09.11.2016, 10:42 Uhr zuletzt aktualisiert vor

„Furchtbar für Europa“ Delmenhorster Reaktionen auf Donald Trumps Wahlerfolg

Donald Trump wird neuer Präsident der USA. Foto: imago / ZUMA PressDonald Trump wird neuer Präsident der USA. Foto: imago / ZUMA Press

Delmenhorst. Donald Trump wird Präsident der USA. Börsenkurse stürzen ab. Der Goldpreis steigt. Und wie sind Reaktionen in Delmenhorst? Die Redaktion fragt nach.

Axel Jahnz, Oberbürgermeister: „Bei Wahlen darf man sich im Vorfeld nie zu sicher sein, das hat sich jetzt wieder gezeigt. Jedes Volk wählt sich seinen eigenen Präsidenten. Das größte Problem für Trump sind aber jetzt die Republikaner. Die müssen und werden seine Versprechungen einfangen, alles andere wäre politischer Selbstmord. Es gibt ja immer auch eine nächste Wahl.“

Antje Beilemann (SPD), Ratsvorsitzende: „Ich stehe nach dem Ergebnis noch unter Schock. Damit hätte ich nicht gerechnet. Die Wahl Trumps ist auch für Europa ganz furchtbar. Ich sage mit Karl Valentin: ,Hoffentlich wird es nicht so schlimm wie es schon ist!!“

Bastian Ernst, CDU-Ratsherr und Vorstandsmitglied SV Atlas: „Als die Nachricht aus dem Radiowecker kam, dachte ich zunächst an einen schlechten Traum. Das Ergebnis war für mich nicht absehbar. Ich hätte nicht so gewählt, aber man muss das Ergebnis einer demokratischen Wahl jetzt respektieren. Traurig ist zu sehen, wie viele Rechtspopulisten sich jetzt auch hier bei uns bestätigt fühlen. Für die amerikanische Politik hoffe ich, dass die Berater Trumps positiven Einfluss auf ihn nehmen.“

Cordula Fitsch-Saucke, Schulleiterin des Max-Planck-Gymnasiums Delmenhorst: „Das Ergebnis ist jetzt, wie es ist. Für mich hat sich bereits im Wahlkampf die Frage gestellt, warum in einer so traditionellen Demokratie keine anderen personellen Alternativen ihren Weg gfunden haben. – Für unseren Schulaustausch mit den USA kann ich sagen, dass wir dort über wunderbare Partner verfügen. Wir haben bislang nur gute Erfahrungen gemacht.“

Michael Müller, Leiter der Musikschule der Stadt Delmenhorst: „Ich bin fassungslos über die Manipulierbarkeit von Wählern. Der Wahlausgang ist unter anderem ein schwerer Schlag für den Umgang mit Minderheiten. Jede Nationalisierung von Politik widerspricht der Globalisierung der Welt und ihren Problemen, die doch nur gemeinsam gelöst werden können.“

Bertram Althausen, Kreispfarrer des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Delmenhorst/ Oldenburg-Land: „Das Ergebnis ist erschreckend. Ich bin sehr besorgt über den Wahlausgang. Trump hat sich wiederholt rassistisch, menschenverachtend und sexistisch geäußert. Ich hoffe sehr, dass die demokratischen Strukturen in den USA so stabil sind, dass die Grundfesten wie der Schutz von Minderheiten und das Recht von Andersdenkenden, sich zu äußern, Bestand haben werden – und ich hoffe, dass Trumps Politik durch die demokratischen Strukturen kontrollierbar ist.“

Dr. Carsten Jöhnk, Leiter des Nordwestdeutschen Museum für Industriekultur: „Nach den letzten Hochrechnungen hat mich das Ergebnis überrascht. Ich hatte auf einen anderen Ausgang gehofft. Das war beim Brexit ähnlich. Trumps Wahl bringt, das sieht man an den ersten Reaktionen an der Börse schon, Unruhe in die Welt. Er steht, und das besorgt mich ebenfalls, nicht für Toleranz.“

Carsten Brömstrup, Leiter Anlagestrategie der OLB: „Wir gehen davon aus, dass die Märkte auf den Sieg von Donald Trump zunächst negativ reagieren, nachdem sein denkbarer Erfolg zuletzt schon teilweise eingepreist war. Wir rechnen mit einer erheblichen Unsicherheit an den Märkten, da etliche Haltungen von Trump wenig detailliert und weit von traditionellen republikanischen Positionen entfernt sind. Hoffnung gibt die Erfahrung aus dem Brexit-Fall. Der kam ebenso unerwartet. Die Kurse konnten sich aber nach einigen Wochen wieder fangen. Global gesehen stehen die fundamentalen Daten aber auf zunehmend soliden Füßen. Vieles kommt jetzt auch auf das Verhalten der Notenbanken an.“

Prof. Dr. Reto Weiler, Rektor des Hanse-Wissenschaftskolleg (HWK): „Die Wahl Trumps zeigt, dass es in den USA ein hohes Bedürfnis nach Veränderungen gibt. Dabei spielt sicher auch die rasante Globalisierung der vergangenen Jahre eine Rolle, die viele Verlierer hervorgebracht hat. Trump konnte die Wahl nur gewinnen, weil er die Rolle des polternden Outcasts angenommen und ausgefüllt hat. Jetzt aber wird er in ein politisches System eingespannt. Für die Wissenschaft erwarte ich durch Trumps Sieg eine gewisse Themenverschiebung, das ist normal nach Wahlen. Eine massenhafte Auswanderung amerikanischer Wissenschaftler sehe ich aber nicht.“

Astrid Grotelüschen (CDU): „Ich bin glücklich, mit meinem Mann verheiratet zu sein. Ich hoffe auf Kontinuität in der deutsch-amerikanischen Zusammenarbeit. Trump wird sich an seinen Leistungen messen lassen müssen.“

Susanne Mittag, SPD-Bundestagsabgeordnete: „Der Sieg Trumps nach dem emotionalen und streckenweise brutalen Wahlkampf ist beunruhigend und ziemlich erschütternd. Die Zusammenarbeit zwischen den USA und Europa wird jetzt ungleich schwerer. Die USA sind durch den Wahlkampf zu einem zerrissenen Land geworden. Zudem wird Trump seine Wahlversprechen nicht einhalten können, das wird viele seine Wähler enttäuschen.“

Britta Jochims, Kreishandwerksmeisterin: „Meine erste Reaktion war: Oh Gott! – Ich denke, die Amerikaner waren – direkt nach einem farbigen Präsidenten – noch nicht bereit für eine Frau an der Spitze. Ich habe selbst 13 Monate in den USA gelebt und kann sagen, dass die Amerikaner ein wenig anders ticken. Die Entwicklung jetzt ist auf jeden Fall nicht gut.“


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