04.03.2015, 11:23 Uhr zuletzt aktualisiert vor

1977 Kind in Delmenhorst getötet Wolf in Wohngebiet weckt böse Erinnerungen

Der Wolf ist tot, mit einem gezielten Schuss erlegt. So endete 1977 das Drama um das von dem Tier getötete Kind. Archivfoto: Horst SchillingDer Wolf ist tot, mit einem gezielten Schuss erlegt. So endete 1977 das Drama um das von dem Tier getötete Kind. Archivfoto: Horst Schilling

Delmenhorst. Den Vorfall mit dem ausgebüxten Wolf hat Hartmut Waßmann bis heute nicht vergessen. Der langjährige Jäger warnt mit Blick auf die aktuelle Diskussion vor falsch verstandener Tierliebe.

Der Wolf, der in diesen Tagen durch ein Wildeshauser Wohngebiet gestreift ist, weckt bei Hartmut Waßmann böse Erinnerungen. Der 70-Jährige hat noch den schlimmen Vorfall im Gedächtnis, bei dem im August 1977 in Delmenhorst ein siebenjähriges Kind durch einen Wolf zu Tode kam, und plädiert für ein konsequentes Vorgehen. „Nach meinem Verständnis gehört so ein Tier nicht in dicht besiedelte Gebiete“, sagt der langjährige Jäger. „Ich bin kein Tierfeind, aber es gibt natürliche Grenzen.“

Pyrenäen-Wolf war seinem Besitzer entwischt

Der siebenjährige, aus Bremen-Huchting stammende Junge hatte am 13. August 1977 mit anderen Kindern am östlichen Stadtrand von Delmenhorst gespielt, als er von einem Pyrenäen-Wolf angefallen und getötet wurde. Das erst im Mai 1976 geborene Jungtier war seinem Besitzer bei einem Transport von Goldenstedt in einen Tierpark in Osterholz-Scharmbeck auf der Bundesstraße 75 aus einem hölzernen Behälter entwischt.

Vor der Attacke auf das Kind war der Wolf offenbar vier Tage durch die Gegend gestreunt. Dann hatte er sich, das Jagen nicht gewohnt, mutmaßlich ausgehungert auf sein Opfer gestürzt.

Zunächst für Schäferhund gehalten

Warnungen vor dem Tier, dessen Verlust der Polizei gemeldet wurde, hatten die Behörden offenbar zunächst nicht in Alarmzustand versetzt. Als es dann zur Attacke auf den Jungen kam, wurde anfangs ein Schäferhund als Angreifer gemutmaßt. Die Polizei rief zur Unterstützung die örtliche Jägerschaft in den Bereich Varreler Bäke und Varrelgraben, wo das Tier vermutet wurde. Die herbeigeeilten Jäger kamen geradewegs von einer Taubenjagd.

Ein ebenfalls im Einsatz befindlicher Polizeihubschrauber scheuchte die Kreatur schließlich nach mehr als zwei Stunden in einem Maisfeld auf. Einem Jäger gelang es mit seiner Büchse, das Tier zu erlegen. Dass es der entflohene Wolf war, stellte sich erst später heraus.

Zwei Jungtiere transportiert

Der Besitzer aus Goldenstedt hatte ihn zusammen mit einem anderen Jungtier erworben und beide an den Tierparkbesitzer in Osterholz-Scharmbeck verkauft. Er selbst wollte nach Bremen umziehen, wo er die Tiere nicht mehr behalten konnte. Das zweite Tier war ebenfalls bei dem Transport dabei, aber nicht geflüchtet.

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Jäger Waßmann hält es für angemessen, auch den nunmehr in Wildeshausen gesichteten Wolf notfalls zu erschießen. „Wenn wir damals anders gehandelt hätten, wäre vielleicht noch mehr passiert“, sagt er und warnt vor falsch verstandener Tierliebe. Nicht einmal ein domestizierter Wolf, um den es sich damals gehandelt haben dürfte, sei zu unterschätzen.

Vermutlich sei der Junge zum Opfer geworden, weil er noch klein war und am Boden spielte. Waßmann sagt: „Wenn man sich bei einem Wildtier unterhalb der Kopflinie befindet, ist es geneigt anzugreifen.“

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