28.10.2016, 05:00 Uhr

Herforder entwickelt „O-Clean“ Ekelhafter Griff: Hygieneschlitten macht Einkaufswagen sauber


Bünde. Einkaufswagen von Supermärkten gehen täglich durch hunderte Hände. Kein Wunder, dass die Griffe der Wagen Bakterienschleudern sind. Mit einem kleinen Plastikring Namens „O-Clean“ sagt die Firma „HöRe“ den Bakterien den Kampf an.

Ein kleiner, länglicher Plastikring schmiegt sich um den Griff der Einkaufswagen auf dem Supermarktparkplatz. „Links + rechts = sauber“ steht darauf, Pfeile zeigen in beide Richtungen. Kunden, die sich einen Einkaufwagen nehmen, schieben den Ring einmal nach links und einmal nach rechts – und der Griff des Wagens ist desinfiziert. Was so simpel klingt, ist ein Hygieneschlitten mit dem Namen „O-Clean“. Entwickelt hat ihn der 30-jährige Marcel Höcker, der aus dem Kreis Herford (NRW) kommt und 2013 die Firma „HöRe“ gegründet hat.

Ekelhaftes Ergebnis

Denkt man darüber nach, was sich auf einem Einkaufswagen-Griff – für unsere Augen unsichtbar – tummelt, wurde das auch Zeit. Für die Sendung „Markt“ hat der WDR Proben von Einkaufswagen-Griffen verschiedener Supermärkte genommen. Das Ergebnis: An den Griffen tummeln sich mehr Keime als auf der Brille einer öffentlichen Toilette. Auf der Hälfte der Proben fanden sich so viele Bakterien wie unter einer Schuhsohle. Zum Teil wurden sogar Schimmelpilze und Fäkalbakterien festgestellt. Zwar seien diese Keime für gesunde Menschen in der Regel ungefährlich – ekelhaft bleibt die Vorstellung dennoch. (Lesen Sie auch: So waschen Sie Ihre Hände richtig)

Unzufrieden mit Desinfektionstüchern

Seit einiger Zeit bieten Supermärkte ihren Kunden Tücher an, mit denen sie die Griffe der Einkaufswagen desinfizieren können. „Viele Händler haben über den Aufwand geklagt, da sie mehrmals am Tag die Handtücher und die Flüssigkeit wechseln müssen“, sagt Höcker. Außerdem falle dadurch viel Müll an und zahlreiche Kunden hätten die Tücher für andere Zwecke mitgenommen – zum Beispiel, um damit ihr Auto zu putzen. „Wir haben uns überlegt, was für andere Möglichkeiten es gibt, die näher am Einkaufswagen dran sind.“

Viele Vorbestellungen

So ist der „O-Clean“ entstanden, ein Produkt, das es laut Höcker so vorher noch nicht gab. Nach etwas mehr als zwei Jahren war die Entwicklung marktreif, seit Sommer 2016 ist sie auf dem Markt. „Das Produkt hat großen Anklang gefunden, die Händler sind zufrieden“, sagt Höcker, der Produktionstechnik studiert hat. „Wir haben für kommendes Jahr schon viele Vorbestellungen.“ In Zahlen heißt das: Rund 100 Supermärkte deutschlandweit haben bislang etwa 10.000 „O-Clean“ geordert.

So funktioniert das Produkt

Der Kunststoffschlitten besteht aus zwei Hälften. Klappt man die Kunststoffummantelung auf, findet man zwei Einlagen, die mit einem Desinfektionsfluid gefüllt sind. In der Einlage befindet sich ein Stück Filz, das sich alle 20 bis 30 Minuten mit der Flüssigkeit vollsaugt und diese dann auf dem Griff des Einkaufswagens verteilt. „Ganz egal, ob Kinder oder Erwachsene: Alle spielen mit dem Ring herum. Der Tank wäre dann schnell leer und Bakterien teilen sich nur einmal in der Stunde“, sagt Höcker. Tests hätten gezeigt, dass die Bakterien auf dem Griff abgetötet werden, nachdem der Hygieneschlitten darüber gezogen wurde. Die Oberfläche des Kunststoffschlittens ist mit einem Lack überzogen, auf dem Bakterien nicht haften können.

Der Hygieneschlitten ist laut Höcker günstiger als die Desinfektionstücher, der Aufwand für den Händler gering. Für ein Jahr soll das Desinfektionsmittel reichen, danach muss das Innere des Hygieneschlittens ausgewechselt werden.

Osnabrücker Supermarkt testet „O-Clean“

Da der Schlitten über den Griff geschoben wird, ist er nur für Einkaufswagen geeignet, die keine Promotionsbox haben. „Etwa 70 Prozent der Märkte in Deutschland haben Wagen mit Rundstange“, so Höcker. Derzeit ist der „O-Clean“ in Supermärkten unter anderem in Bünde, Lübbecke, Bad Salzuflen oder Hannover zu finden. Auch Mechthild Möllenkamp, Inhaberin der gleichnamigen Edeka-Märkte in Osnabrück, hat die Einkaufswagen ihrer Filiale an der Iburger Straße damit ausgestattet. „Das ist praktisch und es wird für die Kunden fast zum Automatismus. Wenn es dazu dient, die Grippe-Ansteckung zu verringern, ist das eine gute Sache“, sagt sie. (Lesen Sie auch: Grippesaison 2016: Wer sollte sich impfen lassen?)

In der Filiale an der Iburger Straße entschied sie sich für den Hygieneschlitten, weil es dort im Gegensatz zu den anderen Märkten noch keine Desinfektionstücher gab. Sollte sich der „O-Clean“ dort bewähren, könnte sie sich vorstellen, das Produkt auch in den anderen Filialen einzusetzen.

Fixierung für Einkaufswagen

Im kommenden Jahr soll der Hygieneschlitten auch in weiteren Supermärkten in der Region Osnabrück und im Emsland zu finden sein, sagt Höcker, der das Produkt auch international vermarkten will. Gerade war er für Gespräche in England.

Dass seine Firma „HöRe“ ein Produkt für Supermärkte entwickelt hat, kommt nicht von ungefähr. Zuvor brachte „HöRe“ mit Sitz in Stuttgart und Herford den „Trolleyfix“ auf den Markt – die kleinen gelben Punkte hinter den Parkbuchten auf Supermarktparkplätzen, in denen sich der Einkaufswagen fixieren lässt. Anfang des kommenden Jahres sollen zwei neue Produkte herauskommen. Was das sein wird, möchte Höcker allerdings noch nicht verraten.


Was ist der „O-Clean“-Hygieneschlitten?

Der Hygieneschlitten ist ein länglicher Kunststoffring, mit dem der Griff von Einkaufswagen desinfiziert wird. Er besteht aus zwei Hälften; in beiden befindet sich ein Tank mit Desinfektionsfluid. Darauf ist ein Filz, der sich alle 20 bis 30 Minuten mit der Flüssigkeit vollsaugt. Wird der Hygieneschlitten über den Griff des Einkaufswagens gezogen, wird das Desinfektionsmittel darauf verteilt. Die Bakterien werden abgetötet. Gummilippen sorgen dafür, dass der Griff nach der Desinfektion getrocknet wird.

4 Kommentare