patientenfürsprache wird es vor allem darauf ankommen, frühzeitig in der Ausbildung von Pflegepersonal und Ärzten sowie fortwährend in der Weiterbildung die Sensibilität für patientengefährdende Entwicklungen zu schärfen. Getreu dem Motto: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!


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