17.11.2015, 22:11 Uhr

Nach den Anschlägen von Paris Delmenhorster geben ein Zeichen gegen den Terror

Baten um Frieden und Toleranz: Die Vertreter christlicher Kirchen (v. l.) Pastor Enno Konukiewitz, Matthias Matay Gabriel, Pastor Hubert von der Heide, Johannes Mitternacht und Pastor Rudi Grützke während der Fürbitte in der Stadtkriche. Foto: GrabbeBaten um Frieden und Toleranz: Die Vertreter christlicher Kirchen (v. l.) Pastor Enno Konukiewitz, Matthias Matay Gabriel, Pastor Hubert von der Heide, Johannes Mitternacht und Pastor Rudi Grützke während der Fürbitte in der Stadtkriche. Foto: Grabbe

Delmenhorst. Für Frieden, für Respekt, für Toleranz: In der Stadtkirche ist gestern ein interreligiöser Gottesdienst abgehalten worden. Hintergrund waren die Anschläge von Paris am vergangenen Freitag.

In einem bewegenden Gottesdienst haben Vertreter verschiedener Religionen in der Stadtkirche den Opfern der Anschläge in Paris gedacht. Am Freitag hatten radikalislamische Terroristen parallel zum Fußball-Länderspiel zwischen Deutschland und Frankreich in der französischen Hauptstadt mehr als 130 Menschen getötet. Den interreligiösen Gottesdienst gestalteten vor rund 65 Besuchern die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), die Islamischen Gemeinden Delmenhorst (IDG) und die jüdische Gemeinde.

„Kein Muslim darf den Terror hinnehmen“

„Angst packt mich an, denn ich ahne, es nahen Tage voll großer Klage.“ Mit diesen Worten leitete der Schauspieler Johannes Mitternacht den Gedenkgottesdienst ein. Es war ein Satz, der die Furcht beschrieb, die die Terroristen im Herzen Europas ausgelöst hatten. Die Attentäter seien „irregeleitet und verblendet“ gewesen, so Pastor Enno Konukiewitz, als „feige und kriminell“ bezeichnete Pedro Becerra von der jüdischen Gemeinde die Terroristen. Ihre Taten, so sprach Cengiz Gültepe von der Ditib-Gemeinde als Vertreter der IDG, seien aufs Schärfste zu verurteilen. „Aber das gilt auch für alle anderen Anschläge auf der Welt.“ Kein Muslim dürfe den Terror hinnehmen oder religiös legitimieren. „Die Attentäter handelten nicht nach dem Willen Gottes“, fand Gültepe deutliche Worte. „Der Terror ist keiner Religion zuzuordnen.“

Konflikte im Deckmantel der Religion

Nach den Anschlägen hatte der französische Karikaturist Joann Sfar von der Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“, deren Redaktion am 7. Januar dieses Jahres selbst Ziel eines islamistischen Anschlags geworden war, gesagt: „Wir brauchen nicht noch mehr Religion.“ Hintergrund war das Hashtag #prayforparis, das Nutzern von sozialen Netzwerken als Schlagwort zu den Pariser Attentaten dient. „Viele Konflikte auf der Welt werden unter religiösem Deckmantel ausgetragen“, nahm Pastor Thomas Meyer Bezug auf Sfars Aussage. „Dabei geht es eher um Macht. Und nicht um Religion.“ Die Religion selbst, so Meyer, sei nun gefordert, für das Leben einzutreten und Trost und Lebensfreunde zu vermitteln. „Wir müssen Mauern einreißen und anderen Religionen mit Respekt gegenüberstehen.“ Auf diese Weise werde auch die freiheitlich-demokratische Gesellschaft erhalten, die insbesondere durch den aus dem Französischen stammenden Sinnspruch „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ geprägt sei.

„Ich setze auf die Liebe. Schluss“

In den Fürbitten baten Vertreter der ACK unter anderem um eine von Verständnis und Toleranz geprägte Gesellschaft, um Frieden, Freundschaft und den Abbau von Ängsten.

Passend dazu standen die Schlussworte, die erneut Johannes Mitternacht vorbrachte und die wie ein Appell auf die Gäste im Kirchenschiff wirkten. Er trug ein Gedicht des Schriftstellers Hanns Dieter Hüsch vor. Darin stellt der Erzähler am Ende des Textes resolut und unverrückbar fest: „Ich setze auf die Liebe. Schluss.“


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