20.09.2016, 09:54 Uhr

Bespitzelung wirft Fragen auf Nach Rücktritt: Rätsel um Motive des EWE-Personalchefs

Nach dem sofortigen Ausscheiden des bisherigen Personalvorstandes Nikolaus Behr bei dem Oldenburger Energieversorger EWE bleiben einige Fragen offen. Foto: dpaNach dem sofortigen Ausscheiden des bisherigen Personalvorstandes Nikolaus Behr bei dem Oldenburger Energieversorger EWE bleiben einige Fragen offen. Foto: dpa

Oldenburg. Nach dem sofortigen Ausscheiden des bisherigen Personalvorstandes Nikolaus Behr bei dem Oldenburger Energieversorger EWE bleiben einige Fragen offen. Vor allem: Warum hat er die Bespitzelung eines früheren Mitarbeiters mit Führungsfunktionen veranlasst?

„Das Motiv ist schwer zu erkunden“, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Stephan-Andreas Kaulvers am Montag auf Anfrage. „Es erschließt sich uns nicht wirklich.“ Kaulvers deutete an, dass es eher private Aspekte gebe, zu gleich aber auch welche aus der beruflichen Tätigkeit.

Kurz zuvor hatte Behr bei einer außerordentlich anberaumten Sitzung des Kontrollgremiums seinen Rücktritt angeboten, der angenommen wurde. Seit 9. September war er bereits mit sofortiger Wirkung freigestellt worden.

Vorangegangen waren interne Ermittlungen bei der EWE. Es habe Hinweise auf die Überwachungsaktivitäten gegeben. Vorstand und Aufsichtsrat seien dann sofort aktiv geworden. Man habe „Anwälte recherchieren lassen“, erläuterte Brückmann.

Ermittlungen gegen Detektei

In Lübeck laufen unterdessen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Diese richten sich aber nicht gegen Behr, sondern gegen eine Detektei, wie eine Sprecherin erläuterte.

Der frühere Mitarbeiter, der bespitzelt wurde – konkret ging es offenbar um die Fahrstrecken seines Autos, mit einer GPS-Ortungstechnik – war einst bei EWE Netz Angestellter mit gewissen Führungsfunktionen gewesen. EWE Netz, deren Geschäftsführer damals Nikolaus Behr war, wollte den Mann nach Vorwürfen zu seinem Führungsstil loswerden. Man kam damit vor Arbeitsgerichten in mehreren Instanzen aber nicht durch – weder mit den Vorwürfen zum Verhalten, noch mit Einschätzungen zu seinem Status („Leitend“ oder nicht?).

Weiteres Verfahren

Dieser hartnäckige Streit begleitete Behr auf seinem weiteren Weg. Er kam 2012 in den EWE-Vorstand. Die Bespitzelung sei eine „einseitige Entscheidung von Herrn Behr“ gewesen, hieß es nun.

Aktuell ist noch ein Verfahren um den EWE-Konzern und den Ex-Mitarbeiter vor dem Landesarbeitsgericht in Hannover anhängig. Derartig lange Streits seien bei Führungspersonal nicht gerade üblich, heißt es in Gerichtskreisen.


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