22.06.2015, 20:11 Uhr

Noch keinen Nachfolger gefunden „Vogeldoktor“ schließt Auffangstation in Delmenhorst

Nach mehr als 60 Jahren im ehrenamtlichen Einsatz für die Tiere schließt Werner Jeske seine Auffangstation. Archivfoto: Martina I. MeyerNach mehr als 60 Jahren im ehrenamtlichen Einsatz für die Tiere schließt Werner Jeske seine Auffangstation. Archivfoto: Martina I. Meyer

Delmenhorst. Mehr als 60 Jahre hat Werner Jeske Vögeln und Wildtieren in Not geholfen. Zum 1. Juli endet nun seine Zeit als Delmenhorster „Vogeldoktor“. Seine Auffangstation an der Lessingstraße nimmt bereits jetzt aus Krankheitsgründen keine Fundtiere mehr an. Einen Nachfolger vor Ort gibt es noch nicht.

„Ich möchte mich für das Vertrauen bedanken, das unendlich viele Menschen in mich gesetzt haben und dem ich, wie ich denke, gerecht geworden bin“, sagt Jeske zum Abschied. Der Vogeldoktor war in den vergangenen Jahren die erste Anlaufstelle für Delmenhorster, die verletzte Vögel oder verlassene Jungtiere gefunden haben.

Auch Greifvögeln und Wildtieren geholfen

Rund 500 Vögeln hat er pro Jahr geholfen, darunter auch Eulen, Bussarden und anderen Greifvögeln. Zunächst bot er seine Hilfe rein privat an, später ehrenamtlich im Auftrag der Stadt. Bereits im Alter von 15 Jahren nahm er die ersten Vögel bei sich auf.

Doch seine Hilfsbereitschaft betraf nicht nur Vögel. Zahlreiche junge, eigentlich für den Winterschlaf zu leichte Igel fanden bei ihm jedes Jahr einen Platz zum Überwintern. So verbrachten jeweils zwischen 130 und 150 Igel die vergangenen Winter bei Jeske. Hasen, Kaninchen, Eichhörnchen: Sie alle wurden bei Jeske wieder aufgepäppelt. „Es war auch mal ein Jungreh dabei. Das habe ich dann aber weitergegeben. Dafür war hier nicht genug Platz“, berichtet der Tierexperte.

Verdienstmedaille der Bundesrepublik bekommen

Für seine Leistungen wurde Jeske im vergangenen Jahr im Rathaus mit der Verdienstmedaille der Bundesrepublik ausgezeichnet. „Mit meinem über viele Jahre gewachsenen ornithologischen Sachverstand habe ich vielen Kreaturen geholfen und vielen Mitmenschen mit Rat und Tat zu Seite gestanden“, berichtet Jeske. Nicht nur Tiere und Finder profitierten von seiner Hilfe, auch Schulklassen und Kindergärten hat er in seiner Auffangstation empfangen und sein Wissen mit ihnen geteilt.

Ein Nachfolger hat sich noch nicht gefunden

„Ich hoffe sehr, dass sich jemand Adäquates findet, der meine Arbeit weiterführt. Ich verabschiede mich nun im Alter von 79 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand“, schreibt Jeske zum Abschied. Eine Anschlussregelung steht laut Jeske noch nicht fest. Auf einen Nachfolger würde eine große Aufgabe zukommen. Der Vogelexperte stand nicht nur rund um die Uhr bereit, um Tiere in Not aufzunehmen, er musste auch zahlreiche Zertifikate und Zeugnisse vorweisen, um beispielsweise Greifvögel versorgen zu dürfen.


Nach der Schließung von Jeskes Auffangstation gibt es in Delmenhorst keine Anlaufstelle mehr, um verwaiste oder verletzte Vögel aufzunehmen. Der NABU bietet unter www.nabu.de eine deutschlandweite Übersichtskarte für Wildtier-Aufnahmestellen. Folgende Auffangstationen gibt es in der Region:

Die Wildtierauffangstation Rastede, Parkstraße 154, Telefon (0171) 3649091, nimmt Reptilien, Amphibien und alle Vögel außer Weiß- und Schwarzstorch sowie Kranich auf. Für Storche ist Udo Hilfers, Storchenweg 6, Telefon (04406) 1888, in Berne zuständig. Greifvögeln und Eulen bietet Iris Faensen-Glienke, Bremer Straße 32, Telefon (04235) 1303 oder 1555, in Langwedel-Etelsen bei Achim eine neue Heimat. Schwarzstorche und Kraniche nimmt Bernd Marcordes vom Vogelpark Walsrode, Telefon (05161) 604412, auf.

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