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15.11.2016, 14:28 Uhr KOMMENTAR ZUM ARBEITGEBERTAG

Zuwanderung: Was die Wirtschaft wirklich fordern muss

Kommentar von Katharina Ritzer

Arbeit gibt es, aber immer weniger qualifizierte Kräfte, die sie erledigen können. Ein Grund: der demografische Wandel. Die Arbeitgeber fordern deshalb, die Regeln für qualifizierte Zuwanderung zu verbessern. Foto: dpaArbeit gibt es, aber immer weniger qualifizierte Kräfte, die sie erledigen können. Ein Grund: der demografische Wandel. Die Arbeitgeber fordern deshalb, die Regeln für qualifizierte Zuwanderung zu verbessern. Foto: dpa

Osnabrück. Der Arbeitsmarkt und die Zuwanderung waren zwei große Themen beim diesjährigen Arbeitgebertag in Berlin. Eigentlich wäre es einfach, beides zusammenzubringen – wenn die Politik endlich ein überfälliges Gesetz auf den Weg bringen würde. Ein Kommentar.

Der demografische Wandel hängt als Damoklesschwert über diesem Land. Darauf weisen vor allem diejenigen schon lange und schon lange mit Recht hin, die hierzulande Wirtschaftspolitik machen. Da machte auch Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer auf dem Arbeitgebertag in Berlin keine Ausnahme. Bis 2030 werde die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter um sechs Millionen sinken, so das drohende Szenario, das er - wie viele andere vor ihm - entwarf. Kramers Ableitung daraus: Die Regeln für qualifizierte Zuwanderung müssen verbessert werden.

Da passte es gut, dass Kanzlerin Angela Merkel in ihrer Rede nachdrücklich an die Wirtschaft appellierte, mehr Flüchtlinge und Asylsuchende zu beschäftigen. Die These, die daraus folgt: Das Personal, das die vakant werdenden Arbeitsplätze besetzen soll, ist teilweise schon im Land. Brächte man beides zusammen, hätte man eine Win-win-Situation, wie es im Wirtschaftsdeutsch so schön heißt.

So schön einfach ist es dann aber freilich doch nicht. Abgesehen von der Sprachbarriere, an der viele Flüchtlinge und Migranten scheitern, hapert es in vielen Fällen auch an der Qualifikation. Das deutsche Modell der dualen Ausbildung, bei der man in einem Betrieb praktisch und in der Berufsschule theoretisch lernt, hat weltweit kaum Schule gemacht. Tatsächlich ist es mittlerweile sogar im eigenen Land schwer, passenden Nachwuchs zu finden. Schlecht vorbereitete Lehrlinge und Auszubildende bereiten nicht nur dem Mittelstand Sorgen, auch Universitäten klagen über dürftig vorgebildete Klienten.

Um also jene „qualifizierte Zuwanderung“ zu bekommen, ohne die der wirtschaftliche Status Quo des Landes in Zukunft kaum zu halten sein wird, braucht es mehr und vor allem andere Arbeitskräfte. Das schon so lange diskutierte, von der Union aber beharrlich abgelehnte Einwanderungsgesetz wäre ein wichtiger Schritt. Der Arbeitgeberpräsident sollte die Gelegenheit nutzen, die Kanzlerin darauf hinzuweisen.


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