22.11.2016, 07:42 Uhr

Ärger im Delmenhorster Straßenverkehr Lkw-Fahrer packt aus: „Kinder, tragt Warnwesten!“

Besonders in der dunklen Jahreszeit sind Kinder ohne Warnweste und Licht leicht zu übersehen. Foto: Patrick Seeger / dpaBesonders in der dunklen Jahreszeit sind Kinder ohne Warnweste und Licht leicht zu übersehen. Foto: Patrick Seeger / dpa

Delmenhorst. Ein Lastwagenfahrer schlägt Alarm: Viele Kinder tragen beim Radfahren keine Warnwesten – und sind dadurch im Verkehr leicht zu übersehen.

Als Timo Grotheer den Hörer abnimmt und anfängt zu erzählen, klingt seine Stimme aufgewühlt, fast verzweifelt. Der 35-Jährige ist Berufskraftfahrer. Seit einigen Wochen schon beschäftigt ihn etwas ganz besonders: Immer wieder, jeden Tag, sieht er auf seinen Touren Kinder auf dem Fahrrad – ohne Warnweste, oft auch ohne Licht. Und das in der Dämmerung. „Ich habe mal gezählt“, berichtet er. 50 Kinder in 30 Minuten. Eine Warnweste trug nur eines.

Unsichtbare Radfahrer besonders für Lastwagen ein Problem

„Das ist mehr als alarmierend.“ Grotheer sieht dringenden Handlungsbedarf. „Jetzt, wo es so früh dunkel wird, ist es unerlässlich, dass die Kleinen im Straßenverkehr von Weitem zu sehen sind.“ Er habe schon so manche brenzlige Situation erlebt, sagt er. „Letztens schoss ein Kind urplötzlich aus einer Reihe parkender Autos heraus.“ Der Brummifahrer reagierte, nahm den Fuß vom Gas. Bisher sei noch nichts passiert. Zum Glück. Mit seinem großen Lkw habe er ohnehin Schwierigkeiten, alle Straßenwinkel mit dem Auge zu erfassen. Auch an die Autofahrer appelliert er, besonders Rücksicht zu nehmen.

Viele tragen dunkle Kleidung

Der Delmenhorster hat Eltern bereits auf die Gefahr angesprochen, mit mäßigem Erfolg. „Ich habe ihnen gesagt, dass man ihre Kinder einfach nicht sieht. Doch Einsicht hat keiner gezeigt, nur Spott. Das macht mich wütend.“ Auch Melissa Oltmanns, Pressesprecherin der Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch nimmt Eltern in die Pflicht, für die Sicherheit ihrer Kinder zu sorgen. „Sie sind in der Verantwortung und sollten selbst mit gutem Beispiel vorangehen“, empfiehlt sie. Viele Radfahrer seien viel zu dunkel gekleidet, das erhöhe die Gefahr übersehen zu werden noch einmal. „Für Autofahrer sind sie häufig nahezu unsichtbar.“ Die Lösung? Warnwesten, Blinklichter, Reflektoren: „Je mehr, desto besser. Lieber zu viel, als zu wenig.“ Um der Unfallgefahr vorzubeugen, führe die Polizei speziell vor Schulen unregelmäßig Kontrollen durch. „Dabei achten wir natürlich auf die Sichtbarkeit der Kleinen.“

Warnwesten sind „ungemein wichtig“

Die große Bedeutung von Warnwesten für die Sicherheit betont überdies Marion Lösking vom Delmenhorster Kreisverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs. „Die Westen sind in der dunklen Jahreszeit ungemein wichtig. Nicht nur für Kinder, für alle Radfahrer.“

Geld spenden für Warnwesten?

Lkw-Fahrer Timo Grotheer möchte derweil endlich wachrütteln und die Eltern erreichen. Er hat bereits eine Idee, wie er die Situation verbessern kann: Mit anderen Speditionen möchte er gemeinsam Geld sammeln für Warnwesten. „Die würden dann direkt an die Schulen gehen“, erläutert Grotheer und begründet seine Motivation einmal mehr mit drastischen Worten: „Ich möchte nie einen Menschen unter meiner Lkw-Achse haben.“


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