28.06.2016, 12:05 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Jobverluste in Bramsche Autozulieferer Heyform verlegt Produktion nach Rumänien

Bald keine Produktion mehr: Heyform-Hauptsitz in Bramsche bei Osnabrück. Foto: Marcus AlwesBald keine Produktion mehr: Heyform-Hauptsitz in Bramsche bei Osnabrück. Foto: Marcus Alwes

maa/sha Bramsche. Der Bramscher Autozulieferer Heyform hat angekündigt, seine Produktion an einen neuen Standort in Rumänien zu verlegen. Dadurch könnten in der 30000-Einwohner-Stadt im Landkreis Osnabrück mehr als 200 Arbeitsplätze verloren gehen.

Wie Heyform mitteilte, ist die Verlagerung Teil eines Restrukturierungsplans, der zugleich die Stärkung der Produktentwicklung und des Vertriebs in Bramsche vorsieht. Über den Umfang des Stellenabbaus werde derzeit mit dem Betriebsrat verhandelt. Der Umzug der Produktion nach Rumänien und die Bildung einer Vertriebs- und Entwicklungsgesellschaft in Bramsche sollten „zeitnah“ stattfinden.

Von Finanzinvestor zu Finanzinvestor

„Managementfehler der Vergangenheit zwingen Heyform Bramsche GmbH zu diesem Schritt, um sich in Bezug auf ihre Marktfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit zukunftsfähig aufzustellen“, begründete Heyform-Geschäftsführer Klaus-Magnus Junginger den Schritt in einer Stellungnahme. Der Sanierungsexperte war vor etwa drei Monaten neben Mit-Geschäftsführer Holger Pens eingesetzt worden, nachdem die Münchner Beteiligungsgesellschaft Dubag die Heyform von dem Finanzinvestor Nord Holding in Hannover übernommen hatte. Dubag ist in der Region kein Unbekannter. Das Unternehmen hatte 2012 die Osnabrücker Drogeriekette „Ihr Platz“ von dem angeschlagenen Drogisten Schlecker gekauft.

Heyform produziert bereits in Tschechien

Heyform – gegründet im Jahr 2009 und hervorgegangen aus der Segeltuchmacherei Heywinkel sowie der späteren Julius Heywinkel GmbH – hat in Bramsche aktuell rund 250 Angestellte, etwa 200 arbeiten in der Fertigung. Das Unternehmen, das Kunststoffkomponenten für die Autoindustrie herstellt, hat im vergangenen Jahr bereits eine Produktionsstätte im tschechischen Ceska Lipa eröffnet. Sowohl in Tschechien als auch in Rumänien produzieren Autohersteller in zahlreichen Werken für den europäischen Markt. In beiden Ländern haben sich deshalb auch viele Autozulieferer angesiedelt.

Betriebsrat und IG-Metall-Sekretär geschockt

Der ca. 250-köpfigen Belegschaft in Bramsche-Engter wurde gestern Mittag – aufgeteilt in vier einzelne Gruppen – die Strukturentscheidung durch die Unternehmensleitung mitgeteilt und erläutert. „Natürlich war niemand erfreut, wenn er eine solche Mitteilung bekommt“, stellte Betriebsratsvorsitzender Dietmar Schminkel danach fest. Auch er selbst wirkte immer noch sichtlich mitgenommen. „Wir müssen jetzt einen Interessenausgleich und Sozialplan verhandeln“, erklärte Schminkel. Die Arbeitnehmerseite hat zu ihrer eigenen Unterstützung inzwischen bereits einen Rechtsanwalt, einen Wirtschaftsprüfer und offizielle Gewerkschaftsvertreter der IG Metall eingeschaltet.

Deren Erster Bevollmächtiger, Stephan Soldanski (Osnabrück), nahm dann auch in einer ersten Stellungnahme kein Blatt vor den Mund . „Das ist ein ganz bitterer Tag für die Region“, sagte er. „Ich bin geschockt, dass wieder Beschäftigte für Managementfehler bezahlen müssen“, unterstrich Soldanski. Mit dem Beschluss zum Umzug nach Rumänien habe das Heyform-Management es sich aber leicht gemacht, so der Gewerkschafter: „Produktionsverlagerung ist das Einfachste, was man machen kann. Sich den Marktveränderungen am bestehenden Standort anzupassen, das ist dagegen eine echte Herausforderung.“

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Pahlmann: „Als Stadt keine Möglichkeit“

In Bramsche verbliebe von Heyform nach einer Verlagerung der Produktionsstätten somit nur eine Vertriebs- und Entwicklungsgesellschaft, über deren Art und Umfang es bisher keine näheren Informationen gibt. Bürgermeister Heiner Pahlmann sprach unterdessen in einer ersten Reaktion von „einem schweren Schlag für die Stadt“. Dass wahrscheinlich um die 200 Arbeitsplätze verloren gehen werden, „bedauern wir sehr, das macht uns traurig“, stellte der Leiter der Rathausverwaltung fest: „Als Stadt haben wir aber leider keine Möglichkeit, auf diese Unternehmensentscheidung Einfluss zu nehmen.“

Pahlmann mahnte jedoch grundsätzlich, die richtigen Lehren aus diesem Ereignis zu ziehen. „Es zeigt, dass wir als Politik und Verwaltung bei der Ansiedlung von Gewerbe und Industrie ganz konsequent am Ball bleiben müssen“, so der Bürgermeister. Es gehe darum, „immer wieder Arbeit und Beschäftigung zu sichern bzw. anzubieten“, so Pahlmann.

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Heyform Bramsche GmbH

Im Jahre 1913 rief Julius Heywinkel eine Segeltuchweberei in Osnabrück ins Leben. Der kinderlose Fabrikant verkaufte das Unternehmen später an den Automobilhersteller Karmann, der schließlich sein Kunststoffgeschäft in die damals gegründete Julius Heywinkel GmbH einbrachte.

Nach der Veräußerung durch Karmann wurde die GmbH letztlich in den Automobilzulieferer Heyform und den Textilbereich Heytex aufgeteilt. Es entwickelten sich seit dem Jahr 2013 zwei völlig unabhängig voneinander agierende Firmen. Beide sind allerdings immer noch räumlich Nachbarn und beide in Hallen und Gebäuden an der Heywinkelstraße in Engter an der L 78 beheimatet.

Wie und von wem die bisherigen Heyform-Hallen (nach einer Verlagerung der Produktion nach Rumänien) künftig genutzt werden, wird aber in nächster Zeit noch zu klären sein.

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